Aber ist denn diese lange Klage und Predigt wirklich ungedruckt? In demselben Buche von Wright steht p. 43, aus der Sammlung des Flacius Illyricus entnommen, ein Sermo Goliae ad Praelatos, der sieben derselben Strophen wörtlich enthält nebst drei neuen. In so wechselnder Gestaltung finden wir überall diese Art der Dichtung, und die unsprüngliche Gestalt läßt sich nur selten feststellen.

Heidelberg.

Wattenbach.


Ueber Leitschiffe.

In Frankfurter Urkunden werden zuweilen Leitschiffe erwähnt. So z. B. erkennen 1484 die Schöffen nach Verhörung Etlicher des Fischer-Handwerks, daß die Leiteschiffe in dem Main eine fahrende Habe seien, wofür sie auch in dem Handwerk gehalten würden (Thomas, Oberhof zu Frankfurt, S. 366). Es ist ersichtlich, daß diese Schiffe von den Fischern bei Ausübung ihres Geschäftes gebraucht wurden; aber in welcher Weise dies geschah, wird nicht angegeben. In den Beiträgen zur Geschichte der Fischerei in Deutschland von Landau (Gesch. der Fischerei in beiden Hessen. Kassel, 1865) wurden S. 21 f. die Vorrichtungen zum Fischfang und die dabei benützten Geräthschaften (Vennen, Fache, Reusen u. s. w.) ausführlich besprochen, aber die Leitschiffe nicht genannt. Nach den Aussagen alter Fischer waren es an einer Seite offene Kästen (häufig nahm man dazu in die Hälfte getheilte Nachen), welche, am Boden mit Steinen beschwert, das offene Ende stromabwärts gerichtet, im Frühjahre an bestimmten Orten, namentlich neben solchen Leien (Felsen), die ein der Länge des Flusses nach gehendes Riff bilden, in den Main versenkt wurden. Zweimal im Jahre wurden sie gehoben, zuerst auf Jacobi (25. Juli) und dann im Herbste; bei der ersten Hebung wurden nicht selten Aale, bei der zweiten zumeist Barben gefunden, die sich zu ihrer Winterruhe in die Kästen zurückgezogen hatten. Der Besitz solcher Leitschiffe war sehr einträglich, und es wurde einzelnen Fischern das Recht, sie ausschließlich an bestimmten Orten, z. B. in der Mitte des Mains nahe am Gutleuthof, zu legen, durch besondere Urkunden bewilligt. Bei Frankfurt ist diese Art der Fischerei schon längst nicht mehr im Gebrauch; bei Freudenberg und Gemünden soll sie aber noch im Gange sein. Woher der Name Leitschiff kommt, ist mir nicht bekannt; vielleicht bedeutet er so viel als Legschiff, weil es in den Main gelegt wurde, oder es hängt mit Leite zusammen, worunter Frisch (Wörterbuch S. 605) ein langes, nicht gar weites Faß mit einer großen Oeffnung anstatt des Spundes versteht, welches zur Verführung der lebendigen Fische über Land gebraucht wird[60].

Frankfurt a. M.

Dr. Euler.