Max fand keine Zeit mehr, ein drittes lobendes Eigenschaftswort für sein Volk zu finden, denn die Wespe ließ den Redner plötzlich mit einer unerwarteten und raschen Bewegung im Stich, um über eine ansehnlich große Raupe herzufallen, welche das Unglück hatte, in der Nähe vorbeizukriechen. Es war das Werk eines Augenblicks. Die Wespe ließ ihren Stachel aus der Scheide gleiten und versetzte die Raupe mit ein paar Stichen in einen Zustand, der es ihr unmöglich machte, ihren Spaziergang fortzusetzen.

»Hast du sie totgestochen?« schrie Max und lief herbei.

Die Wespe schüttelte den Kopf und murmelte auf geheimnisvolle Art:

»Was glaubst du wohl? Ich bin doch nicht so einfältig!«

Dann setzte sie sich vergnüglich singend rittlings auf ihr Opfer, ergriff es mit ihren Zangen und begann den Körper, der zehnmal schwerer war als sie selbst, gegen einen kleinen, sandigen Graben zu schleifen, an dessen Abhang sich ein rundes Loch befand, mit Kieselsteinchen, Hälmchen und Erdkügelchen wohl bedeckt und versteckt. Max war erstaunt, ein so vornehmes Insekt zugleich so stark, so kühn und geistesgegenwärtig zu finden; er folgte der Wespe Schritt für Schritt, bis er ganz nahe am Grabenrande war. Hier sah er, wie sie sich mitsamt der Raupe vollends hinunterstürzte, immer rittlings auf ihr sitzend.

Auf dem Grunde des Grabens angelangt, ließ die Wespe ihre Beute los, schüttelte sich den Staub von den Flügeln und kehrte sich zu Max, der noch oben am Grabenrand stand. Er hatte gefürchtet, daß die Wespe drunten vom Gewicht ihres Opfers erdrückt werden könnte.

»Hast du dir wehe getan?« fragte er sie.

»Nicht die Spur«, antwortete lachend die Wespe.