Vermischte Nachrichten.

46) Dem vom 14. Mai datierten Jahresbericht des Vereins für den Ausbau des Domes zu Regensburg pro 1867 entnehmen wir Folgendes: Die Gesammteinnahme hat betragen 69,189 fl. 193⁄8 kr., die Ausgabe 68,647 fl. 367⁄8 kr., Aktivrest 541 fl. 42½ kr. Die Aktiva des Vereins belaufen sich auf 7032 fl. 53 kr., dagegen die Passiva auf 24,076 fl. 23 kr. Trotz ungünstiger Zeitverhältnisse konnte das für das Baujahr 1867 festgesetzte Programm in all seinen Theilen ausgeführt werden. Die für das Jahr 1868 bestimmte Aufgabe war nach dem auf die einzelnen Jahre bis 1870 vertheilten Bauplane, im Laufe des Sommers die beiden Helme auf die Höhe von 77 Fuß zu bringen. Leider gieng am 29. Februar der Hauptunterstützer des Baues, König Ludwig I., zur ewigen Ruhe ein. Wollte man durch eine plötzliche Verzögerung des Baues nicht große Nachtheile herbeigeführt sehen, so mußte daran gedacht werden, weitere Passiva zu übernehmen. Indeß wurde die Gefahr einer Verzögerung vor der Hand glücklich dadurch beseitigt, daß König Ludwig II. für den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 31. December einen Beitrag von monatlich 1000 fl., somit im Ganzen 8000 fl. dem Dombau zuwendete. Die Aufgabe des Baujahres 1868 kann nunmehr zu Ende geführt werden, und bis zum Schlusse 1870 soll, trotz der obwaltenden Schwierigkeiten, der ganze Außenbau in all seiner Schönheit hergestellt sein.

47) In der Angelegenheit des Kaiserdomes zu Frankfurt a. M. haben die drei Dombaumeister Voigtel aus Köln, Denzinger aus Regensburg und Schmidt aus Wien ihr Gutachten abgegeben. Daraus erhellt, daß die Umfassungsmauer des Chors und die Fundamente des Langhauses um mehrere Zoll aus dem Loth gewichen sind. Zerstört ist der untere Theil des Südportals, verletzt der untere Theil des Thurmquadrats und die Ecken des Treppenthurms, zum Theil zerstört sind die Rippengewölbe des Mittelstockes, geborsten Pfeiler und Rippen; die Kuppel erscheint sehr beschädigt. Der Kuppelkranz ist 6 bis 7 Zoll tief verbrannt, die Felder der Kuppel sind gespalten, daher eine Senkung des Kuppelkranzes erfolgt ist. Die Dachstühle sollen aus Eisen hergestellt und das Gewölbe des Querschiffes ganz erneuert werden. Fraglich ist die Erhaltung der Umfassungsmauer des nördlichen Seitenschiffs.

(Ill. Ztg. Nr. 1294.)

48) Der kürzlich verstorbene hiesige Kaufmann C. G. Klose hat zum Wiederaufbau des Hochaltars von St. Marien zu Danzig die Summe von 8000 Thlrn. vermacht. (Ueber diese Altarangelegenheit vgl. Organ für christliche Kunst, 1867, Nr. 21, S. 249.).

R. Bergau.

49) Die aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammende, künstlerisch wenig bedeutsame Kirche zu Tiefenau bei Marienwerder in Westpreußen (vergleiche meinen Bericht über dieselbe im Danziger Kathol. Kirchen-Blatt 1865, Nr. 18) ist im Jahre 1867 mit einem neuen, massiven Glockenthurm nach dem Entwurf des Bauinspektors Gericke versehen worden.

R. Bergau.

50) Die Herstellung der Wandgemälde im Dom zu Marienwerder, welche Fr. v. Quast im J. 1862 unter der Tünche entdeckt hat (vgl. meinen letzten Bericht darüber im Organ für christliche Kunst 1867, Nr. 3, S. 30), ist jetzt nahezu vollendet. Trotzdem die einzelnen Bilder, mit geringen Ausnahmen, wenig schön sind, bildet der ganze, rings um das Langhaus unter den Fenstern sich herumziehende Cyclus doch einen dem erhabenen Gotteshause entsprechenden, sehr würdigen, in der Provinz Preußen diesem Dom eigenthümlichen Schmuck. Viele Darstellungen sind durch die Gegenstände und die Art und Weise der Auffassung interessant. Doch ist sehr zu bedauern, daß die Herstellung der Bilder, wovon oft nur noch sehr geringe Spuren erhalten waren, nicht einer Hand anvertraut worden ist, welche mit der Anschauungs- und Kunstweise des Mittelalters und dem Bilderkreise der christlichen Kirchen vertraut ist. Mancherlei scheint willkürlich ergänzt, Anderes nicht verstanden. Da der Kunstwerth dieser Bilder sehr geringe ist, war ihr Hauptwerth, vor der Herstellung, ein archäologischer. Sie waren als Denkmale der Anschauungsweise des Mittelalters für wissenschaftliche Untersuchungen von Wichtigkeit. Da aber die Restauration des Vertrauens entbehrt, sind sie für die Wissenschaft jetzt fast verloren. Der (unbekannte) Verfasser des Aufsatzes im Jahrgang 1867, Nr. 108 (Beilage) des in Graudenz erscheinenden „Geselligen“ dürfte mit seinen Vorwürfen nicht ganz Unrecht haben.