»Eins!«
Rings um die zwei kampflustigen Krieger arbeitete mit fieberhafter Lust das Bienenvolk, um das Leben des heranwachsenden Geschlechtes sicherzustellen. Unter den scharfen Augen der spähenden Schildwachen flogen am Eingang des Stockes die Arbeiterinnen. Sie trugen Futter für die Larven ein und füllten die Vorratskammern mit Lebensmitteln für die schlechte Jahreszeit. In jeder Minute kamen mindestens hundert Arbeits- oder Trachtbienen schwerbeladen am Eingang an, und Max, der oft dabeistand, um zuzusehen, beobachtete, daß jede Biene vier Flüge täglich machte. Da nun das Volk dreißigtausend Bürger zählte, so waren's zusammen hundertzwanzigtausend Ausflüge. Jeder Ausflug aber bedeutete: Ernte. Dabei hatte sich Max aber doch verrechnet, denn von den Dreißigtausend blieb ein Drittel zur Hausarbeit daheim. Es kamen also in Wirklichkeit achtzigtausend honig- und blütenstaubbeladene Bienen eingeflogen. Dieses emsige Aus und Ein gab einem oberflächlichen Zuschauer allerdings den Eindruck von Unordnung und Verwirrung, aber Max sah tiefer in dies Leben und konnte sich nicht genugtun im Bewundern seiner fabelhaften Regelmäßigkeit. Jeder erfüllte pünktlich seine eigene Aufgabe. Während die Sammlerinnen den Blütenstaub ordnungsgemäß in die entsprechenden Vorratszellen einlegten, widmeten sich andere der Reinigung des Gemeinwesens, andere sah er eine tote Biene fortschaffen, und wieder andere beförderten einen fremden Störenfried an die Luft. Mit liebenswürdiger Sorge verpflegt, wuchsen die jungen Larven augensichtlich, und unser Max vergnügte sich damit, sie in ihren Zellen zu besuchen, wo sie mit ihren fußlosen, weichen Körperchen still lagen. Eines Morgens sah er befremdet, wie diejenigen Bienen, die sonst Nahrung für die Larven herbeitrugen, sorgfältig die Zellchen mit einer Wachsdecke schlossen.
»Nun müssen die Kinder ersticken!« rief Max besorgt.
»Ei, warum nicht gar!« beeilte sich eine Biene zu erwidern. »Diese Larven sind nun genügend entwickelt, sie sollen sich jetzt verpuppen, um danach vollkommene Bienen zu werden. Es wird ihnen nicht allzuviel Mühe kosten, das Wachstürchen selbst durchzubrechen.«
Wißbegierig folgte Max solcher Arbeit, und er sah, wie unter andern auch eine Königinnenzelle verschlossen wurde. Ihre Wachsdecke wurde kuppelförmig geformt.
»Potztausend«, rief Max, »wie viele Vorrechte haben doch die Damen!«
Da kam gerade Großzang daher und meldete eifrig, daß die Mahlzeit aufgetragen sei. Max folgte seinem Adjutanten in sein Zimmer, wo eine von Süßchen beauftragte Biene ein leckeres Mahl auftischte. Max kostete und prüfte gedankenvoll den herrlichen Bissen im Munde.
»Das kenne ich doch! Der Geschmack ist mir doch nicht neu! Wo in aller Welt habe ich nur das schon gegessen?«
Plötzlich sprang er erfreut auf:
»Ich hab's! Meine Muskatellertrauben! Es schmeckt nach der Traube an unserem Landhaus!«