So flüsterstill und schweigsam war es um diese Zeit, daß nicht einmal die rücksichtslosesten Schreier unter den Insekten, die kleinen Grillen, es wagten, die tiefe Ruhe zu stören.
Übrigens weiß ich längst, wie unbeliebt Beschreibungen bei euch sind. Wo ihr sie immer in Büchern antrefft, überspringt ihr sie in einem Hops, nicht wahr? Zudem ist es so wie so nicht schwer, sich mitten in einem schönen Garten ein weißes Haus mit grünen Läden vorzustellen, umrankt von üppigem Weinlaub; denn zwei kräftige Weinstöcke waren an jeder Ecke des Hauses gepflanzt und umkränzten prächtig alle Fenster mit hellem Grün. Muskatellersorte war es, und wer diese kennt, weiß sie zu schätzen! In dichten Massen glänzten die Blätter; was aber leider fehlte, das waren die süßen Trauben. Nur hier und dort schimmerte es goldig zwischen dem Laube, auffallenderweise aber nur immer hübsch entfernt vom Fenster. Es kommt nämlich beglaubigtermaßen höchst selten vor, daß Muskatellertrauben in erreichbarer Fensternähe zu finden sind; wenn Knaben in einem solchen Hause wohnen, fast niemals.
Bst! Bst! Seht dorthin an die Haustüre!
Ganz langsam öffnet sie sich und heraus schleichen, eines hinter dem andern, drei Kinder. Bedächtig steigen sie die Steinstufen herab. Zwei Buben sind's und ein Mädchen. Mit schleppenden Schritten gehen sie dahin und aus den Augen stiehlt sich trübselige Müdigkeit und Unlust bis zum Nasenspitzchen hin.
»Wie ist das möglich?« werdet ihr fragen, »im Sommer, zu dreien auf dem Lande, und trübselig, nicht froh und lustig sein?«
Ich kann es erklären.
Seht, jedes hält in der Hand ein Buch, aber kein Märchenbuch, keine Reiseabenteuer, sondern Schulbücher sind's. Vom Hause hört man rufen:
»Fleißig sein, Kinder! Onkel Walter kommt bald heim und überhört euch! O weh, wenn ihr dann nichts könnt, ist es zu Ende mit der versprochenen Kahnpartie!«
So schleichen die Dreie bekümmert ihres Weges. Ihre Bücher halten sie vor sich her, als ob es brennende Kerzen wären. Mit ihren traurig gesenkten Nasenspitzen erwecken sie den Eindruck, als ob sie zu einem Begräbnis gingen.