In diesem nicht uninteressanten Buche führet uns der fleißige und wissenschaftlich begabte Subregens des bischöfl. Seminars zu Solothurn in das Leben, Schaffen und Wirken eines Mannes ein, der, obwohl nun seit dem 25. Octob. 1866 nicht mehr unter den Lebenden, dennoch der Nachwelt durch seine literarischen Nachlasse unsterblich geblieben ist, namentlich und ganz vorzüglich als Geschichtsforscher, wobei wir dermalen stehen zu bleiben gedenken.
Seine Geschichte der eidgenössischen Bünde, seine zwei Urkundenbücher und die beiden Bände Geschichtsblätter sind allbekannte, rühmliche Denkmale des eisernen Fleißes und des tiefen Forschens im Gebiete der urkundlichen Geschichtswissenschaft. Kopps Geschichtschreibung construiert nicht, schweift nicht in geistreichen Ansichten über die Oberfläche dahin, haftet nicht an dem Gewordenen, um in künstlicher Zusammenstellung desselben seinen Scharfsinn zu üben und die Leser zu bestechen, sondern geht nach langjähriger Prüfung mit gewissenhafter Treue dem Gange des Werdens nach, tritt mit dem Leser, an der Hand brieflicher gleichzeitiger Zeugen, nach dem Grundsatze: quod non est in actis, non est in mundo, mitten in die Länder und Zeiten hinein, und läßt ihn nicht selten in dem Unscheinbaren eine Bedeutung erkennen, die bei der sonst beliebten Weise nicht einmal geahnet wird. Ja, Kopp hat eine neue Bahn für die Schweizergeschichte geschaffen, die noch Keiner gründlich umgeschaffen hat. Von dem so vielfältig Fabel- und Sagenhaften in dieser Geschichte, von den großen traditionellen Irrthümern, was einzig auf die unsichern Berichte späterer Quellen sich stützet, hat er keck und muthvoll und mit voller Berechtigung den Schleier weggezogen. Er hat gereiniget und gelichtet, ohne dadurch den vaterländischen Patriotismus zu opfern; denn Kopp blieb fortan ein echter, warmer Eidgenosse — aber immerhin auf der Grundlage des Rechtes und der Wahrheit. Und der hochw. Verfasser unserer Biographie zeichnet und führet meisterhaft und mit vieler Gewandtheit diese Anschauungen seines alten Lehrers und Freundes durch.
Man muß darum nur wünschen, daß sein interessantes Buch, welches wir mit Freuden begrüßen, in die Hände recht Vieler gelangen möge. Eine getreue Photographie Kopps mit Nachbildung seiner eigenthümlichen Handschrift zieret übrigens die Ausgabe.
S..r.
17) Kleinodien des deutschen Ritterordens. Im Auftrage Sr. k. k. Hoheit... Erzherzogs Wilhelm von Oesterreich, Hoch- und Deutschmeisters u. s. w. beschrieben und geschichtlich erläutert von Dr. B. Dudik. O. S. B. Mit 60 von J. Weselsky angefertigten photographischen Tafeln. Wien, Verlag des Deutschen Ritter-Ordens. 1865. gr. Fol. 170 Stn.
Daß in einer Gemeinschaft, so alt und reich wie der deutsche Ritterorden, in welcher überdies das Recht bestand, daß der jedesmalige Hoch- und Deutschmeister als Spolium einziehen durfte was ein Ordensmitglied an Waffen und Kostbarkeiten hinterließ, mit der Zeit ein Schatz von Kunst- und Gewerbsdenkmälern zusammengebracht werden mußte, der selbst den fürstlicher Häuser überbot, läßt sich denken. Man braucht die Geschichte des Ordens nur oberflächlich zu kennen, um zu begreifen, wie dieser Schatz leider auch wieder zerstreut werden konnte. In dem oben angezeigten Werke erhalten wir ausführliche Nachrichten darüber. Trotz aller ungünstigen Umstände hat sich doch eine Gesammtheit von mehr als hundert kostbaren Stücken erhalten, die, interessant als historische Denkmäler — da fast von jedem einzelnen die Herkunft nachzuweisen ist — zugleich ein äußerst wichtiges Material für die Kunst- und Kulturgeschichte liefern. Wir haben da, außer den eigentlichen Ordensinsignien, kunstvoll gearbeitete Waffen, kirchliche Geräthe, als Kelche und Patenen, Reliquiarien, Rosenkränze u. s. w., Schmuck und Gedenkzeichen, Haus- und Tischgeräthe, namentlich Gefäße von edlen Metallen, Steinen und anderen Stoffen, Kunstwerke in engerem Sinne, besonders von getriebenem Silber, und andere Gegenstände, zum größten Theil dem 16. Jahrhundert angehörend. Alle diese einzelnen Stücke sind — was wir zur Charakterisierung des Werkes vornehmlich hervorheben müssen — in umfangreichen und so trefflichen Photographieen wiedergegeben, daß kaum mehr als die Farbe fehlt, um im Bilde völlig zu ihrem Genusse zu kommen. Der erklärende Text ist sehr eingehend, beschreibt nicht blos, worauf wir noch häufig ähnliche Werke sich beschränken sehen, das, was auch die Abbildung schon gibt, sondern fügt der Erklärung jedes Gegenstandes an der Hand zahlreich und aus früher Zeit vorhandener Inventare, Notizen über dessen Herkommen bei, bringt ihn in Zusammenhang mit ähnlichen Leistungen seiner Epoche, wie mit dem ganzen Kulturgange derselben. Die Ausstattung des Werkes entspricht dem behandelten Stoffe wie der Gediegenheit der Behandlung.
18) Kunst und Gewerbe; Wochenschrift zur Förderung deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben von Dr. C. Stegmann. Weimar, Exepedition: I. F. A. Kühn. 8. I. Quart. 1867.
Immer entschiedener wird in deutschen Landen der Anlauf genommen, wie es längst auf dem Gebiete der Kunst im engeren Sinne geschehen, so auch auf dem des Kunstgewerbes uns vom Auslande frei zu machen und unter theoretischer und praktischer Anknüpfung an den historischen Boden der früheren Entwicklung auch von dieser Seite das nationale Bewußtsein und zugleich den besseren Geschmack zu wecken. Die Bemühungen nach dieser Richtung, sowohl auf wissenschaftlichem, als praktischem Grunde, sind bereits so zahlreich und mannigfaltig, daß eine Zeitschrift vollkommen berechtigt erscheint, die sich zur Aufgabe macht, alle jene Arbeiten übersichtlich zusammenzustellen und zu beurtheilen. Sie führt diesem Zwecke gemäß in Ateliers und Werkstätten, an den Büchertisch und in Schulzimmer, zu Museen und Ausstellungen, theilt neue Erfindungen von großer und geringerer Tragweite mit, beleuchtet hervorragende Erscheinungen von technischer und künstlerischer Seite. Da jener Aufschwung sich indeß keineswegs allein bei uns vollzieht und wir noch sehr viel von Anderen lernen können, um sie uns entbehrlich zu machen, ist auf das Ausland entsprechende Rücksicht genommen, im vorliegenden Hefte namentlich auf die jüngste Industrieausstellung zu Paris. Wer selbst auf dem in Rede stehenden Gebiete thätig, wird diese Wochenschrift kaum entbehren können; wer aber auch nur an den besseren Regungen der Neuzeit Antheil nimmt, wird ihre Mittheilungen mit Interesse verfolgen.
19) Die Kunstkammer seiner königlichen Hoheit des Fürsten Carl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen von J. H. von Hefner-Alteneck. München, Verlag von Friedrich Bruckmann. 1866, 1867. Fol. Heft I bis V. Mit color. Kupfern.
In derselben Weise durchgeführt, wie das vom Herausgeber in Gemeinschaft mit C. Becker vollendete Prachtwerk: Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renässance, unterscheidet sich das obengenannte vom letzteren nur dadurch, daß dieses charakteristische Musterstücke der aufeinander folgenden Kunst- und Kulturepochen von verschiedenen Orten in Abbildung zusammenstellt, während das Material für jenes in einer eben so ausgesuchten Sammlung sich bereits vereinigt findet und durch diese entsprechende Veröffentlichung in Bild und erklärendem Text dem größeren Publikum zugänglich gemacht wird. Um den Inhalt näher zu vergegenwärtigen, führen wir die vorzüglichsten der behandelten Gegenstände auf: Ein Reliquiarium, aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, mit Krystallbehälter und emaillierten Seitenwänden, bemalte Elfenbeinarbeiten vom 15. Jhdt., ein reichverzierter Kelch vom Ende des 13. Jhdts. mit emailliertem Bilderschmuck, nebst ähnlich ausgestatteter Patene; vier Stück jener merkwürdigen Aquamaniles in Gestalt von Thieren nebst eben jenem phantastischen Geschmack entsprungenen Messingkannen; ein emaillierter Hostienbehälter in Taubengestalt, Seitenstück der bekannten ähnlichen Geräthe zu Erfurt, Salzburg u. s. w., doch von vorzüglicher Schönheit; mehrere andere Kirchengeräthe der romanischen Epoche, gebrannte Thonarbeiten aus der Schule des Luca della Robbia, Emailen der späteren Periode, namentlich Limoger Gefäße, bemalte Steinkrüge, kostbare Becher und Pokale, Waffen u. s. w. Der in deutscher und französischer Sprache beigegebene Text ergänzt, was die Abbildung nicht zu zeigen vermag, hebt die historischen Gesichtspunkte hervor, unter welchen die einzelnen Gegenstände zu betrachten sind, und bringt sie mit verwandten in vergleichenden Zusammenhang. Rühmen wollen wir auch die Treue und Sorgfalt, mit welcher Kupferstecher H. Petersen zu Nürnberg die Denkmäler nachgebildet.