Eine spätere Ausgabe dieses Schriftchens besorgte jedenfalls Egenolff im Jahre 1540; s. Bischof, a. a. O., S. 34.

Da nun das große Werk S. Franck’s über die Sprichwörter in demselben Verlage 1541 erschien, so hätten wir hier die an S. Franck nicht seltene Erscheinung wiederum zu beobachten, daß er die hervorragenden Leistungen seiner schriftstellerischen Thätigkeit im Keime Jahre lang mit sich herumgetragen und für dieselben gedacht und gesorgt hat. S. Franck verräth sich überdies als Freund der sprichwörtlichen Rede in jeder seiner Schriften; auch seine große Sammlung von 1541 hat im Wesentlichen denselben Charakter, wie diese an Agricola sich anlehnende. Was ihm hier der Mansfelder war, das sind ihm für das Hauptwerk zunächst die Sammlungen aus dem Alterthum von Erasmus u. a., Neulateiner wie Valentin Vives, Murmelius, H. Bebel und die niederdeutschen Landsleute Tappius und Tunionis.

Nur zeigt sich darin die größere Reife und Gediegenheit, daß, während Franck 1532 sein Büchlein noch zum größten Theil mit dem aus Agricola entlehnten Stoff anfüllt, er 1541 weit über seine Vorgänger herausgewachsen ist. Ihre dürftigen Vorlagen dienen ihm nur als Anknüpfungspunkt, um den Stoff mehr als zu verzehnfachen und durch eingehende Erörterung zu vertiefen.

Vielleicht aber erklärt sich auch hieraus, wie wenig oder vielleicht gar nicht Franck im Jahre 1541 auf Agricola Rücksicht genommen hat. Siehe C. Schulze in Herrig’s Archiv 1862, S. 156 und seine treffende Widerlegung meines bezüglichen Irrthums ebendaselbst, 1863, S. 115 ff.

S. Franck scheint zuweilen Wiederholungen grundsätzlich gescheut zu haben; die Sprüche der sieben Weisen in seinem Sprichwörterbuche haben keine oder nur eine äußerliche Namensgemeinschaft mit dem entsprechenden Abschnitt der Geschichtbibel.

Ich stelle es jedem anheim, diese Thatsache als Argument dafür zu benutzen, daß S. Franck’s Geschichtbibel die Quelle für die Egenolffische Sammlung von 1532 gewesen ist, daß er sich selbst nicht so unmittelbar könne ausgeschrieben haben. Dann können nur subjective Momente entscheiden, Stil und Gesinnung des Verfassers; die dafür beizubringenden Einzelheiten scheinen mir immerhin zahlreich genug, um durch ihre Fülle den Charakter eines objectiven Beweismaterials anzunehmen.

Schwerin.

Friedr. Latendorf.