Die Gärung hatte indessen zugenommen. Jetzt summten und brummten alle Bienen, schlugen mit den Flügeln und gebärdeten sich so aufgeregt, als ob sie wirklich alle den Kopf verloren hätten. Da näherte sich die alte Königin. Erhaben und bewundernswert in ihrer Majestät sprach sie:
»Mein Volk! Bis jetzt glaube ich meine Pflicht als gemeinsame Mutter peinlich genau erfüllt zu haben. Die ungeheure Zahl der jungen Bienen beweist es, die ich unter euch sehe, lauter Kinder, die seit kurzem geboren sind und denen ich das Leben gab.«
»Wahr ist's! Es lebe die Königin!« riefen viele.
»Danke!« erwiderte sie kühl das Haupt neigend. »Ich sehe, meine Sendung ist erfüllt; die Nachkommenschaft, die ich geschaffen und für die ihr alle gearbeitet habt, braucht Platz. Sie muß ihre eigene Tätigkeit hier beginnen, muß ein neues und junges Reich gründen.«
Schon öffnet sich die Zelle einer neuen Königin.
»Es lebe die neue Königin!« riefen andere.
»Sie lebe!« fuhr die alte Königin fort, »und sei glücklich in eurer Mitte! Doch ihr wißt, daß in einem geordneten Bienenstaat nicht zugleich zwei Königinnen, zwei Mütter, leben dürfen. Unverbrüchlichen Gehorsam, zarte Sorge und unteilbare Liebe bringt ihr der einen Mutter des Volkes entgegen. Nie werden diese Gefühle für zwei bestehen können. So bleibe denn die junge Königin hier. Möge sie neue, starke und mutige Geschlechter erzeugen! Ich habe meine Lebensaufgabe noch nicht ganz erfüllt; viele neue Wesen fühle ich noch an meinem Herzen schlagen, viele junge Leben haben das meine noch nötig. Ich scheide daher und gehe, um ein neues Reich zu gründen, neuen Kindern Mutter zu sein. Ich danke der Natur, die mir die Kraft gegeben hat, zwei Völker zu gründen und zu beherrschen. Wer mich liebt, der folge mir nach!«
Nachdem sie diese Worte gesprochen hatte, ging sie dem Ausgang zu.
In der Volksmenge entstand jetzt eine unbeschreibliche Verwirrung, ein schreckliches Gedränge. Eine große Anzahl von Bienen folgte der alten Königin zum Ausgang. Auf ein Zeichen von ihr nahmen sie in raschester Bewegung ihren Flug hinaus zum Bienenstock. Mitten aus dieser dichten Wolke von summenden Bienen hörten die beiden Ameisen eine Stimme rufen:
»Lebe wohl, lieber Max!«