»Komm nur, wir werden unsere Kühe melken.«
Ziemlich einfältig blickte Max um sich.
»Kühe? Wo? Melken? Wie?« – Kopfschüttelnd ging er hinter Fuska her, die ihn in einen schiefen, aufwärts strebenden Gang führte, der bis zur Erdoberfläche reichte. Er fühlte die Luft freier und kühler wehen und bemerkte, daß der Gang oberhalb des Erdbodens weiter senkrecht emporstieg. Im Hohlraum des Ganges stand aus dem Erdboden herauswachsend der Stengel einer Pflanze. Es war ersichtlich, daß der röhrenförmige Bau errichtet war, um diese Pflanze zu schützen. Sie kletterten in die Höhe und gelangten schließlich in einen erweiterten Raum. Dieser glich einer hohlen Kugel. Hier lebten Insekten, die Max nicht gleich erkannte. Durch ein kleines Fensterchen drang ein Lichtstrahl ein, und Max sah, daß es Tierchen waren, wie er solche oft herdenweise an den Rosenzweigen in seinem Garten beobachtet hatte und die Onkel Walter Blattläuse nannte.
»Hier hast du zwei Arten von Milchkühen«, lud Fuska ein, »wähle und laß es dir tüchtig schmecken.«
Max stand verblüfft vor den Blattläusen und den Gallenläuschen, die Fuska Kühe genannt hatte.
»Melken? Ja, wie denn? – wo denn?«
»Nun hinten!« ermunterte ihn Fuska.
Max war verblüffter als zuvor. Wahrhaftig, für eine saubere Ameise, die sogar an den Füßen ihre Kämmchen mitführte, war dies eine schmutzige Geschichte. Allerdings hatte seine Mutter einmal in der Küche Brötchen mit einer gewissen Schnepfensache bestrichen, die dem Namen nach auch nichts Schönes versprach, die sich aber als Leckerbissen herausstellte. Ohne länger zimperlich zu zaudern, ahmte er Fuskas Beispiel nach, fing sich eine fette Kuh aus der Herde und begann tüchtig zu melken und zu schlucken, was sich die Blattlaus ohne Widerrede gefallen ließ. Es war natürlich keine Milch, was ihm da so gut mundete, sondern der ihm bereits bekannte vorzügliche Sirup. In mächtigen Zügen trank er sein Bäuchlein so rundlich voll, daß er zur Verdauung an die frische Luft zu gehen wünschte.
Durch das Fenster stieg er mit Fuska ins Freie und kletterte längs der Außenwand zur Erde hinab. Nun lag das anmutige Bauwerk im Mondlicht vor seinen Blicken, dessen Äußeres er sich vorher nicht gut vorzustellen vermochte.