71) Über historische Volkslieder vergl. K. 195/6; 208/9; 251; 304; 343. Anm. 3. [Vergl. [Nr. 110].]
72) K., 357/8 wird die Aufführung einer Comödie i. J. 1496 beschrieben, die dem zuschauenden Fürsten seine eigenen Heldenthaten vorführt.
Gastfreundschaft.
73) K., 415. Furder ist dis gemeine Folck [in Pommern] sehr abstorrig kegen Frombde sonderlich auff dem Lande und herbergt nicht gern, und wens einen schone herbergt, lests eim ungern, was man dorffet, wan man gleich duppelt geben wolte; und wans eim wes zustellt, wil mans inen bezalen, gut, wil mans auch nicht, so lassen sie es auch leicht geschehn; also wissen sie es nicht zu rechten Statten jemands zu reichen, und wan es wes gereicht, nicht bezallt zu nhemen; wiewol man in etlichen Ortern auch wol verschemte Lewte find, die nichts gern oder Guts langen und es darnach nicht hoch genug achten khonnen. In den Stetten aber, da die Herstrassen auffgehen und da Handel ist, da gehets besser zu, da kreigt man wol Herberge und Ausrichtung vor sein Gelt. [Vergl. [Nr. 6]; [127].]
Gastmahl.
74) K., 413/4. Das Folck aber ist durchaus sehr fressig und zerisch und mag inen eine leichte Ursach furfallen, das sie grosse Unkosten thun. Dan wirt ein Kint geporn, so haben die Weiber iren Prasz; wirts getaufft, so pittet man die Geuattern und nehisten Freund darzu. Gehet die Fraw wider zur Kirchen, thut man gleicher gstalt. Wan ein Hochzeit wirt, da pittet man Freund und Frombd zu, prasset drey, vier, funff und bisweilen mehr Tag aus und aus und schenckt dem Preutigam und Praut nichts; schenckt jemands etwas, mag die Freuntschafft thun, und das ist etwar ein zinnen Schüssel oder Khanne oder ein Tunne Bier, und wirt offter der gantze Brautschatz verprasset, wan etwas darvon erobert. Stirbt einer, so ist an etlichen Ortern gewonlich, das man die jennen, so bey der Begrebnus gewest, zu Gaste ledt und inen fluks aufschuppet. Ist der Totte etwas gewest, so lest man ime ein Seelbat nachthun, da sich die armen Leute baden und man inen Bier und Brot gibt. Darnach bestellt man vor sich und die Freuntschafft auch ein Bat, und baden auch und halten einen gutten Pras. Item es ist kein hoch Fest im Jar, als Ostern, Pfingsten, Weynachten, Fasnacht, man holt in den Stetten und Dorfern Bruderschaffte und Gilde bey acht und mehr Tagen, welchs alles mit Fressen und Sauffen ausgerichtet wirt. Also es khom einer zur Welt und wan er in der Welt ist und widder von der Welt scheidet, so mus geslemmet und gedemmet sein. [Vergl. [Nr. 125].]
Trinksitten.
75) K., 304/5. Es ist von je her aus eine schentliche gewonheit im Land zu Pomern gewest mit dem Vullentrincken, und je mehr einer des hat pflegen khonen, je besser er bey den Lewten ist angenhem gewest; daher mannigerley Art und grobe Pussen des Vullentrinckens seint hergekhomen als: ein Klebletlein, das seint drey Gleser, ein iglichs im Truncke; wil einer dan ein Stenglyn darzu thun, das ist das virte glas; item den Fuchs sleffen, das ist, das man eine grosse Kanne nympt und umbher trincket. So mus der letzst, wan auch weinig daraus getruncken, das ander gar austrincken und dan ein frisch wider anheben. So kricht dan sein Nehister wider das letzste und so vortdhan die gantze Rege durch, weil sie trincken khonen. Item die Parlencke trincken, das ist einem eine grosse Schale zuzutrincken, und wans schyr aus ist, das Ubrige in die Awgen und die Schale auff den Kopff geslagen, und darum muß keiner nicht zornen. Item einen zu Wasser reiten, das ist: man setzt einem fern eine Schale mit Trincken, so muß sich derjenig, der trincken sol, auff Hende und Kny niderlegen, und einer, der ime zugetruncken hat, sytzt ime aufm Ruggen, den muß er tragen und so hinkrichen, bis das er zur Schale khumpt, und muß so niddergekniet die Schale austrincken und der ander sytzt oben ime, als der ein Pferd zu Wasser reitet. Item zutrincken Kurlemurlepuff, eine blancke Hase, eine Stenglin und der Unart so viel, das es Schande ist... Ob nhu wol, Got sey Danck, solche schentliche grobe Weisen des Vullentrinckens zu unsern Zeiten abgekhomen seint und aber dennoch sunst das Vullentrincken noch in grossem Schwange bey uns gehet... [Vergl. [Nr. 7].]
Jagd.
76) P. II, 422/4. Es hat etliche große heyden im lande [Pommern] darvmb hats vberal gute jagt, an hirschen, rehen, wilden schweinen vnd behren. Hirsch vnd schweinejagt heget man nicht, sondern rehe vnd Hasen heget man an etzlichen ortern, also wan man wil, das man jrer in kurtzen tagen so viel slagen mag, als man vmmer haben wil. — In der Vkermündischen heyde hats wilde pferde, die gehen bey gantzen hoden, dieselbigen haben allerley farbe wie andere pferde, alleine das sie einen gelben striemen vber den rüggen haben, seint nicht vbrig groß, aber sehr feste vnd arbeitsam. Man fenget sie im hagen, vnd sleget jnen ein strick vber den hals, vnd zewcht das zu, bis das sie schyr würgen. Darnach verhembt man sie mit stricken, das man sie handlen vnd vortbringen khan, vnd spent sie etzliche tage nacheinander für den pflugk, vnd treibet sie so lange, bis das jnen die wildheit vnd krafft gar gebrochen wirt. So leret man sie dan den zawm leiden, vnd werden darnach sehr gute pferde daraus, die viele arbeitens vnd böses erstehen mügen. — In Pomern hats auch große heyden, die bis in Polen gehen, daselbst slegt man elende. Das thier hat von seiner vnmacht den namen bekhomen, den es hat gar nichts damit es sich weren khan; es hat wol breite hörner, aber es weiß sich nicht mit zu behelffen, sondern es verbirget sich in die unwegsamsten vnd tieffsten sümpffe vnd welde, das es sicher sey. Es khan aber einen minschen oder hundt weit erwittern, dasselbige ist jme offte zu heyl, sobald aber die hunde zu jme khomen, ists gefangen. Es ist von leibe wie ein großer ochse, aber die beine seint jme viele höher, vnd hat nhur kurtze weißliche gelbe haare, vnd gut fleisch zu essen. Die klawen helt man für die fallende sucht gut, darvmb macht man ringe daraus vnd treget sie vber den fingern. Etzliche haben gemeint, es habe keine kne oder gelencke, aber das ist falsch. — Sunst fenget man auch durch das gantze lant viele merdern, jleß, wilde katzen, wülffe, füchse, otter vnd biber, deren felle man zu futter vnd bremen geprawchet. Otter synt thiere wie ein hundt, aber nicht so hoch, sondern viel lenger, haben kurtze, dicke brawne hare vnd einen kleinen rawgen schwantz, wonen in den waßern, vnd leben von den fischen. Dieselben fenget man in wehren, oder sunst mit hunden. Ein biber aber ist ein otter am leibe schyr ehnlich, aber an haren vnd schwantze treget er nicht mit ihm vberein. Den ein biber ist schwartzlechter, vnd hat lange hare, vnd hat einen kahlen breiten schwantz on alle hare, wont in vnd bei den vließenden waßern, vnd lebet auch von den fischen. Wen er bei dem waßer sytzt, hat er stets den schwantz ins waßer, man meint, das die fische gern darnach sleichen, vnd das er sie also erhaschen khöne. Er hat seltzam arth an sich, er bawet ein nest von holtz vnd sprecklen; so er sich versieht, das das waßer dis jar nicht vberlawffen werde, bawet ers nicht hoch, wo er aber meint, das es sich ergießen werde, bawet ers höher. Item er hat scharffe zehne, damit er große bewme khan darnidderlegen, vnd khan nicht wol leiden, das die bewme an dem ort am vfer, da er seine wonunge helt, sein; darvmb hewt er sie ab, vnd wen er den ersten haw thut, so lawffet er zurügge, vnd siehet ob auch der bawm fallen werde, vnd so offt als er hawet thut er das, bis er den bawm fellet. Er hat die kugeln, welche man in der artzeney werdt helt; so schreibet man davon, wo man nach jme stellet, vnd er nicht entkhomen khan, so sol er sie selbst abbeißen vnd hinwerffen, damit der jeger wen er sie siehet, auffgehalten werde, jme so hefftig zu folgen, dan er weiß wol, das jme derhalben am meisten nachgestellet wirt. Vnd sunst ist auch der schwantz vnd die füße ein fürstenessen, darvmb verlest jne der jeger nicht bis das er jne bekhumpt. [Vergl. [45]; [47]; [48]; [102].]