Abgaben.

87) P., II., 414/5. Auch seint sie [die Fürsten von Pommern] den vnterthanen gar nicht lestig gewest, denn sie leben nhur von jren eigenen emptern vnd zollen, vnd legen dem folk kein vnpflicht auff. Die stette geben jren jerlichen tribut, der heißet orbar, die pawren geben auch jren bescheiden zinsen an getreidig vnd gelt, darnach sie viele landes bawen, vnd geben darvber nichts, es sey zehend aller jrer guͤter, hernschoß, bawgelt, zinse, veheschoß, fewerschoß, hewerschoß, hawptschoß oder was die beschwerunge vnd auslage mehr ist, so in andern fuͤrstenthumben ist. Wen es aber groß vonnoͤten thut, das man sol keyserdienst thun oder ein frewlyn ausrichten, welches den vmb die zehn jar, bisweilen ehr vnd lenger khumpt, oder den fuͤrsten awgenscheinliche not anligt, so geben sie einen gemeinen landschatz, die buͤrger vom hawße etwan einen halben guͤlden, oder zum hoͤchsten einen oder zwu guͤlden, die pawren auch soviel von ichlicher hofe landes, das sie bawen. Vnd gibt keiner nach wardirung seiner guͤtter, vnd daßelbe haben sie fuͤr eine alte gewohnheit, wiewol es sich ansehen leßt, das es sehr vngleich ist; den ein buͤrger der etwan zweintzig, dreitzig, viertzig oder mehr tawsent guͤlden reich ist, gibt nicht mehr den ein ander armer buͤrger, der vellichte mehr schuldig ist, welches doch gleicher zuginge, wen nach der werde eines jchlichen guͤter geschetzet wuͤrde, den so gebe der da viele hette viele, vnd der da weinig hette, weinig. Aber solche gleichheit nhemen die reichen nicht an. — Der adel vnd die priesterschafft seint vor jre person gemeiniglich gerne frey geplieben. [Vergl. [Nr. 81].]

88) K., 343/4. [Ao c. 1490.] In diesser zeit fhuren etliche Kawffleute von Dantzig und anders wo durch das Land zu Pomern und hetten grosse Secke an Pfeffer und ander Specerey. Dasselbig verzolleten sie zu Stettin, Dham und Golnow. So kham aber ein getawffter Jüde Farentzholtz von Colberg. Der sagte Hertzog Bugslafe, die Kawfflewte hetten al was mehr in den Secken wan Gewurtz und reitzete inen so viel, das er den Kawfflewten nachschickte und sie besuchen lies. So loiketen sie es. Darumb müsten sie die Secke umbschutten. So fand man darunter viel zehe Golts und Silberkuchen; auch hetten sie sunst schone flamische Teppich, die sie nicht verzollet hetten. Derhalben fhurete man sie widder gein Stettin. Und wie Hertzog Bugslaff den Betrug gesehen, domit es nicht ein Exempel were andern, das sie auch den Zollen unterslugen, so gab er inen alles widder, was sie verzollet hetten und lies sie zihen, das ander aber behielt er, das war aber zehentawsent Gulden wert, und dasselbig hetten sie villeicht mit weinigk Gulden Zollen behalten khonen.

89) K., 355. [Ao. 1496.] Nachdem im Land zu Pommern wie in andern umbliegenden Landen eine unmensliche und barbarische Weise gewest, wan einer schiffbruchig geworden und das Schiff und Gutter gestrandet seint, das die Herschafft dasselbig Schiff und Gutter pflag wegkzunhemen, unangesehen, ob der Schiffer und die Kawftleute, den die Gutter gehoreten, noch lebten oder ire Erben darnach khemen, so hat Hertzog Bugslaff dasselbig bis an diessen Tag auch so gehalten. [Nach seiner Jerusalemfahrt aber hat er nur noch herrenloses Gut genommen.]

90) K., 366. [c. 1499.] Es hette auch Hertzog Bugslaff erfharen, wie sein Amptman zu Rugenwalde hette von den Strantgutern etliche Zabelen, Mardern, Loschen und ander Felwerck unterslagen, und wolte ine darum absetzen. Das erpat der Pawr [Hans Lange] und sagte, diesser hette sich itzt begraset; wenn er einen newen darhin setzete, der wurde sich auch settigen wollen und darum die Lewte von newen anschinden und schatzen. Darum pleib der alte Amptman.

Stände.

91) P. II, 432/3. Die geistlichen sein hie im lande [zu Rügen] wol versorget, den es hat reiche pfarren, mit liegenden gruͤnden wol fuͤrgesehen, vnd haben zudem den zehenden von vieh vnd korn. Es hat viel adel im lande, reich vnd arm durch einander, der dennoch weinig auskhumpt, studiret oder in krieg zewcht. Den das ist eine sonderliche arth dieses volks, auch aller andern so auff diszeit der Oder im gantzen Wolgastischen ort sytzen. Etzliche dewtens dahyn, daß sie beszer versorget sein wan etzlicher pomerischer adel, vnd darvmb nicht vonnoͤten haben zu dienen. Aber es sey wie es wolle, es ist nicht allein vnterm adel dieses orts, sondern auch vntern buͤrgern, darvmb muß es ein ander vrsach haben. Und wil sich dies folk nicht so gedulden, oder leiden wie andre lewte, vnd so es je nhur was hat, meints es hat ein khoͤnigreich, vnd wil darvmb nymands dienen. Die pawren stehen in diesem lande wol vnd seint reich, den sie haben jre bescheidene zinse vnd dienst, vnd darvber thun sie nichts; vnd die meisten thun gar keine dienste sondern geben gelt dafuͤr, daher es khumpt, das die pawren sich als frey achten, vnd dem gemeinen adel nicht nachgeben wollen. Darin sie von deswegen so viel mehr gemutet werden, das offte ein armer edelmann einem reichen pawren seine tochter gibt, vnd die kinder sich darnach halb edel achten; dieselbigen kinder werden dan die knesen im lande genennet. [Vergl. [Nr. 69]; [87]; [96]; [135].]

Öffentliche Sicherheit.

92) K., 384. [c. 1510.] In obgenanten... Absagungen und Rawbereyen seint die furnhemisten Schnaphanichen gewest zween Putkhummer von den sich einer Hertzog Lolle, der ander Hertzog Barnim nennete, und ein Priester, Tomas Briesen geheißen, auch ein Edelman, der sich den Pabst nennete, und ein Podewils, der sich Priester Johan hies... [Weiteres über die pommerschen Raubritter vergl. Ibid. 404,5.] [Vergl. [Nr. 99].]

93) K., 368. [Ao. 1503.] So zuchte Ramelow seine Wehre und lieff ime nach, und er entkham vor ime aus dem Hawse und schrey, wie bey den Pommern eine gewonheit ist: »Jodute, jodute!« [Vergl. [Nr. 7].]