Daß man bereits im Jahre 1488 in Nürnberg daran dachte, dem Patron der einen Stadtseite ein hervorragendes Denkmal zu setzen, ist durch die vorliegende Zeichnung außer Zweifel gestellt. Es fragt sich, wem man anfänglich die Arbeit übertrug und wer der Verfertiger des ersten Entwurfes ist. Er hat sich durch sein Zeichen angegeben. Doch ist dieses in der Ornamentik ebenfalls nicht richtig nachgebildet und hat folgende Gestalt:
Ein Wort erübrigt noch über den Antheil und das Verdienst, welche Peter Vischer an der späteren Gestaltung des Denkmals hatte, die man bekanntlich viel zu tief herunterzusetzen bemüht gewesen ist. Daß derselbe den ersten Entwurf gekannt und benutzt habe, kann nicht bestritten werden. Die ganze Anordnung, den mit Reliefs verzierten Unterbau des Sarkophags, den Baldachin mit Anordnung der Apostelfiguren u. s. w. hat er — wahrscheinlich als Bedingung des Auftrags — beibehalten. Sogar für Anbringung der abenteuerlichen Thier- und komischen Kinderfiguren war in jenem Aufriß die erste Anregung gegeben. Aber alle Durchführung des Einzelnen und die überaus reiche Erweiterung des Planes in seinen ornamentalen Teilen gehören ohne Zweifel ihm und begründen seinen wohlverdienten Ruhm. — Es wird sich schwerlich mehr feststellen lassen, ob Vischer in den vorgenommenen Aenderungen, namentlich in der Abstumpfung des Ueberbaues und der Vertauschung des gothischen gegen den italienischen Stil, ganz eigenmächtig verfuhr, oder ob dieselben nicht auch schon von seinen Auftraggebern beliebt worden. Vielleicht kamen auch diese auf den Gedanken, daß ein großer steinerner Bau fast im Mittelpunkte der Kirche, so nahe vor dem Chor störend wirken müsse. War die Nothwendigkeit aber einmal gegeben, das Monument einzuschränken, so entledigte sich Vischer seiner Aufgabe sehr sinnreich und gewiß in besserer Weise, als Veit Stoß in dem ganz ähnlichen Vorwurf beim Grabmale des Königs Casimir zu Krakau. — Die Apostelfiguren, die Scenen aus dem Leben des Heiligen hat Vischer ebenfalls von dem ersten Entwurf entlehnt; aber in welch ganz anderem Geiste sind sie behandelt! Der spießbürgerliche Sinn, der dort in allen Stücken der Zeit und dem Orte Rechnung trägt, geht hier als echte, durchgebildete Künstlerschaft hervor, die in Schöpfung der bedeutendsten plastischen Arbeit ihrer Epoche gradezu ein Jahrhundert überspringt und die deutsche Kunst fast ohne Vermittlung auf den Höhepunkt stellt, den sie im Allgemeinen erreicht haben würde, wenn es ihr vergönnt gewesen wäre, sich unverkümmert aus dem 14. Jahrhundert weiterzuentwickeln. Der Vorwurf, den man den Figuren Vischers wegen ihres italienischen Charakters gemacht hat, fällt durchaus auf das mangelnde tiefere Verständniß der Urtheilgeber zurück, die in der Verzerrung den Charakter, im Mangel die Eigenthümlichkeit erblicken, vom Wesen aber keine Einsicht haben. Daß Italien, namentlich Venedig — um diesen Punkt mit einem Satze weiter zu führen — von Vischer gekannt war, daß er Eindrücke von daher empfieng, kann wol kaum bezweifelt werden. Aber dieser Einfluß gieng nicht weiter als bei Dürer: er öffnete dem Künstler die Augen, erweiterte seinen Horizont. Doch dieser hatte aus seinen eigenen geistigen Mitteln jenem ein viel zu bedeutendes Gewicht entgegenzusetzen, als daß er sich hätte zur Manier fortziehen lassen. Die Figuren Vischers sind so frei von italienischer, wie von damaliger deutscher Manier, in ihrem Wesen aber so echt germanisch, daß wir bei vollständiger Würdigung nicht umhin können, sie zur Charakterisierung unserer Nationalität als Beleg mit heranzuziehen.
Dr. A. von Eye.
Schleifung des Schlosses Neuhaus an der Eger.
Kämpfe gegen übermüthige Raubnester bilden die gewöhnlichen Episoden der Städtegeschichten im Mittelalter, und man ist daran so sehr gewöhnt, daß man dergleichen gern zu überschlagen pflegt. Gleichwohl scheint mir die nachstehende Fehde, welche die Stadt Eger mit den Forstern auf Neuhaus zu bestehen hatte, einiger Beachtung werth, weil da Umstände hinzutreten, die einen interessanten Ausblick auf die verworrenen Verhältnisse des ausgehenden Mittelalters gewähren und zugleich die letzten Regierungsjahre König Wenzels, sowie auch die Politik des Burggrafen Johann von Nürnberg in ganz eigenthümlicher Weise kennzeichnen.
I.
Die Forster gehörten zu den unruhigsten Nachbarn der Stadt Eger. Im Jahre 1389 wurden Erhard und Niklas Forster von König Wenzel mit dem Schlosse Neuhaus bei Hohenberg „auf dem Forste gelegen“ belehnt, und bald darauf nahmen die Streitigkeiten mit der Stadt ihren Anfang, bis es im Jahre 1396 zu einer Aussöhnung kam, der zufolge Erhard Forster sich mit seinem Schlosse Neuhaus der Stadt Eger auf 5 Jahre verschrieb[77]. Hierauf scheint für einige Zeit Ruhe eingetreten zu sein.
Da geschah es, daß König Wenzel im Sommer des Jahres 1410 zwei seiner Räthe zu dem Erzbischofe Johann von Mainz sandte, um in Reichsangelegenheiten zu verhandeln. Sie nahmen ihren Weg über Eger, von wo aus sie von den Bürgern eine Strecke weiter geleitet wurden. Diese königlichen Machtboten wurden auf ihrem Rückwege von Frankfurt auf dem Gebiete und im Geleite des Burggrafen Johann von Nürnberg von Erhard Forster und dessen Vettern Nickel, Caspar, Wilhelm und Heinrich auf offener Reichsstrasse überfallen, mißhandelt und gefangen. Was nun die Veranlassung zu dieser Gewaltthat betrifft, so wird aus dem Nachfolgenden ersichtlich werden, daß es eine Schuldforderung war, die Erhard Forster an den König stellte, und zu deren Sicherstellung er die königlichen Räthe als Bürgen in Beschlag nahm.