»Ein Mörder mag sie sein, aber fein tritt sie auf. Sie muß aus guter Familie stammen.«
Die Wespe hatte wirklich ein prachtvolles Kleid von lebhaft gelber Farbe; sie war schlank, anmutig in ihren Bewegungen, höchst lebhaft und viel schöner als alle andern Wespen, die Max als Kind beobachtet hatte.
»Welche Taille!« dachte der entthronte Kaiser.
»Jetzt verstehe ich erst, warum man scherzte, Mutterchen habe eine Wespentaille!«
Da war er beim Gedanken an die Mutter den Tränen bereits wieder nahe, und zu gleicher Zeit fühlte er im Herzen den unwiderstehlichen Wunsch, sein Mütterlein wieder zu sehen, und um dieses Gedankens willen, den diesmal die Wespe angeregt hatte, schenkte er dem schönen Tier seine Liebe. Auch die Wespe schien jetzt besänftigt und unterbrach die Pause:
»Schau, schau, da sind wir also verwandt? Dann reiche mir das Bein, damit wir Frieden schließen.«
Weil Max ein wenig unschlüssig dastand, fuhr sie lebhaft fort:
»Na, na, bist du vielleicht noch empört über meine Jagd auf Ameisen? Wenn ich nicht irre, waret ihr bei meiner Ankunft damit beschäftigt, euch recht brüderlich gegenseitig den Garaus zu machen. Mir scheint, daß Mord unter Geschwistern ein ruchloseres Geschäft ist als unter weitläufigen Verwandten!«
Gegen diese Rede ließ sich wirklich nichts einwenden, darum entgegnete Max sanft und mild:
»Ja, ja, du hast recht. Durch dich wurde ich aus den Zangen meiner Ameisenbrüder errettet, wenn du das auch nicht beabsichtigt hattest. Aber trotzdem darfst du doch nicht vergessen, daß wir Ameisen unter den Hautflüglern das stärkste, das klügste und das, das, das – – –«