Das folgende Crucifix versetzt uns bereits in die gothische Zeit. Es hat einen Kern von Holz, den vorn und im Rücken getriebene Platten von vergoldetem Kupferblech bekleiden, während die Seiten ein schmaler, ähnlich verzierter Silberstreifen umgibt. Die Enden schließen vier auf ein Quadrat gelegte Vierpässe, deren Mitte eine runde Scheibe von dunkelblauem Glase einnimmt, während je vier farbige, gefaßte Glasflüsse im einschließenden Maßwerk angebracht sind. Den Grund des Heiligenscheins füllt eine Rosette. Die Figur des Gekreuzigten ist hohl, doch fast rund gegossen; das Haupt noch ohne Dornenkrone, doch der Leib bereits ganz naturalistisch mit magern Formen behandelt. Das Gewand ist punktiert. Die Schrifttafel, bereits ein fliegendes Band, enthält silberne Buchstaben, die Rückseite einfache, getriebene Ornamente, aus symmetrisch verschlungenem Ranken- und Blattwerk zusammengesetzt. Die Höhe des Crucifixes ist 55 Centim., die Breite 38 Centim. — Die Dornenkrone haben wir bereits bei einem Crucifix, welches im Uebrigen ähnlich zusammengesetzt ist, wie das vorige ([Fig. 10] u. [11]). Nur hat es gravierte Ornamente innerhalb eines getriebenen Randes, vier Medaillons auf den Kreuzenden mit emailiertem Grunde und einen Eisenzapfen zum Einstecken auf den Stab. Die Medaillons enthalten oben das Lamm Gottes, zu den Seiten Pelikan und Löwe und unten die trauernde Magdalena, ersteres auf blauem, letztere drei auf schwarzem Grunde, sämmtliche Figuren bis auf den Pelikan mit größeren und kleineren Rosetten umgeben, die wie jene selbst durch das vergoldete und erhöht stehen gebliebene Metall gebildet werden. Auf den Enden der Rückseite sind die Zeichen der vier Evangelisten eingraviert, in der Mitte ist unter weißem Crystall eine Reliquie angebracht. Die Höhe ist ohne Zapfen 33 Centim., die Breite 25 Centim.

Fig. 9.

Fig. 10.

In dieselbe Reihe gehört ein drittes, gleicher Weise zusammengesetztes Crucifix, dessen Balken durchaus profiliert sind und dessen Fläche auf Vorder- und Rückseite hochausgetriebene Halbfiguren enthält, auf jener oben und unten einen Engel, links Maria, rechts St. Johannes; auf dieser in Mitten den Erlöser thronend und segnend, umher die Zeichen der Evangelisten. Der Nimbus auf der Vorderseite ist länglich gezogen, einer Glorie ähnlich und mit Strahlen erfüllt, welche letztere, verlängert, sich auch durch die Ornamentation der ganzen Fläche hinziehen. Eine Kugel mit zwei auslaufenden Cylindern von vergoldetem Kupferblech diente zur Verbindung des Stabes und des Kreuzes. Die Höhe des letzteren ist 36 Centim., die Breite 26 Centim.

Fig. 11.

Wir besprechen hier zugleich ein kleines silbernes Kreuz vom Ende des 15. Jhdts., wenn dessen am unteren Ende befindliche Schraube auch nicht mit völliger Gewißheit bestätigt, daß es als Vortragkreuz gebraucht worden. Die Balken desselben sind gerade und laufen in die gewöhnliche spätere Form des Dreipasses aus. Die Figur des Heilandes ist nur aufgraviert, ebenso die Jungfrau Maria auf dem Halbmonde am oberen Ende, St. Barbara und St. Erasmus an den Seiten und ein heil. Papst zu unterst. Auf der Rückseite sehen wir vier fliegende Bänder mit den Namen der vier Evangelisten, zugleich aber auch, und zwar in der Mitte, ein Medaillon mit hohem Rande und eingelegter Glasscheibe, die früher ohne Zweifel eine Reliquie sichtbar machte. Auch das ganze Kreuz ist hohl, so daß die Rückplatte sich abheben und verschließen läßt, was dasselbe wol mehr als Reliquiar charakterisiert. Besonders interessant ist es wegen der Gravierungen, die zu den Anfängen des Kupferstiches gerechnet werden können. Bei einer Breite von 11 Centim. mißt es 15 Centim. Höhe.

Hölzerne Vortragkreuze in der gewöhnlichen Form des 15. und 16. Jahrhunderts mit Enden in Gestalt des Dreipasses und darauf gemalten Evangelistenzeichen u. s. w. sind im Museum vorhanden, doch von zu wenig künstlerischem Werth, als daß sie verdienten, besonders hervorgehoben zu werden. — Gypsabgüsse, Photographieen u. a. Abbildungen ergänzen übrigens in reichem Maße die Originale zum Zweck des Studiums.