Einige Leuchter für den Profangebrauch,
in den Sammlungen des germanischen Museums.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3.
In Nr. 12 des vorigen Jahrganges sind einige Leuchter aus den Sammlungen des germanischen Museums abgebildet, die theils sicher, theils wahrscheinlich dem kirchlichen Gebrauche angehörten und daher in unsern Sammlungen unter die kirchlichen Alterthümer eingereiht sind. Wir haben dort nur diejenigen beschreiben zu müssen geglaubt, die in Original sich in unsern Sammlungen befinden, ohne auf die reichhaltige Sammlung von Abgüssen einzugehen, in denen sich der Entwickelungsgang leicht verfolgen läßt, da solche als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Diesen Leuchtern nun lassen wir hier einige folgen, die sich in der Sammlung profaner Gebrauchsgegenstände finden, glauben jedoch, da dergleichen aus älterer Zeit verhältnißmäßig selten sind, auch auf einige Abgüsse interessanter Originale eingehen zu sollen. Der älteste, dessen wir zu erwähnen haben ([Fig. 1]), zeigt einen einfachen Dorn auf einem aus romanischem Blattwerk gebildeten dreiseitigen Fuße. Die Arbeit ist handwerksmäßig roh. Er dürfte dem 13. Jahrh. entstammen; das Original ist in Sigmaringen. Das älteste Original unserer Sammlung ist ähnlich; es zeigt einen umgestürzten sechsblätterigen Blumenkelch, oben abgeflacht und mit einem Dorn versehen, um den sich ein Wachskerzchen wand ([Fig. 2]). Dieser Leuchter ist von Kupfer, mit Emailschmuck ausgestattet, und war ehemals vergoldet. Er gehört schon dem 14. Jahrh. an. Ein ähnlicher, etwas größerer Leuchter aus dem 14. Jahrh. findet sich in der k. k. Ambraser-Sammlung in Wien. (Photographie im german. Museum.) Eine weitere Leuchterform des 14. Jahrhunderts, die nicht selten gewesen zu sein scheint, ist im german. Museum nur durch ein Bruchstück vertreten; ein Abguß eines ganzen Leuchters, der sich im bayerischen Nationalmuseum in München befindet, erklärt jedoch das Bruchstück hinreichend. Es stellt einen Mann ([Fig. 3]) in engen Beinkleidern, kurzer um die Hüfte gegürteter Tunica mit weiten Aermeln dar, der auf den ausgespreizten Armen zwei Kerzenhülsen trägt und auf einer dreifüßigen Platte steht. Wir bilden nicht unser Bruchstück, sondern den Leuchter des bayerischen Museums in München ab, da noch vielseitig ähnliche Bruchstücke als heidnische Götzen gelten. Klemm hat in einer der früheren Ausgaben seines Werkes solche Figuren (ohne Untersatz und Lichthülsen) für altgermanisch gehalten, und das germanische Museum besitzt einige Abgüsse von solchen Figuren aus dem böhmischen Museum in Prag, die, mit heidnischen Götzennamen versehen, als slavische Idole galten, bei uns jedoch unter die Leuchter des 14. Jahrhunderts eingereiht sind. Die Abbildung des vollständigen zweiarmigen Leuchters wird jedoch hoffentlich jeden Zweifel lösen, der noch da und dort bestehen sollte.