Gerade der Umstand, daß der Stoff einer Handelsgenossenschaft in der, durch ihre Messe berühmten Handelsstadt Leipzig angehört und sich großen Teils auch neuem urkundlichen Material des reichen L. Kramerarchives aufbaut, macht das Buch bemerkenswert und instruktiv für die Geschichte des deutschen Kleinhandels im Mittelalter überhaupt. Es zeigt uns den »Kramer« bei der Arbeit und in seinen Mußestunden, wo es ihm des öfteren sehr gut gegangen zu sein scheint, in Freud und Leid, im Frieden, aber auch im Kriege. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die sorgfältigen Ausführungen über die Warenkunde und die reichhaltige Anlage von Textwiedergaben aus dem ältesten Kramerbuche von 1477.
Es ist ein gutes Stück deutschen Städtelebens das uns hier geboten wird, und es kann das Buch daher nicht nur der gelehrten Welt, sondern auch ganz besonders dem gebildeten Kaufmannsstande warm empfohlen werden.«
Dr. Kn.
Des Kursächsischen Rathes Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment in Nürnberg 1521–1523. Gesammelt von Ernst Wülcker. Nebst ergänzenden Aktenstücken, bearbeitet von Hans Virck. Leipzig. B. G. Teubner. 1899. CXLIX u. 688 SS.
Die im Ernestinischen Gesamt-Archiv zu Weimar verwahrten Gesandtschaftsberichte des erprobten kursächsischen »Orators« harrten bisher noch immer der verdienten vollständigen Herausgabe. Kann ihr Inhalt auch heute nicht sonderlich überraschen, nachdem vor allem Ranke, dann auch schon Ulman, Baumgarten und Redlich den Inhalt jener diplomatischen Briefe sorgfältigst verwerteten, so ist doch eine lückenlose Sammlung, wie die nun vorliegende, von größtem wissenschaftlichen Wert. Abgesehen davon, daß es erst jetzt möglich geworden, die historische Darstellung mit ihrer Quelle zu vergleichen und nachzuprüfen, ist es zudem noch von allgemeinerem Interesse, die Stellung Friedrichs des Weisen zu Luther in jenen Jahren ziemlich ununterbrochen verfolgen zu können. Die trutzigliche Gestalt des kursächsischen Rats, der inmitten seiner Gegner von seiner Festigkeit sich nichts abgewinnen läßt, erlangt in seinen Berichten ein fast plastisches Leben. Einleitend wird uns eine Biographie des Hans v. d. Planitz und eine Würdigung des Reichsregiments dargebracht. Ein sehr gewissenhaft gearbeitetes Register beschließt den Band.
H. H.
U. E. Sebald, Nürnberg.