Nun glaubte Max aber wirklich verrückt zu werden. »Weibchen haben Flügel. Gut. Männchen haben Flügel. Noch besser. Aber, darf ich fragen, was sind dann wir beide eigentlich? Ich und Sie, wir haben keine Flügel, ich begreife nicht …«

»Das ist sehr einfach: wir sind weder männlich noch weiblich.«

»Waaaas???«

»Wir sind geschlechtlose Wesen.«

Wenn Max nicht eine so dunkle Hautfarbe gehabt hätte, hätte Fuska sehen müssen, wie er erblaßte. Wie ein frischgewaschenes Leintuch, so weiß, hätte er wohl ausgesehen. Es fuhr ihm durch alle Glieder. Bis jetzt hatte er für einen tüchtigen Buben gegolten, der ein großer Mann werden konnte. Wäre er als Ameisenmädchen geboren worden, er hätte sich in Gottes Namen darein gefügt. Aber nichts zu sein, weder Mann noch Frau, das war ja nicht zu ertragen. Im Ausbruch einer wilden Verzweiflung schrie er Fuska an:

»Ich will nicht geschlechtlos sein! Ich will nicht, ich mag nicht. Ich bin ein Mann und will einer bleiben. Der Alte mit dem grauen Rock hatte kein Recht, aus mir zu machen, was ihm beliebte! Wenn er ein gerechter Mann gewesen wäre, hätte er mich erst fragen müssen.« Weinerlich bettelte er jetzt: »Ich will ein Mann sein, liebe Fuska, ich will Flügel haben! Kannst du mir nicht die Flügel ankleben, die von dem Weibchen dort abgeworfen wurden?«

Fuska tröstete ihn liebevoll.

»Dein kindliches Verlangen ist zu verstehen; leicht beneidet man diejenigen, die uns glücklicher scheinen, als wir es sind. Aber glaube mir, wenn man solche Leute oft näher kennenlernte, würde man froh sein um das, was man ist, und Gott dafür danken.«

Allein Fuska hatte gut reden. Max traf dieser Schlag zu schwer. Wie vorhin, als er vom Beginn eines Unterrichts hörte, spürte er eine angstvolle Bangigkeit, die ihm den Hals zuschnürte. Tiefunglücklich schlug er sich mit dem rechten Vorderbeinchen vor die Stirne und stützte so seinen Kopf. Das Weinen war ihm näher als je.