129) K., 415. Vom Christenthumb her ists [das Land Pommern] bepstischen Glawbens gewest und das Folck sehr andechtig, und hat viele in die Kirchen, Closter und den Armen gegeben, auch viel gefastet. Am Mitwochen und Sonnabend haben sie kein Fleisch und am Freitag kein Fleisch, Eer oder Butter gegessen. Und so nhur ein geringe Fest gewest, so haben sie es vhest gefastet, auch die Kinder zu Vhasten gewehnet und sie mit Schencken darzu gereitzet. Dan auff die heilige Nacht haben die Kinder müssen ire Schuch etwar an einen Ort setzen. So legten dan die Eltern Gelt, Epffel, Birn, Nüsse oder sunst wes darin. Des Morgends, wan die Kinder auffstunden und dasselbig funden, sagten die Eltern, der Heilige, des Abend sie gefastet, hette es gegeben; bisweilen legten sie inen nichts in die Schuch und sagten, sie hetten nicht recht gefastet. Von deswegen wurden dan die Kinder trawrig und beflissen sich darnach mehr zu fasten.

Procession.

130) K., 211. Anm. 1. 1350 seint die Loitzken Bruder gewest, und ist ein groß Sterben gewest; so nhamen sich zwen bei den Henden und gingen Procession von der einen Kirchen zur andern, und hette iglicher eine Fanen, und wan sie in Kirchen, Kirchhofe oder auff andere rawme Pletze khemen, so zogen sie ire Kleider aus und tette einen Tuch fur umb die Lenden und geisselten sich, so sanck dan ir Meister:

»Huy, holdet up iwe Hende,

dat Got dissem Steruen wende,

strecket ut iwe Arme,

dat sick Got iwer erbarme.«

Sollicker Lewte wurden grosse Scharen, und wolten keine Weiber anrhüren, aber man wurts innen, das es Buberey war, und verprante sie eines Teils und stillets also. [Vergl. [Nr. 128].]

Jerusalemfahrt.

131) K., 349 ff. Herzog Bugslaff’s Jerusalemfahrt Ao. 1496. [Vergl. [Nr. 68]; [89].]