Qui facile credit facile decipitur.
Im Berliner Kupferstichkabinet im neuen Museum fand ich nur die Blätter Nr. 70 bis 74 und von denselben war nur 71 mit der Zahl versehen, während bei den übrigen die Zahl fehlte — Herausgeber der Sammlung ist Nicolaus Visscher, der auch noch herausgab: Afbeeldingen der voornaamste Historien, soo van het oude als nieuwe Testament. Amsteldam s. a. — Unter den Kupferstichen dieser Sammlung sind auch biblische Sprüche, welchen häufig entsprechende lateinische Sprüche der Classiker beigefügt sind, und unter welchen sich auch Sprichwörter finden.
Die Frage in der dreizehnten Lieferung des Wander’schen Sprichwörterlexikons nach der Uebersetzung der Adagia des Erasmus durch Sprengius wird in der zu erwartenden Arbeit des Dr. Suringar in Leyden eine Beantwortung finden. Nach einer gefälligen Mittheilung desselben ist die freie Uebertragung Erasmischer Sprichwörter wahrscheinlich in den Loci communes etc. Basel, 1572 — Nopitsch S. 205 — von Sprengius enthalten, der zugleich die alte niederländische Sprichwörtersammlung stark benützte — Anzeiger 1854, S. 268. — Die Vorrede dieser Loci communes ist S. A. J. unterzeichnet, also ebenso, wie die bei demselben Verleger 1576 und 1582 erschienenen beiden Ausgaben der: Carminum proverbialium... loci communes; in gratiam juventutis selecti, addita plerumque interpretatione germanica, welche Nopitsch S. 208 — wol auf Jöcher und also mittelbar auf Thomasius de plagio literario gestützt, — dem Germberg zuschreibt.
Landeshut in Schlesien.
A. M. Ottow.
Die Kirche zu Mühlbach am Neckar
bietet für den Kunst- und Alterthumsfreund manches Anziehende. Das Aeußere derselben zeigt zwar keinen ansprechenden Stil, die ehemaligen Spitzbogenfenster sind in geschmacklose Vierecke verwandelt; dagegen trägt das Innere der Kirche noch vollständig den Charakter der Gothik. Die Fensternischen bestehen aus rohen Spitzbogen; der Chor mit seiner nächsten Umgebung aber ist besonders merkwürdig. Am Choreingang finden wir oben die Jahreszahl 1401, ein Fingerzeig für die Erbauungszeit des Chors, während die Jahreszahl 1501 am westlichen Eingang in das Langhaus die Hindeutung gibt, daß erst ein Jahrhundert später an den Chor das Langhaus angebaut worden war.
Zu beiden Seiten des Eingangs in den Chor und noch vor demselben finden sich zwei Seitenaltäre, die im gothischen Stil ausgeführte und hübsch verzierte Aufsätze haben. Von besonderem Werthe sind die Malereien, welche für Arbeiten des Ulmer Malers Lucas Moser aus Weil gelten, der auch 1431 das Altarwerk in die Kirche zu Tiefenbronn lieferte. Es sind Darstellungen der Geburt und ersten Jugend Jesu. Die äußeren Seiten der Bilderthüren enthalten Holzschnitzereien, die Anrufung der Maria und das Grab Jesu. Ueber dem Spitzbogen des Choreingangs befindet sich eine Nische, in welcher die 12 Apostel in etwa fußhohen Holzschnitz-Figuren aufgestellt sind.
Der Chor selbst enthält einen im Rococcostyl hergerichteten Altar mit einem Crucifix, neben dem Maria und Johannes in Holzfiguren stehen. Zur linken Seite des Altars sieht man ein Sakramentshäuschen, das im reinsten gothischen Stil bis ins Einzelne exact und schön ausgeführt ist.