21. Ein hochvornehmer Mordgeselle.
Der neue Ankömmling war ein Insekt von der Familie der Grab- oder Mordwespen. Sie stelzte auf hohen Beinen daher, besonders das hintere Paar war unglaublich lang. An den Außenrändern der Unterschenkel saßen so viel Stacheln und Zähne, daß sie wie Sägen aussahen.
Dieses kecke Tier war mir nichts, dir nichts in den hohen Kriegsgerichtshof hereingeplatzt und fing ohne Umstände an, einem nach dem andern mit seinem schrecklichen Stachel den Leib zu durchbohren. Zwischen Richtern und Verurteilten gab es jetzt nicht mehr den mindesten Unterschied.
In der Verwirrung, die entstanden war, konnten sich wohl einige Ameisen retten, indem sie sich kopfüber in den nächsten Gang des Hauses stürzten; aber mit einem fürchterlichen Satz war die Wespe schon auf Max losgesprungen:
»So weit ist es mit mir gekommen!« seufzte schwerbedrückt der unglückliche Kaiser Butziwackel der Erste.
Sobald er aber die Wespe winseln hörte: »Au weh, wie hart bist du doch!« da wuchs schnell sein Mut. Er fühlte sich aufs beste geschützt in seinem guten Hanfpanzer. Erleichtert aufatmend flüsterte er:
»Gesegnet sei mein Hanfküraß!«
Die Wespe stand jetzt mit hochgezogenen Beinen und forschendem Blick vor ihm, betrachtete ihn mißtrauisch von allen Seiten und brummte unverständliche Worte. Dabei ließ sie ihren Stachel prüfend in der Scheide aus und ein gleiten, denn sie dachte nicht anders, als daß die feine Spitze desselben schon beschädigt sei.