Die Eyesche Mitteilung, daß das Maximiliansbild des Museums in einer 1860 abgehaltenen Auktion, von der kein Katalog erschien, erworben wurde, läßt sich dahin ergänzen, daß es auf der Versteigerung des Nachlasses des vormaligen, 1838 † Senators und Reichsritters Johann Sigmund Christoph Joachim Reichsfreiherr Haller von Hallerstein gekauft bezw. vor der Versteigerung erworben wurde, worauf eine Notiz in dem ebenfalls von Eye geschriebenen Artikel über die gleichfalls Dürer zugeschriebene Prozessionsfahne mit dem hl. Sebaldus gleicher Provenienz hinweisen kann[140].

Die Versteigerung der Gemälde fand am 12. November, die der Bücher und Handschriften am 26. November 1860, und endlich die der Handschriften aus dem Nachlaß Wilibald Pirkheimers am 14. Januar 1861 statt. In der letzteren bildeten die bekannten, der überwiegenden Mehrzahl nach für die Stadtbibliothek erworbenen Briefe Dürers an W. Pirkheimer den wichtigsten Bestandteil. Der Nachweis der Identität des im ersten Imhoffschen Inventar[141] erwähnten Wasserfarbengemäldes mit dem hier veräußerten läßt sich nun, abgesehen von der inneren Wahrscheinlichkeit, daß es zu der Imhoffschen, resp. Pirkheimerschen Dürersammlung gehörte, dadurch leicht führen, daß die einzige Tochter Wilibald des Jüngern Imhoff (1548–95) Hans Wilhelm Haller von Hallerstein (1582–1618) im Jahre 1607 heiratete und damit wohl der Hausbesitz des Letzteren an die Familie Haller überging (die Bemerkung im ersten Inventar »ins Haus« käme hier in Betracht). Andererseits war die Gemahlin des Vaters des oben genannten Johann Sigmund Christoph Joachim Haller (1723–1792) die letzte Erbtochter der Hansischen Linie (eines von Hans III. Imhoff [1561–1623] begründeten Zweiges), so daß auch auf diesem Wege das Bild, das bekanntlich aus den Imhoffschen Inventaren des 17. Jahrhunderts verschwindet, in Hallerschen Besitz gekommen sein kann.

Von besonderer Wichtigkeit für die Stellung des Nürnberger Bildes als Original oder Kopie, bezw. für die Priorität des einen oder anderen ist die Inschrift. Auf unserem Bilde ist dieselbe kalligraphisch auf einem 63 cm langen und 15 cm hohen Pergamentstreifen geschrieben. Ein verkleinertes Facsimile der Inschrift ist in [Abb. 4] am Schluß des Artikels gegeben.

Taf. II.

Brustbild des Kaisers Maximilian von Albrecht Dürer.
Germanisches Nationalmuseum.

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GRÖSSERE ANSICHT]

Auf dem Wiener Bild von 1519 ist dieselbe in wortgetreuer Übersetzung in lateinischen Majuskeln wiedergegeben (s. [Abb. 3]).

Daß die Inschrift des Wiener Bildes von Dürers eigener Hand angebracht ist, ist zum mindesten wahrscheinlich. Anders dürfte es sich bei dem Nürnberger Bild verhalten, in dem wir in der Inschrift wohl die Arbeit eines gewerbsmäßigen Kalligraphen zu erblicken haben und zwar höchst wahrscheinlich des jugendlichen Johann Neudörffer, des späteren Biographen Dürers, der uns selbst berichtet, daß er Inschriften auf Dürers Gemälde, nämlich die Kaiserbilder im Germanischen Museum gesetzt habe[142].