77) P. II, 435. In demselben holtz [der Stubbenitz auf Rügen] hats einige jagt, als kleine spitzhirsche vnd rehe, sunst ist die jagt nicht gemein da. Auff Wittow aber haben die fürsten ein hasengehege, da seint vberaus viel hasen, vnd muß kein pawer daselbst einen hund haben, er habe den nhur drey bein oder sey sunst gelehmet. Vnd wen die fürsten wollen, khönen sie da so viel hasen schlagen lassen als sie wollen. Sunst hat das lant keine jagt.

78) K., 337/8. Hirnach [c. 1485] jagte Hertzog Bugslaff in der ukermundischen Heide. So kham ime ein grosser Hirsch vor, derselbig wolte nicht zu Netze. So rennete er ime nach und drengte inen so hart, das er vor ime zu Lipegur in das Dorff auff den Kirchhoff lieff. Daselbst beringten ine die Hunde, das er nyrgentz vor inen genesen mochte. Und Hertzog Bugslaff steig vom Klopffer und wolte ine stechen. Do der Hirsch dasselbig sahe, setzte er zu Hertzog Bugslaff ein und lieff ime selbst ins Spiesz. Aber er wurt nicht totlich verwundt. Darum eilte er auf Hertzog Bugslaffen und sties ine mit den Hornern umb und umb und sties ime in die lincker Seite eine grosse Wunde, das ime die Lunge heraus her hinck und hette ine auch gar erwurgt, wo die Diener den Hirschen nicht daruber erstochen hetten. Do lag Herzog Bugslaff vor tot und seine Diener brachten ine auff einen Wagen und fhureten ine eilends nach Ukermund und liessen ine da widder auffkülen und verbinden.

79) K., 16. Anm. 4. Die unbenossen Schweinehunde, welche, so balde sie das Schwein ersehen, gerate nhur zu yme anlauffen und menlich darein beissen und keine Wunden oder Streiche achten, bis das sie es etwar fellen oder es sunst gestochen wirt.

80) P. II, 424/7. Von weidewerk. Es [Pommern] hat vrhanen, barkhüner, haszelhüner, velthüner, kraniche, schwane, trappen, wilde gense vnd enten vberflüszig; aber man thuet keinen vleisz dazu das man sie fenget. Allein findet man bisweilen, das nach den velthünern und wilden gensen vnd enten gestellet wirt, doch ists nicht gar gemeine, one was die fürsten durch jre weidelewt laßen thun. Das ander geuögel schewszt einer wer da wil vnd khan. Es hat aber jn einer jnsuls, der Ruden geheißen, welche in der sehe liget, ein seltzam weidewerck mit den wilden gensen. Den vmb pfingsten, wen die gense beginnen zu mawsen vnd die federn auszuwerffen das sie nicht wol fliegen khönen, so ist jnen leide vor den ganszarnt, falcken oder habicht; deshalben fliegen sie gegen die zeit ins meer. Da seint sie al die zeit vber weil jnen die feddern nicht widderwachsen, den gantzen tagk im waszer, vnd wen die ganszarnt oder ein ander rawbvogel khumpt, so duken sie vor jnen vnters waßer, das sie sicher seint, vnd auff die nacht so gehen sie den auff die jnsul zu lande, das sie eßen suchen wollen. Daßelbige nhemen etzliche wahr, vnd legen an dem orte da sie herkhomen, netze, vnd bedecken sie mit sand, bis die gense darvber seint; so rücken sie die netze auff, das sie gerate vber ende stehen, vnd jagen den die gense nach dem netz, so khönen die gense weil jnen die federn ausgefallen, nicht darvber fliegen, darvmb sleget man sie den mit knütteln zu totte, vnd sollen bisweilen wen das glück gut ist, dreitzigk, viertzigk oder funfzigk gense auff einmal geslagen werden. Es sollen auch offt die fischer zu dieser zeit mit zwey oder drey khanen in die sehe fharen, vnd einen hawffen gense zwüschen sich behalten, vnd mit langen Stangen darvnter slagen, da sie den offte viel von treffen vnd bekhomen. Vnd weil die Pomern mawsen auff jre sprache ruden heißen, haben sie diesem werder den nhamen davon gegeben, das es der Ruden heißet.

Man fenget auch schöne falcken im lande, aus der vrsachen, wen die falcken in den nortlanden vber meer jre jungen ausgeheckt vnd erzogen haben, vnd es auff den herbst khumpt, das sie widder wegk wandern wollen, so müßen sie vber die ostsehe, vnd weil dieselbige lang vnd breit ist, also das sich die falcken nicht setzen vnd ruhen khönen, werden sie von fliegen vnd langen reise mat vnd hungrig. Darvmb seint zu derselben zeit etzliche falckenfenger aus Niederland hie, die deshalben alle jar herein khomen; dieselben stellen an bequemen orttern eine gans oder henne, vnd binden das, das es auff und nidder flewcht. Alsbalt ein falcke khumpt, schewßt er darnach, das ers erhasche, deßelben nhimt der falckenfenger wahr, vnd ist so behende mit dem netze, daß er den falcken im niederschießen beslecht vnd fenget. Der sollen sie also bisweilen hundert vnd mehr fahen, vnd in Frankreich bringen, da sie jnen groß gelt gelten. Wen sie sie aber tragen, so hat ein ichlicher zwey lange ricke auff beiden achßeln, darauff haben sie die falcken nach einander gebunden, vnd zihen so mit jnen bei hawffen herein. Es khan aber einer gedencken das die falcken viel freßen, vnd würden den falckenfengern viel kosten, so sie jnen stets speise kawffen solteri. Darvmb pitten sie den von den pawren die alten hunde, die nichts mehr dugen; die fhüren sie mit, vnd wen sie die falcken speisen wollen, so slagen sie einen hund vnd geben jne den falcken zu eßen. Also sollen die falcken zun ichlichen mahl wol einen gantzen großen hundt auffreßen.

Fischerei.

81) K., 411. Des Somers gehen über hundert Zesekhan darauff [auf dem frischen Haff], das seint kleine Schiffe, die khonnen gegen und mit dem Wynde segeln; da hengen die Zesener ein Netze an, welchs ein Zese heisset, und segeln domit das Haff auff und nider und fischen so; was sie grosses fahen, saltzen sie ein oder bringens in die umbliegende Stette frisch zu Marckte; was sie Kleins fahen, das ist umb Schnellickheit willen des Khans in dem Netze alles erstickt. Das schutten sie widder ins Wasser, und man mag Jamer sehen, was kleines Fisches also vertorben wirt. Diesse Zesekhane mussen ein jeder dem Fursten des Jares funff gulden und ein Virteil all geben; und wan sie des Orts zu Notdurfft ires Hofes oder Gepewes von den umbliegenden Ortern etwes von der einen Stat zur andern wollen gefhuret haben, dasselbig mussen die Zesekhane auch thun, welchs den Fursten ein nütze Dinck ist. Auff dem Winter, wen das Haff mit starckem Eise belegt ist, so haben die umgesessen Fischer grosse Netze, darzu eins Teils 20, dreitzigk und mehe Lewte sein müssen, die es zihen; die hawen Locher ins Eis und beslagen einen grossen Rawm domit und zihens mit langen Stangen. Also sollen sie offt auff einen Zug vor hundert, 2 oder dreihundert Gulden Fische fahen, bisweilen auch wol mehr und weiniger. Derselbigen Netze khomen viel darauff, und ehe sie ein Netze einwerffen, müssen sie den Fursten von iglichem Netze funff Gulden geben. Darnach, wan sie was gefangen, müssen sie den Fursten den grossisten Fisch, der im gantzen Hauffen ist, geben, desgleichen allen Lachs und Stoer, den sie fahen. Darnach seint dar aus allen Landen Kaufflewte; dieselben keuffen die andern Fische und saltzen sie ein und verfhuren sie in alle Lande. Von dem Gelde aber, das vor die Fische khumpt, nhemen die Fursten auff dem lassanischen Wasser den dritten und auff dem frischen Hafe den sechsten Pfenningk. Und hat inen, wie myr gesagt ist worden, der dritte und sechste Pfenningk bisweilen in die dreytawsent Gulden ein Jar getragen, daraus man achten khan, was eine grosse Gewalt Fische dar mus gefangen werden. Dan so sich der Dritte und Sechste so hoch erlauffen, khan man wol rechnen, das sich die gantze Summa des Gelts uber die 12000 Gulden erstreckt hat. Und ob wol solliche ungleubliche Mennige der Fische daraus gefangen wirt, so wirt doch das Haff domit an Fischen nichts nicht verwustet. Dan auff das Vorjar, wan die Fische leichen, so tretten sie aus dem Mehr in das Haff, als in ein frisch Wasser, und leichen darin umb Werme willen; dan das Haff liegt inwendig Lands, das es nicht so kalt, gestrenge und ungesteum ist als das Mehr. Und gehen die Fische bisweilen so dicke die Zweine hinauff, das die Fischer sagen, man mochte einen Stangen zwuschen sie stossen, das er nicht ummefille; und also wirt ummerzu das Haff widdererfullt. Es khomen aber auch wol etliche Jar, darin es nicht so viele Fische hat als auff andere Jare; die Ursachen seint ununbewust, und dan fehet man zum meisten Lachs; und wan die Fischer Lachs spuren, so halten sie es vor ein Zeichen, das nicht viel Fischs vorhanden ist, und sehen dasselbig ungern; dan allen Lachs und Stör, so sie im Hafe fahen, mussen sie der Herschafft geben. Sunst aber fengt man in dem Mehre den meisten Lachs und Stoer; den dorffen sie der Herschafft nicht geben.

82) P. II., 427–431. Von fischereye. Fischerey hat das land vbertrefflich... In der saltzen sehe werden allerley fische gefangen, fuͤrnehmlich werden schoͤne stoͤre darin gefangen, item sehehunde, welche die Pommern salhunde nennen. Die seint recht wie hunde, vnd haben weißfahle haar, vnd forne fuͤße wie ein hundt, aber hinten haben sie breite fuͤße wie eine gans, damit sie sich im wasser behelffen khoͤnen. Sie werffen ire jungen wie andre thier, das mehrenteil seint sie im waßer, aber wen es gut wetter ist, so liegen sie auff den großen steinen im waßer, oder auf dem strande vnd verwettern sich. Man sol bisweilen an den orten da sie gute dege haben, vber etzliche hundert stuͤck sehen, wen man aber mit schiffen bei jnen hinfharet, so schießen sie ins waßer vnd ducken sich vnter, bald khomen sie vmbs schiff wieder auff, vnd spilen, vnd lassen sich sehen, und hoͤren gerne wan einer mit dem mawle pfeiffet. Dieselben salhunde schewßt man mit der buͤchßen, vnd sobald sie geschoßen seint, khoͤnen sie nicht vnters waßer pleiben, den die sehe leidet kein verwundt, auch kein ahs. Darvmb haben diejenen, die sie schießen, hunde, welche darauff zugericht seint, dieselben holen sie zu lande. Man fenget sie auch in den netzen, wen sie nach den fischen sleichen; sie seint viel feister den ein schwein, darvmb ißet man nhur das mager fleisch darvon, das kochet man wie wildbret; von dem feisten machet man salspeck, das ißet man in der fasten, vnd den trahn, so die bewtler vnd andre handwerker geprawchen. Von den fellen machen die fischer bisweilen jekichen, auch bezewcht man viel taschen damit, vnd ist sehr dicht vor regen; es hat die natur, wenn es regnen will, das sich die haare auffstruͤben.

Man fenget in der sehe auch meerschweine, die haben keine fuͤße, keine haar, kein mawl, sondern vnder am halse wie ein schlunt, auch keine zene, sondern eine dicke schwartze haut; synt wie andre fische, aber haben jre kunde, dabei man siehet, welche menlyn oder weiblyn seint, vnd werffen auch jre jungen wie andre thiere. Dieselben seint auch sehr feist, darvmb kochet vnd ißet man von jnen das mager, wie vom salhunde, vnd machet vom feisten thran. Man fenget in der fasten auch einen fisch, der heisset hornfisch, hat gruͤnweiß fleisch vnd gruͤne graten, vnd einen schnabel wie ein storch, ist einem ahl nicht vngleich, allein das er dicker ist. Den eßen die armen lewte, den er ist nicht sonders geschmacks. Item man fenget auch einen fisch, den nennet man doͤrsch, der ist von der arth da der stockfisch aus wirt, ist gut zu essen, vnd hat eine große leber, die man vor leckrig achtet.