Fahrende Leute.

94) P. II, 279. [c. 1500.] Es ist zu dißer zeit ein edelman Jürgen Krokow geheißen bei Hertzog Bugslaffen im hoffe gewest. Derselbig ist so starck gewesen, das er hat ein huffeisen mitten khonen entzwei reißen; vnd hat zugleich khoͤnen drei tunnen bier aus einem tieffen keller tragen, zwei gantze tunnen hat er in beide hende bei den spunden gefaßet, vnd zwei halbe vnter die arme genhomen, vnd ist also damit vongegangen. Solches hat er offte geubet, dan er hat es zu Stettin, zu Wolgast, zu Schwerin, vnd in anderer fuͤrsten hoͤffen gethan. Vnd zu den zeiten ist zu Stettin ein sehr berhomter ringer gekhomen, der hat sich ausgepeten mit einem zu ringen vmb ein kleinodt. Do hat sich Krokow erbotten mit jme zu ringen, doch das es one betrug zuginge; vnd haben demnach auff dem hoffe zu Stettin, da hertzog Bugslaff sampt dem frawenzimmer vnd dem gantzen hoffgesynde zusahen, gerungen. Nun furchte sich der ringer sehr fuͤr Krokowen Sterke, darvmb gedachte er vnangesehen der abrede, ein stuͤck zu geprawchen, vne sties jne da er nicht solte, vnd fellete jne, dovon Krokow sehr krank wurt. So baten die andern edellewte, weil der ringer widder die abrede gethan, das hertzog Bugslaff jne nicht wolte entkhomen laßen, bis das man sege, wie es Krokow gehen wuͤrde. So lies jne hertzog Bugslaff bestricken; darnach wie Krokow widder gesunt wurt, bat er hertzog Bugslaffen das er den ringer loß gebe auff den bescheidt, das er noch mit jme ringen mochte on betrug. Das tette hertzog Bugslaff, vnd rungen demnach die beiden noch einmal mit einander, vnd Krokow sach jme auff die schantze, das er keine tuͤcke mehr gegen jne geprawchen muste, vnd faßte den ringer, vnd hub jne auff, vnd sties jne nidder vnd zerknirschte jne, vnd wurff jne zuletzt zu gottes erdboden, das er fuͤr tot liegen pleib, vnd darnach in sechs wochen nicht widder gesunt wurt.... Dieser Krokow hette keine vnterscheidene zehne, sonder die vntern vnd obern zehne waren izlich nhur ein gantzer knoche, wie auch sunst solcher geslechte der edellewte bei vns mehr sein als die Ramel, Brockhusen, Bulgrine vnd andere mehr, die auch nicht vnterscheidene zehne haben vnd darvmb etwas lispeln wan sie reden.

95) K., 374. Anm. 1 [c. 1503.] Umb dieße Zeit der frassiger Wend bey Werner und Jacob von der Schulenburgk, der in II Tagen gantze Ochssen und Pferd khonte auffressen, item gantz Milen ful roher Fisch. Sunst aß aber weinig wie ein ander Mensch; wurt Hertzog Friedrich von Sachssen, darnach Keiser Maximilian geschenckt. [Henker vergl. [Nr. 132].]

Bauern.

96) P. II, 418/420. Der pawren wesend ist nicht durchaus gleich. Etzliche haben jre erbe an den hoͤfen darauff sie wonen. Dieselben geben jre bescheidene zinse vnd haben auch bestimmten dienst. Dieselben stehen wol vnd seint reich, vnd wan einem nicht geliebet auff dem hofe lenger zu wonen, oder seine kinder darauff wonen zu laßen, so verkawffet ers mit seiner herschafft willen, vnd gibt der herschafft den zehenden vom kawffgelde. Vnd der widder auff den hoff zewcht, gibt der herschafft auch gelt, vnd also zewcht der ander mit seinen kindern vnd guͤtern frey wegk dahin er wil. — Aber mit den andern ists nicht so; die haben an den hoͤfen kein erbe, vnd muͤßen der herschafft so viel dienen, als sie vmmer von jnen haben wollen, vnd khoͤnen offt vber solchen dienst jr eigen werk nicht thun, vnd muͤßen derohalben verarmen vnd entlawffen. Vnd ist von denselben pawren ein spruͤchwort, das sie nhur sechs tage in der wochen dienen, den siebenden muͤßen sie brieffe tragen. Demnach seint dieselben pawren nicht viel anders als leibeigen, dan die herschafft verjaget sie wan sie wollen, wan aber die pawren anders wollen wohin zihen, oder jre kinder an andre orte begeben, vnd es nicht mit willen der herschafft thun, obgleich jre hoͤfe zu guter wehre gepracht, so holet sie doch die herschafft widder als jre eigen lewte. Vnd muͤßen derselben pawren kinder, es sey sohn oder tochter, nicht aus jrer herschafft guͤtter ziehen, er gebe es den sonderlich nach; den es ist nicht genug, das jres vaters hoff besetzet ist, sondern sie muͤßen auch andere wuͤste hoͤfe, wo die herschafft wil, annehmen vnd bawen. Doch entlawffen jrer viele, oder entzihen heimlich, das offte die hoͤffe wuͤste werden. Alsdan mus die herschafft sehen, das er einen andern pawren darauff kriege; hat den der ablewffige nichts beim hofe gelaßen, damit er moͤge erhalten werden, so muß die herschafft demjenen der widder darauff zihet, pferde, kuͤhe, schweine, pflug, wagen, samen vnd anders dazu geben, damit er den acker vnd hoff begaten khan, vnd bisweilen noch etzliche jar wol zinsfrei dazu. Vnd derselbige wirt den sampt seinen kindern so eigen als die andern pawren. Wen er aber oder seine kinder mit willen der herschafft widder davon zihen, so laßen sie daßelbige was sie im hofe empfangen oder anders so gut dabey. Vnd dieße laßen sich aus leichten vrsachen vertreiben, vnd entlawffen sunst. Aber die andern pawren, die jre erbe an dem hofe haben, wen man sie gerne bisweilen wegktriebe, so wollen sie nicht wegk, vnd die seint so eigen nicht, sondern zihen wohin sie wollen. [Vergl. [Nr. 87]; [91].] [Armenpflege vergl. [Nr. 45].]

Rechtsaltertümer.

97) P. II, 420/1. Von recht vnd gewonheit des lands. Man geprawcht mancherlei recht im lande; die fuͤrsten vnd lehnlewte geprawchen keyserrecht, die stette haben an etzlichen ortten luͤbisch, an etlichen sechsisch oder weichbildenrecht, auff den toͤrffern geprawcht man schwerinisch recht; so hats auch im lande zu Rhuͤgen noch landtrecht, welches wendisch recht ist. One das hat in iglichen stetten sondere satz vnd beliebungen, das also die manchfaltigkeit des rechten offte viel wunders vnd beswerunge gepere. Es beghunte aber das schwerinsche vnd wendische recht umb seiner vnpilligkeit willen sehr abzunhemen. Vnd damit man etwas davon wiße, so mus sich im schwerinischen selbst nymands verantworten, sondern durch einen fuͤrsprecher, vnd wo er ein wort redete on fuͤrgebetene erlawbnuß, so hat er den hals verbrochen, den er mit gelde loͤßen muß; vnd der vnpilligkeit viele. Im wendischen landtrecht ists, wan einer erslagen, vnd viele frome lewte in derselbigen staube vnd zeche weren, die doch nichts darzu tetten, vnd der tetter entkhumpt, so gibt des totten freuntschafft denselben den totten als hetten sie jne erslagen, vnd das heißen sie die vnreine gunst. So ist auch im luͤbischen das ein vnnatuͤrlich recht, das sie sagen, wuͤrde einer zur notwehr gedrungen, vnd whiche fuͤr bis gein Rhom, das er denjenen der jne noͤttiget nicht sluͤge, vnd sich darnach wenden wuͤrde, vnd ersluͤge jne, so sol jme die nottorfft nicht helffen, sondern er sol widder sterben, vnd solche vngepuͤrlichkeit in andern fellen mehr. Welche vngepuͤrlichkeit sich daraus so viel mehr mehret, das die gemelte recht nicht beschrieben seint, sondern aus alten geprawchen gehalten werden, vnd ein jeder darnach richtet, wie es ime duͤncket. Darvmb achte ich, die lantschafft vnd sonderlich die stette werden einmal solche vnordenlichkeit vnd vnfuge derselben rechte mercken, vnd mit den fuͤrsten andre maße darin treffen, die billicher vnd leidlicher seint. [Vgl. [Nr. 7]; [34]; [83]; [84].]

98) K., 299. [Ao. 1460.] Gericht über Tote. [Vgl. [Nr. 16]; [17].]

99) K., 232/3. [Ao. 1393.] In diessen Zeiten hette Margareta, die Khonigin von Denemarcken mit Hertzog Albrechte von Mekelburgk, der Khonig zu Schweden was, Krieg. Deshalben weren viel Auslieger und Rewber in der Sehe. Dieselbigen benhamen viel burger vom Sunde, die doch mit der Vehd nicht zu thun hetten. Darum rusteten sie ein gross Schiff und schicktens widder die Ausleger. So betruffen sie die Ausleger und fillen sie an und schlugen sie und fingen ein gross Schiff vul der Ausleger und fhureten sie in die Stat. Und weren der Gefangen so viel, das man nicht gefencknus genug darzu hette. So lereten sie von den Gefangen selbst, wie man im thun solte, als das man eine Tunne nheme und einen Boddem ausschluge und durch den andern Boddem ein Loch machete, so groß, das ein Mensch den Kopff dadurch bringen mochte. Dieselbige Tunne stulpet man dem Gefangen uber den Kopff und macht unter durch die Tunnenstebe zwe Loecher, dadurch steckt man ein Holtz, das es dem Gefangen zwuschen die Beine durchgehet und schleusset aussenwendig durch das Holtz ein Sloß. Also mus einer in der Tunnen zusamen gedruckt und gezwungen sitzen, das er den Kopff oben aus halte, und khan sich gar nichts darin berüren; so er auch mit der Tunnen umbfolt, khan er sich nicht widder auffhelfen, sonder wo er lange so lege, so solte ime der Hals wol am scherffen Boddem abreiben. In solliche Gefencknus setzten die Sundischen die Serawber und liessen sie darnach alle kopffen.

100) K., 330. [Ao. 1479.] Darauff hat Hertzog Wartislaff... ime das Seel umbn Hals gethan und ine auff einen Klopper gesatzt und das Seel lassen an einen Bawm khnüpffen und den Klepper anhawen, das er unter ime wegkgelauffen ist.