Das erste Mittel, den Koch des Bratendrehens zu überheben, fand man darin, daß man Tierkräfte an Stelle der Menschenkräfte setzte. Man sperrte in eine an der Mittelachse aufgehängte Trommel einen Hund ein, der durch die Bewegung der Trommel zu fortgesetztem Laufen gezwungen war und so die Drehung des Spießes im Gange erhielt. Wann und wo diese Art aufgekommen ist, scheint bislang unklar: Havard (IV, 1491. Art. »tournebroche«) setzt ihr Aufkommen in Frankreich in das Ende des 15. Jahrh. Für Deutschland ist sie durch die oben zitierte Stelle Colers im Jahre 1595 bezeugt, wie lange sie aber damals schon üblich war, konnte ich bislang nicht feststellen. Ebenso habe ich leider keine Abbildung eines solchen Hunde-Bräters auftreiben können, und wenn Karl Braun-Wiesbaden in einem Aufsatze über »Die deutsche Küche« (Westermanns Monatshefte 1871, Bd. 29, S. 102b) von Colers Titelholzschnitt sagt: »in der Mitte [steht] ein kolossaler Herd mit offenem Feuer, darüber ein Bratspieß mit einer Vorrichtung, welche das Fett aufgießt, Alles gedreht von einem keuchenden Hund«, so irrt er sich. Ich habe den recht mangelhaften Holzschnitt sowohl in der Ausgabe von 1608 wie in der von 1627 verglichen — in der ersten von 1595 findet er sich nicht — und ich stelle fest, daß der auf zwei Bratböcke aufgelegte Bratspieß von der daneben sitzenden Köchin gedreht wird, und daß der dabei herumlaufende Hund in keiner Weise zu irgend einer Dienstleistung verwandt ist.

Über die Bräter die nach Marperger »mit Wind oder Rauch getrieben werden« kann ich außer der oben wiedergegebenen Mitteilung Jacobsons aus deutschen Verhältnissen leider nichts näheres berichten. Havard a. a. O. S. 1492 kennt sie auch in Frankreich und aus seinen Andeutungen geht hervor, daß es sich dabei um eine Vorrichtung handelt, die unter Ausnützung des vom Herdfeuer aufsteigenden heißen Luftstromes den an einer Kette aufgehängten Braten in horizontale, nicht wie beim Bratspieße in vertikale Drehung versetzt, sich übrigens aber nicht besonders bewährt zu haben scheint. Auch über den »tournebroche à fumée« ist bei Havard einiges nachzulesen. Für den Gebrauch in Deutschland indessen fehlt mir, wie gesagt, bislang leider die nähere Kenntnis.

Und doch glaube ich dazu berechtigt zu sein, an dieser Stelle einen höchst interessanten Bräter zu nennen, der sich im Puppenhause C befindet und den ich in [Fig. 62] abbilde. Auch in diesem Bilde noch wird man erkennen, daß die treibende Kraft an dem oben herausstehenden, in einem Vierkant endenden Stifte einsetzt, und daß dieselbe durch eine doppelte Übertragung, oben direkt und unten im rechten Winkel, den auf den seitlich herausstehenden Stift aufzusetzenden Bratspieß in Drehung erhält. Wodurch aber wird das Gerät getrieben? Ich kann mir nicht anders denken, als daß es durch ein bei dem abgebildeten Stücke verlorenes Flügelrad geschieht, oder durch einen mit schräggestellten Luftlöchern versehenen Hut, wie dieselben aus Turbinenanlagen ja genügend bekannt sind, und die durch die vom Herdfeuer aufsteigende heiße Luft in Drehung gebracht wurde.

Somit hätten wir in diesem Stücke also doch einen alten »Windbräter« vor uns, und ich möchte annehmen, daß derselbe identisch ist mit dem, was Schmeller-Frommann einen »Huət-Brater« nennen. Die betreffende Stelle im Bairischen Wörterbuche2 S. 368 lautet: »Der Brâter = die Vorrichtung zum Braten, besonders der Bratenwender, welcher bald ə̃ Huət-, bald ə̃ Fédeʿ- bald ə̃ Gwicht-Brädər ist. Der gemeine Haufe in München nennt auch die Maschine, wodurch Kinder und wohl auch Erwachsene auf Sitzen, die gewöhnlich die Gestalt von Pferden oder Wagen haben, zur Ergötzung im Kreise herumgedreht werden, einen Brâter, und denkt dabei zunächst an den Huetbrâter in der Küche«[111]. Schon dieser Vergleich läßt keinen Zweifel darüber, daß es sich beim Hutbrater um eine Maschine mit einem oberen runden Aufsatz von horizontaler Drehung handeln muß, und so scheint die Zusammenbringung mit unserem Gerät einleuchtend, sodaß man das Fehlen eines besonderen Artikel »Hutbrater« bei Schmeller nicht mehr allzu schmerzlich empfindet.

Fig. 62. Windbräter aus dem Puppenhause C.

Einen Windbräter hatte offenbar auch Jost Amman im Auge bei den zwei schönen Küchenbildern in M. Rumpolts »Ein new Kochbuch« (Frankfurt a. M. 1587), welche Eingang und Schluß dieses Aufsatzes bilden (vergl. [Fig. 43] und [65]), nur schade, daß der Künstler auf Genauigkeit in der Darstellung des Gerätes hier offenbar wenig Gewicht legte. Das einzige, was man aus den Holzschnitten mit Sicherheit sagen kann, ist das, daß wir hier einen Bratenwender erblicken, bei dem ein mit Schwungrad versehener Bratspieß durch einen Treibriemen in Drehung erhalten wird. Daß die Vorrichtung in Nürnberg zu finden gewesen sei, läßt sich zwar vermuten, ist aber in Rücksicht auf Jost Ammans Lebensgang nicht bestimmt zu behaupten.

Fig. 63. Gewichtbräter aus dem Puppenhause E.

Wann diese Windbräter in Deutschland in Gebrauch kamen, entzieht sich bislang meiner Kenntnis. Früher aber wohl als sie sind die Gewichtsbräter (vergl. [Fig. 63]) aufgekommen. Diese können kaum viel jünger sein als die im Gegensatz zu den Taschenuhren später sogen. »Großuhren«, Gewichtsuhren, die vermittelst eines Gewichtes getrieben werden, welches an einem über eine Trommel gewickelten Stricke hängend, durch seinen Zug den Strick langsam abwickelt und so die Trommel in Drehung erhält. Seit Ende des 14. Jahrhunderts wurden diese Uhren in Deutschland allgemeiner üblich, [in Augsburg setzte man z. B. im Jahre 1398 eine solche Uhr auf den kleinen Turm des Rathauses[112]] und da nun das Räderwerk der Bräter dem der einfachen Uhren völlig entspricht, so kann ich nur annehmen, daß die Uhr direkt zum Bräter umgewandelt wurde, indem man unter Fortlassung von Zeiger und Zifferblatt die Maschine zur Aufnahme des Bratspießes herrichtete.