R. Bergau.

51) Das in der Beilage zum Anzeiger [Nr. 3, Sp. 110] erwähnte Bild stellt, nach genauerer Untersuchung, nicht, wie überall angegeben ist, die Belagerung der Marienburg von 1410, sondern diejenige von 1460 dar, welche Joh. Voigt in seiner Geschichte der Marienburg (Königsberg 1824) S. 468 ff. ausführlich beschrieben hat. Ich habe das Bild kürzlich abnehmen und reinigen lassen. Es ist 8 Fuß lang, 5½ Fuß hoch und auf Bretter von Eichenholz gemalt. Das oberste Brett ist spätere Ergänzung. Der Photograph Ballerstädt in Danzig hat auf Wunsch des Herrn Mathias Bersohn in Warschau dieses alte Bild genau in 1⁄12 der natürlichen Größe photographiert. Mannigfache Schwierigkeiten haben leider verursacht, daß diese photographische Reproduktion nicht in allen Theilen klar geworden ist.

R. Bergau.

52) Aus Paris, 20. April, wird dem Korr. v. u. f. D. (Nr. 204) berichtet: Gestern wurde die berühmte Galerie von San Donato, Eigenthum des älteren Fürsten Demidoff, ein Schatzkästlein von 23 Meisterstücken der niederländischen Schule, unter den Hammer gebracht, und diese Versteigerung trug nicht weniger als 1,363,650 Fr. ein. Das Hauptstück der Sammlung, vielleicht nicht sowohl seines artistischen, als seines historischen Werthes wegen: „Der westfälische Kongreß“ von Terburg, wurde für 182,000 Fr., eine Promenadenansicht von Dortrecht, ein Werk Albert Cuyp’s, für 140,000 Fr., ein Genrebild von Ostade für 104,000 Fr. (sämmtlich einem Agenten Rothschild’s) zugeschlagen. Eine Waldansicht von Hobbema bezahlte der Bankier Seillière mit 110,000 Fr., zwei Marinen von Ruysdael und van der Velde ein Agent des Herzogs von Aumale mit 60,000 und 68,000 Fr. u. s. w.

53) Auf der Versteigerung der Kupferstichsammlung des Barons Marochetti in London wurden bezahlt für Werke von Dürer: Apollo und Diana 12 Pfd., Ritter mit Tod und Teufel 26 Pfd., Adam und Eva im Paradiese 13 Pfd.; für Werke von Martin Schön: Anbetung der Könige 15 Pfd., Christus mit der Magdalena 23 Pfd., die klugen und thörichten Jungfrauen 52 Pfd. Marc Anton’s Werke wurden noch höher bezahlt, am theuersten ein Kupferstich nach Raphael’s Adam und Eva im Paradiese, und zwar mit 136 Pfd. Der Ertrag der ganzen Versteigerung erreichte fast 3000 Pfd. Nicht ganz diesen Gewinn brachte in München die Versteigerung der Sammlung eines Marquis aus Padua, nämlich 31,500 rhein. Gulden. Dort erreichte ein Tod Mariae von Martin Schön mit 995 fl. die höchste Verkaufssumme.

(Europa-Chron. Nr. 17.)

54) Die neue Auflage von Nagler’s Künstlerlexikon, worüber die August-Nummer der Beilage zum Anzeiger 1867 eine kurze Mittheilung brachte, wird, nach einem Circular der Verlagshandlung Tendler & Comp. in Wien, als ein ganz neues Werk sich darstellen. Wenn das Lexikon den Anforderungen der neuesten Zeit an die Forschung sowohl, als an die Darstellung entsprechen sollte, so mußte es auf eine ganz andere Basis gegründet werden, als diejenige ist, welche das der kritischen Prüfung der Thatsachen ebenso, als der eigentlich historischen Darstellung ermangelnde alte Lexikon zu bieten vermag. Zieht man ferner die gründliche Umgestaltung in Betracht, welche die Kunstgeschichte durch die umfassenden Forschungen der letzten 30 Jahre erfahren hat, so begreift man, daß das alte Werk dem neuen nur als Anhaltspunkt noch dienen kann. Ein Lexikon aber, das seinen Gegenstand möglichst erschöpfen und den Ansprüchen der modernen Wissenschaft gerecht werden soll, kann nicht mehr die Arbeit eines Einzelnen sein. Es ist daher eine ansehnliche Reihe von Kunstforschern bewährten Rufes, wozu auch das Ausland ein Kontingent liefert, zur Mitarbeiterschaft genommen werden. Damit aber der einheitliche Charakter gewahrt bleibe, ist man übereingekommen über gewisse Grundsätze und Bedingungen der Bearbeitung, welche den Mitarbeitern zur Richtschnur zu dienen haben. An der Spitze des Unternehmens steht, als Herausgeber fungierend, Dr. Julius Meyer. — Das ganze Werk wird 12 Bde. umfassen und jeder Band 10 Lieferungen enthalten, deren jährlich 15–20 erscheinen. Der Preis der Lieferung von 4–5 Bogen beträgt 12 Sgr. Die erste Lieferung wird Ende dieses Monats (Mai) ausgegeben.

H.

55) Bei dem Bau einer Villa am Rosenberge in Graz wurde das Bruchstück eines Römersteins aufgefunden. Es ist von weißem Marmor, 14 Zoll groß, ein Theil eines Sarkophags und stellt in Basrelief von guter Arbeit einen weiblichen, eine Fackel verlöschenden Genius dar. Da die fackeltragenden Genien bei den Römern fast ohne Ausnahme männliche waren, so ist der Fund, als eine höchst seltene Darstellung, um so interessanter.

(Ill. Ztg. Nr. 1297.)