Zwar war Nürnberg der Hauptort für die Herstellung von Sonnenuhren, und die »Kompaßmacher« bildeten daselbst ein ansehnliches Handwerk. Dennoch würde man in Fällen, wie dem vorliegenden, ohne die ausdrückliche Erklärung des Briefschreibers wohl eher angenommen haben, derselbe hätte sich eine zur Tages- wie zur Nachtzeit brauchbare Uhr, etwa eine jener Taschenuhren, wie sie einige Jahrzehnte zuvor eben in Nürnberg erfunden worden waren, kommen lassen. Diese scheinen sich indessen nur langsam durchgesetzt zu haben und überhaupt in ihrer Konstruktion zunächst noch so mangelhaft und unzuverlässig gewesen zu sein, daß man für den gewöhnlichen Gebrauch immer wieder auf die Sand- (oder »reisenden«) und Sonnenuhren zurückkam.

Fig. 2. Vorlage zu einer Sonnenuhr von Georg Brentel
(vgl. [Nr. 1 im Text]).

Nach dieser kurzen Abschweifung mag nunmehr die Aufzählung der in unserem Bande enthaltenen Stiche Georg Brentels folgen.

1. Sonnenuhr in Becherform mit spärlichem Pflanzenornament und figürlichem Schmuck; zur Seite links in barocker Umrahmung ein herzförmiges Schild mit dem Kopf eines Einhorns über einer heraldischen Rose, möglicherweie das Wappen des Nürnberger Mathematikers Caspar Uttenhofer († 1621)[5], dem unser Kupferstich gewidmet ist (»Domino Caspare Uttenhofero Norimbergensi amico suo singulari dedicat Author«), und von dessen nahen freundschaftlichen Beziehungen zu dem Lauinger Künstler uns auch sonst Zeugnisse erhalten sind[6]. Längs der Peripherie des kleineren inneren Kreissegments liest man: »Georgius Brentel Lavinganus pictor faciebat«. Ganz rechts an der Peripherie des großen äußeren Kreissegments die Jahreszahl MDCVIII. Plattengröße: 220: 130 mm (vgl. [Fig. 2]).

2. Die fünf Teile einer mehrfachen Sonnenuhr zur Bestimmung der Stunden und der Tag- und Nachtlängen mit dem Schema der Zusammenfügung der Platten oder der Aufstellung der Sonnenuhr (»Forma Instrumenti«) auf einem Blatte vereinigt; mit zwei allegorischen (die Zeit und die Wissenschaft?), einer biblischen (»2. Reg. 20«), sowie Wappen- und sonstigen Darstellungen. Auf dem größten der Teilstücke auf einem längs des Randes angeordnetem Bande die Widmung: »Magnifico Viro M. Simoni Rettero Hembauensi Civi Augustano Rectori Nordling[ensi] Domino suo colendo«; auf einem andern Teil der Sonnenuhr im Kreis die Inschrift: »Georgius Brentel Lavinganus pictor faciebat Anno 1619«; dazu auf einem anderen Teile in kleiner, kaum leserlicher Schrift: »Nooeh(?)Ae. 18« und auf einem dritten die Buchstaben BW.[7] Plattengröße 172: 216 mm.

Fig. 3. Aus einer Folge von Vorlagen zu einer Sonnenuhr, nach Zeichnung G. Brentels gestochen von C. Senft (vgl. [Nr. 4 im Text]).

3. Die neun Teile einer ähnlichen Sonnenuhr, von denen jedoch drei durch rücksichtslose Beschneidung des Blattes leider nur zum kleineren Teil erhalten sind, samt der dazu gehörigen Forma instrumenti. Das vorliegende Exemplar ist in einem braunroten Druck ausgeführt und reich mit figürlichen (z. B.: Auferstehung Christi) und landschaftlichen Darstellungen (See- und Flußbilder[8]), sowie ornamentalem Schmuck ausgestattet. Auf einem der Stücke im Kreis die Inschrift: »Georg Brentel pictor Laving. f. Ao 1619« und am unteren Rande desselben Stückes: »C. Senft (C und S verschlungen) scalp.« Gegenwärtige Größe des Blattes: 215:260; die Plattengröße mag etwa 305:260 mm gewesen sein.

4.-10. Vermutlich zur Konstruktion einer mehrfachen Sonnenuhr zusammengehörige Folge von sieben Kupferstichen. Nr. 4 bietet eines der Hauptstücke, das mit figürlichen Darstellungen geziert ist, und außerdem die Forma Instrumenti. Das Blatt ist unbezeichnet, kreisrund und hat 188 mm im Durchmesser. Vgl. [Fig. 3]. — Nr. 5: Windrose, unterzeichnet, 61:70 mm. — Nr. 6: Anderes Teilstück der Sonnenuhr. Bez.: »Georg Brentel f. Lauingae« 75:95 mm. — Nr. 7: Desgleichen, mit dem bayerischen Wappen, dem Wappen von Lauingen, der Aufschrift »Lavingae Suevorum« und den Monogrammen CS (unten links) und GB (unten rechts). Vgl. [Fig. 1] an der Spitze dieses Aufsatzes. Plattengröße 75:75 mm; Größe des Stichs 67:50 mm. — Nr. 8: Desgleichen, mit geflügeltem Totenkopf, auf dem die Sanduhr steht, darüber das Motto: »Respice finem«. Unten in kleiner Cartouche: »G. Brentel L.« Plattengröße 81:110, Stichgröße 62:108 mm. — Nr. 9: Desgleichen, mit dem Spruch: »Vt Vitta sic fugit hora«; unbezeichnet. Unten leerer Raum zur Anbringung einer längeren Inschrift (vermutlich für den Verfertiger der Sonnenuhr). 68:100 mm (Platten- und Stichgröße ziemlich gleich). — Nr. 10: Konstruktion des Globus, unbezeichnet. 120:45 mm.