»Das versteht sich! Wir haben uns beim Graben tüchtig bestaubt, und ich will nicht hoffen, daß du dich im Schmutze wohl fühlst wie eine Kotwanze.«
Dieses Insekt mit dem häßlichen Namen, auf das Fuska anspielte und das bei den reinlichen Ameisen nicht gerade als Kosename gebraucht wird, heißt lateinisch Reduvius, was Max trotz seiner Studien im Latein nicht wußte. Es lebt in den Häusern bei den Menschen. Die Larve hüllt sich in Wollstaub und allerlei Kehricht, wie man ihn in den Ecken unreinlicher Wohnungen antrifft. Vermummt in einen Staubmantel, fällt sie nun aus dem Hinterhalt arglose Mücken an und verspeist sie. Ist aber das Insekt ausgewachsen, dann gibt es seine ungehörige Hinterlist und niedrige Verschlagenheit auf und jagt nach Beute im offenen Kampfe.
Fuska hatte recht, wenn sie die Lehre anknüpfte: »Reinlichkeit ist der erste und vornehmste Beweis eines gebildeten Geschöpfes, das Selbstachtung besitzt. Wir Ameisen halten sehr viel auf uns!«
»Wie in aller Welt soll ich mich aber reinigen? Wo ist Wasser, Seife, Handtuch?« Fuska begriff durchaus nicht, was er meinte.
»Nur rasch«, sagte sie, »mache dich sauber. Gebrauche flink deine Beinchen!«
Max stellte sich ungeschickt genug an. Am Ende seiner Füße befand sich eine Art Kämmchen mit scharfen Zähnen; damit konnte er, wenn er die Füße hob und beugte, seine Fühler bürsten; kreuzte er die Beinchen, so ließen sich Kopf und Rücken kämmen und die feinen Härchen glätten und striegeln, die an den Fußspitzen wuchsen.
»Wenn mir einer gesagt hätte, daß mir der Haarschopf an den Füßen wüchse!« witzelte er.
Plötzlich hielt er laut jammernd inne.
»Au weh, au weh!«