»Glückauf! Möchten sie alle fünfzig noch jung geknickt werden!«

Max wandte sich gern ab, lief vom Kragen eilfertig über die linke Schulter des Mannes herab und versteckte sich tief in einer Ärmelfalte, nur um das greuliche Tier nicht länger zu sehen.

»Eine merkwürdige Sache«, bemerkte Großzang, der Max auf Schritt und Tritt nachlief, »dieser Mensch raubt den Bienen ihren Honig, und das Insekt da droben saugt dem Menschen das Blut aus.«

»Na, an Steuern und Abgaben kommt keiner vorbei«, schloß Max die für Großzang merkwürdig kluge Beobachtung. »Aber es muß einer schon ein arg schmutziger Kerl sein, wenn er den Läusen freiwillig einen Blutzoll entrichtet!«


41. Dritter Klasse, Abteil für Raucher.

Schon geraume Weile reisten Max und sein Adjutant auf dem Ärmel, als der Mann anhielt. Max sah zwischen den Bäumen künstliche Bienenwohnungen und erkannte, daß er sich im Besitztum des Bienenzüchters befand, der mit seinem Vater wohl bekannt war, und der ungefähr tausend Schritte von seinem Haus entfernt wohnte: für ein Kind eine kleine Entfernung, aber ein ungeheurer Weg für Ameisenbeinchen! Der Mann, auf dem Max reiste, beugte sich nieder und stülpte mit rascher Bewegung die Strohglocke über ein zu ihr passendes, walzenförmiges Unterteil. Jetzt war die neue Familie in einem kuppelförmigen Bienenhäuschen untergebracht, in dem sie sich sehr wohl befand, denn die fleißigen Arbeitsbienen machten sich sogleich an ihre Geschäfte. Max gab Großzang ein Zeichen und rief:

»Schleunig absteigen!«

Zunächst liefen die beiden am Ärmel empor, gegen die Schulter hin, um dann über den Rücken der Joppe den Abstieg zu nehmen. Der Mann hatte sich inzwischen die Drahtmaske abgenommen und beguckte sorgfältig seine Bienenvölker. Eines davon schien verdächtig unruhig. Er mußte, um nachzusehen, was da vorgehe, den Deckel heben. Die Bienen waren schlecht gelaunt und sehr erregt. So stürzte im Nu ein wütendes Heer aus dem Stocke auf den Mann los und hüllte ihn wie eine Wolke ein, brummend und summend sein Gesicht bedrohend. Schnell lief er davon; doch die zornigen Bienen verfolgten ihn und zerstachen ihm jämmerlich Gesicht und Hände. Endlich ließen sie von dem Gepeinigten ab, der sich fluchend an einem Grabenrand niederließ, den Kittel auszog und sich mit ihm das schmerzhaft anschwellende Gesicht rieb. Dann legte er das Kleidungsstück neben sich ins Gras.

Das war alles so schnell vor sich gegangen, daß die beiden Reisenden todsicher auf unbekanntes Gebiet gestürzt wären, hätten sie nicht das unglaubliche Glück gehabt, in die Rocktasche zu fallen. Freilich war es trotzdem ein zweifelhaftes Vergnügen, denn Max und sein Adjutant befanden sich jetzt mitten in einem Gekrümmel von Tabakresten und Zigarrenstummeln. Um dem greulichen Gestank zu entgehen, blieb nichts anderes übrig, als in die Tabakpfeife zu flüchten, wo es durchaus nicht besser roch. Als der Kittel bewegungslos lag, sagte Max: