Zwei Soldaten führten ihn hinaus, und hier konnte er den feindlichen General beim Tageslicht betrachten.

Es war eine Ameise mit kräftigem Körperbau und wohlgeformten Gliedern. Auf seinem Gesichte lag ein so wildverwegener Ausdruck, daß eine ehrliche Ameise zu Tode erschrocken wäre, wäre sie ihm im Mondschein begegnet.

»Wie schade«, sagte Max, dem beim Tageslicht der Mut wieder wuchs, »hätten wir Schutzleute und Gendarmen, dies wäre der erste Galgenvogel, den ich einsperren ließe!«

Der Rote General verstand ihn nicht. Er wandte sich an seine Schergen und befahl:

»Beginnt die Hinrichtungen mit dem Ältesten.«

Max wandte sich um und sah den Professor, der in Sinnen vertieft zwischen seinen Wächtern stand. Als dieser den Befehl des Roten vernahm, erhob er seinen geistvollen Kopf mit Ernst und Würde und sprach:

»Ehe ich sterbe, wende ich mich noch einmal an alle Ameisen der Welt, von welchem Stamme sie auch sein mögen. Alle frage ich, wielange noch soll die unvernünftige Feindschaft herrschen zwischen Völkern, die die Natur zu Brüdern schuf? Gibt es nicht genug gemeinsame Feinde zu bekämpfen unter Insekten der fremden Ordnungen und vor allem unter den Vögeln? – Durch den inneren Aufbau unserer Staaten ragt ihr über alle andern Insekten hervor. Ihr seid ihnen an Geist überlegen, eure Arbeitsfreudigkeit steht einzig da in der Welt. Vereinigt eure Staaten zum großen Völkerbunde! Ihr Ameisen der ganzen Welt, vereinigt euch! Dies ist der letzte Wunsch eines Sterbenden, der lange genug gelebt hat und der euch nun für immer verläßt. Ich nenne euch alle zum Abschied Brüder und Schwestern, und dieser Name soll euch bedeuten: Friede und Verzeihung!«

Max war erschüttert von den aus tiefster Seele gesprochenen Worten dieses ehrwürdigen Ameisengreises, dieses wahrhaften Volksfreundes. Wer weiß, ob nicht auch unter den Roten etliche waren, die von der tiefernsten Rede ergriffen und überzeugt wurden?

Aber, hatte vielleicht er sich überzeugen lassen damals, als man ihm Vernunft und Einsicht predigte? Wenn uns jemand auf künftige Gefahren und düstere Möglichkeiten aufmerksam macht, die ein eitles Streben nach vermeintlich großen Dingen in sich schließen, spricht er zu tauben Ohren, und blind rennt der Tor seinen nichtigen Wünschen nach. Kommt dann das große Unglück als Folge seiner Handlungen, dann, ja leider erst dann dämmert ihm die Wahrheit, und er gibt dem weisen Ratgeber recht.