Fig. 5.
Zwischen diesem und den folgenden liegt ein Crucifix, in welchem Leib und Kreuz scheinbar aus einer Kupferplatte geschnitten sind, und zwar der erstere so, daß er nebst einigen verzierenden Rosetten in der Ebene des Metalls aus dem vertieften und mit Email ausgefüllten Grunde blos durch die Vergoldung erkennbar hervortritt. Zu vermuthen ist aber, daß hier, wie es auch bei andern Denkmälern der Zeit vorkommt, ein plastisch gebildeter Leib der blos umrissenen Fläche vorlag, und diese Vermuthung wird zur Wahrscheinlichkeit, wenn wir in Betracht ziehen, daß ohne einen solchen die am Platze der Nägelmale für Hände und Füße befindlichen, ziemlich großen Nietlöcher ohne Bedeutung sein würden, in der Vergoldung selbst sicher auch durch Gravierung eine Zeichnung angegeben wäre, die an anderen Stellen, wie in der Schrifttafel, im Nimbus u. s. w. nicht fehlt. Der emailierte Grund ist lasurblau mit gleichfarbiger, aber schattierter Einfassung. Der Nimbus ist von denselben Farben, doch mit einem rothen Kreuze belegt. Die Mitte der Rosetten ist zum Theil hellgrün mit gelbem Rande eingelassen. Die Schrifttafel am Kopfende, ebenfalls blau mit goldenen Buchstaben, enthält als Inschrift die Initialen IHS und darunter XPS. Dieses Crucifix, bei welchem Nietlöcher an den Rändern zeigen, daß es noch auf eine andere Unterlage, wahrscheinlich die Wand eines Reliquienbehälters, befestigt war, dürfte in das 12. Jahrhundert zu versetzen sein, wie auch ein anderes, welches den Gekreuzigten in einer Figur von halber Rundung vor der bronzenen Platte trägt ([Fig. 4]). Die letztere mißt mit der Spitze zum Einstecken in den Stab 41 Centim. in der Höhe, 25 Centim. in der Breite. Die vier Enden sind quadratförmig erweitert und mit gefaßten Steinen oder Glasflüssen besetzt, von welchen nur noch zwei übrig. Eine Vertiefung der ganzen Platte, die einen erhöhten Rand stehen läßt, scheint nur des letzteren wegen, nicht, wie man annehmen könnte, zur Aufnahme von Email da zu sein. Von letzterem ist wenigstens keine Spur zu sehen, wohl aber von der Vergoldung, die ehemals das Ganze überzog und auch vom Rande in die Vertiefung hinabreicht. Den Charakter der Figur vergegenwärtigt eine naturgroße Darstellung des Obertheiles ([Fig. 5]) in ihrer wohl durchgebildeten, aber noch streng byzantinischen Stilisierung. [Fig. 6] zeigt die gravierte Rückseite mit dem Lamm in der Mitte und den Zeichen der Evangelisten auf den Endflächen. Das Kreuz war gebrochen und ist mit einer Kupferstange geflickt, wodurch das Gesicht des Engels gelitten hat. Der unter [Fig. 7] abgebildete Leib Christi, ebenfalls ein vergoldeter Bronzeguß, 13 Centim. hoch, zeigt in seiner bewegten Haltung bei immerhin noch conventionellen Formen eine Uebergangsperiode; ebenso [Fig. 8], bei welchem, um das ausgesprochene Urtheil sogleich zu begründen, unter Aufrechthaltung aller Formen der romanischen Periode, namentlich der Krone, doch schon die gekreuzten Füße vorkommen. Das Crucifix, seinem Grundbestandtheile nach dunkelfarbige Bronze, mißt 51 Centim. in der Höhe und 27 Centim. in der Breite. Es war vergoldet, wovon noch einige Spuren Zeugniß ablegen, auf den Flächen graviert, vorn mit zwei rothen und zwei blauen, ziemlich roh gefaßten Glasflüssen und auf der Vorder- und Rückseite mit wahrscheinlich emailierten Bildern verschiedener Art besetzt. Die Zeichnung des Ganzen gibt die beigefügte Abbildung. Leider sind manche Stücke abgerissen. Vier offene Stellen trugen wol die Bilder der Maria und dreier Engel. Die Schrifttafel enthält die Buchstaben IKS Ιησους Κυριος Σωτηρ wenn nicht vielleicht der Verfertiger sie aus JnrJ verdorben hat). Auf der Rückseite, die das romanische Ornament in größerer Ausbildung zeigt ([Fig. 9]), sind vier Platten in Form von Vierpässen abgerissen; die mittlere zeigt den segnenden Heiland mit einem Buche. Der Kreuznimbus des letzteren ist hellblau, sonst alles Email lasurfarben und roth.
Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 8.