Schnell lief er dem Ausgang zu, wo er Süßchen sah, die, ihrer alten Königin treu, dem ausziehenden Schwarm folgte. Die zwei Ameisen kehrten wehmütig in die Stadt zurück und waren untröstlich über die Veränderungen. Sie wurden noch schmerzlicher bewegt, als sie sahen, daß die Erregung im Hause immer noch wuchs. Die zurückgebliebenen Bienen zogen in unordentlichen Reihen zu den Königszellen, wo immer noch der dichte Bienenschwarm Wache hielt, der die alte Königin abgewiesen hatte. Jetzt widerhallte im Stock ein Schreien und Rufen:
»Obacht! Hier ist sie schon!«
Eine junge Biene hatte eben die Wachsdecke ihres Geburtszimmerchens durchbrochen. An dem längeren Körper sowie an den kürzeren Flügeln konnte man gleich sehen, daß es ein Weibchen war. Sie schaute rings umher. Als sie neben sich die königlichen Zellen bemerkte, geriet sie in so schlechte Laune, daß sie sich plötzlich mit gezücktem Stachel wuchtig auf die nächste Zelle warf. Sie war schon im Begriffe, deren Decke mit ihrem spitzen Degen zu durchbohren und schrie:
»Was sollen diese andern? Weg mit ihnen!«
Die stets bereiten Wachen aber verhinderten die rasende Biene an einer solchen Freveltat. Schnell wurde sie vom Volke umringt, fortgezogen, und nicht nur an den Flügeln, sondern auch an den Beinen festgehalten. Unmöglich konnte sie daher einen zweiten Versuch erneuern. Vergebens suchte sie sich aus der Gefangenschaft zu befreien. Ermüdet und nach überwundenem Zorn einsichtig genug, blieb sie schließlich sitzen. Man sah aber, es ging in ihrem Innern etwas vor; denn ohne die Flügel auszubreiten, bewegte sie diese leise bebend. In dieser Stellung sang sie erst ganz leise, dann immer lauter das Morgenlied ihres Daseins:
»Stunde des Werdens, gegrüßet sei mir!
Leben zu geben,
Ordnung und Heil,
Ward mir das Leben
Heute zuteil.
Schöpfer des Lebens, wie danke ich dir!
Kommende Völker umschließet mein Schoß,
Mächtig entfaltet
Sich euer Reich.
Einig erhaltet,
Kinderlein, euch!
Ehret die Mutter, sie machet euch groß.«
Alle Bienen hielten still in der Arbeit ein. In Ehrfurcht neigten sie das Haupt. Unwiderstehlich erfaßte sie das Lied der Mutter und Königin. Alle gelobten Liebe und Treue.
Nach einigen Tagen erhob sich die Königin und sprach: