So wertvoll für die Geschichte der oberdeutschen, insbesondere der Augsburger Miniaturmalerei des 15. Jahrhunderts die Arbeiten der beiden Miniatoren sind, so dürfen wir doch heute unser Urteil über jeden Einzelnen derselben gerade in Gegensatz bringen zu jenem, das ihnen bei Lebzeiten geworden.
Wenn für Bruder Wilhelm Wittwer der Miniator Georg Beck nur ein »quidam layicus« war, so erscheint uns Frater Conrad Wagner auch wenn heute erst seine Initialen erkannt wurden, trotz seiner prächtigen, aber durchaus nicht »präcise« gemalten Blätter als Laie im modernen Sinne, als Dilettant, als ein besserer »Herr Quidam«.
Jedenfalls sind die Blätter des Conrad Wagner eine der letzten beredten Zeugen klösterlicher Arbeit, während das Lectionar mit Miniaturen Georg Becks die weit bessere Leistung eines professionellen Miniators und Künstlers darstellt. Nicht der Name Johannes Giltlinger, sondern der Name Georg Beck führt uns in eine hervorragende Künstlerfamilie, und noch erfreulicher wäre es, weitere Arbeiten des Georg Beck, als solche Conrad Wagners zu finden.
Kupferstich von H. S. Beham.
FRÄNKISCHE DORFORDNUNGEN.
MITGETEILT VON Dr. HEINRICH HEERWAGEN.