„Das bei den Alten, die red der menschen, ein spiegel des gemuͤts genent, wie war das sei, ist jederman vnleugbar, dieweil keyner, so eins verborgnen gmuͤts, so mann jn reden hoͤret, würt allweg zum teyl sein natur vnnd eygentschafft auß der red erlernet. Vnnd aber zu wenig gleich wol als zuuil reden ein mangel, dann wie jhenem die lügen, also ist disem gemeynlich ein verseumnüs dessen so geredt worden sein solt, anhengig. Haben daher die alten Philosophi (als Pythagoras, der seinen jüngern ettlich jar anfenglich den brauch des redens gar abschlůg vnd verbot, darmit sie schweigen lernten, vnnd weil jedermann ee reden denn schweigen wil, sie eh hoͤreten vnd lerneten, dann redten) vnnütz vnd uberflüssige red zu meiden, nit on sondere frucht, geleret, das aber, so sie geredt, gar inn kürtze, das mann Sprichwoͤrter nennet, verfaßt.“

Damit vergleiche man die Schlußworte des schönen Abschnitts über Pythagoras in Franck’s Geschichtbibel 1531, Bl. xxviii (28)a: „seinen schůlern war vor fünff jaren von philosophischen dingen zů reden nicht gestatt, es wer dann einer eins dings so wol bericht, darzů seine jünger etlich jar den brauch des redens gar abgeschlagen vnd verpoten, damit sy schweigen lerten [ita], vnd weil yederman ehe reden dan̄ hoͤren will, sy ehe hoͤreten vnd lerten dan̄ redten.“

Aus demselben Abschnitt sind auch die „Pythagore Sprichwoͤrter“ herübergenommen im Text wie in der Erklärung mit fast gleichem Wortlaute[2], die unter Nr. 645–664 den Schluß der vorliegenden Sammlung bilden. Ich hebe Anfang und Ende und zwei Sprüche aus der Mitte heraus. Die geringfügigen Abweichungen der Geschichtbibel setze ich gleich in Parenthese hinzu:

Nr. 645. Spring nit uͤber die wag. [das ist] tritt nit über das zil [oder wie wir sprechen] Haw nitt über die stang [schnůr], überfar die gerechtigkeyt nit.

Nr. 664. In deinem ring trag nit Gottes bild [bildnus].
[das ist] Mißbrauch den namen Gottes nicht zů jeder sachen [Mißbrauch dich gottes namens nit leichtfertig zů all dein sachen.]

Nr. 652. Brich nit das brodt.
[das ist] Trenn [zertren] keyn freundtschaft, dann rechte freund sein ein brodt. 1. Cor. 10.

Nr. 653. Setz saltz vff [auff].
In allen hendlen, laß [das ist laß in all dein worten vnd wercken] einn ernst vnd scherpffe neben der freundtlicheyt sehen etc. [ita.] [dann saltz můß ymmer neben der speiß sein, sawr neben sieß].

So weit meine Beweisführung, deren für mich zwingende Kraft ich gerne auch an Andern sich bewahrheiten sähe.

Sollte aber S. Franck vor dem wissenschaftlichen Urtheil fortan als Veranstalter dieser Sammlung von 1532 gelten, so ergibt sich unmittelbar für sein Leben und schriftstellerisches Wirken noch ein und das andere anziehende Resultat.

Nach dem Druck seiner Geschichtbibel, „vollendet am Fünfften Tag des Herbstmonats 1531“, wurde Franck bekanntlich aus Straßburg vertrieben. Er begab sich aber nicht, wie Bischof, S. Franck und deutsche Geschichtschreibung, S. 14, annimmt, nach Justenfelden; die von dorther datierte Schrift über das Laster der Trunkenheit erschien bereits 1528, nicht erst 1531; sein nächster Aufenthaltsort wird vielmehr Frankfurt gewesen sein, wo die hier besprochene Sammlung „Im Hewmon 1532“ erschien. An demselben Orte wurden gleichzeitig einzelne Abschnitte aus seiner Geschichtbibel als selbständige Werke gedruckt, muthmaßlich auch bei Egenolf; so nach Gödeke, Grundriß, S. 112: Belagerung und Zerstörung Jerusalem; vielleicht auch die Ausgabe der Sieben weisen auß Grecia. o. O. u. J. 4.