(Ill. Ztg. Nr. 1302.)

68) Wie bereits im Anzeiger erwähnt, hat die Nachlassenschaft der nunmehr auch in Nürnberg aufgelösten Handwerkszünfte und Innungen ein verschiedenartiges Schicksal gehabt. Die meisten dieser Verbände haben doch die größten Theils durch ihr Alter oder durch Kunst werthvollen Andenken ihres einstigen Bestandes auf entsprechende Weise, entweder im städtischen oder im germanischen Museum, der Nachwelt zu erhalten vorgezogen; andere haben sie durch Verkauf für den Augenblick nutzbar gemacht, so die Goldschmiede, welche zugleich mit die interessantesten Gegenstände besaßen und diese am 18. Mai zur Versteigerung gebracht haben. Eine Legende des h. Eligius, Pergamenthandschrift von 1283 mit Initialen, kam auf 305 fl., ein Brief Martin Luthers an die Innung auf 151 fl. Der schöne, dem Wenzel Jamnitzer zugeschriebene Silberpokal gieng zu 750 fl. an den Antiquar Pickert in Nürnberg über.


Mittheilungen.

Es wird gewünscht, für den Hochaltar der in Restauration begriffenen, sehr alten (Mitte des 14. Jahrh.) und in Conception und Detailbildung besonders edlen, schönen Kirche zu Pestlin einen alten, geschnitzten gothischen Altarschrein zu erwerben. Da solche Altarschreine noch in vielen Kirchen meist sehr vernachlässigt, fast immer unbenutzt und selten beachtet sich finden, erlaube ich mir an die betreffenden geehrten Kirchen-Vorstände die ergebenste Bitte zu richten, gefälligst mich benachrichtigen zu wollen, wo ein solcher Altaraufsatz sich findet, welcher zu besagtem Zwecke zu verwerthen wäre, damit er, würdig restauriert (was freilich sehr theuer ist), wieder zu Ehren komme und zum Schmuck des an sich schönen Kirchengebäudes und zur Verherrlichung des Gottesdienstes in demselben beitragen könne. Falls man besorgt, daß die hohen Behörden in eine solche Translocierung nicht willigen würden, so übernehme ich es, die Erlaubniß dazu auszuwirken.

Pestlin bei Stuhm, den 7. Mai 1868.

R. Bergau.

Rübezahl. Der Schles. Provinzialbl. 72., d. n. F. 7. Jahrg., 3. Heft.

Diese alte Zeitschrift entwickelt sich in ihrem neuen Gewande rasch zu immer weiterer Vollkommenheit. Die Ausstattung durch Abbildungen gewährt ihr einen neuen Reiz, dessen man in der Gegenwart nur ungern noch entbehrt. Gleich auf der ersten Seite macht die Grabkapelle des Grafen Brandenburg in Domanze einen freundlichen Eindruck; beigegeben ist der Beschreibung eine kurze Lebens- und Charakterschilderung des einer trüben Zeit zum Opfer gefallenen Staatsmannes. Auch die ausführliche Biographie des verstorbenen Professors Haase, verdient Aufmerksamkeit; seinem wohlgetroffenen Bildnisse ist eine zweite kleine Skizze beigegeben, welche ihn in seinem Costüme auf dem Kriegsschauplatze zeigt, nebst Facsimile seiner Handschrift. Von einer spannenden Novelle „Das Bild“ steht der Schluß für das folgende Heft in Aussicht. Durch 2 hübsche Bilder ist die „Schlesische Bauerntracht“ illustrirt. Die „Rechtsdeduction in Sachen der Breslauer Verbindungsbahn“ macht einen wichtigen noch unerwähnten Umstand geltend. Wir erwähnen ferner: Geschichte und Beschreibung des Breslauer „Bethanien“ (Abbildung dazu im vorigen Hefte). Geschichte des Gleiwitzer Turn- und Rettungvereins. Tättowirte Schlesier. Ungedruckte Gedichte Hoffmann’s v. Fallersleben (zu dessen 70. Geburtstage). Endlich eine Masse von kürzeren Artikeln und Notizen jeder Gattung: Blumenlese, Räthsel, Fragen und Anregungen, Aufzeichnungen aller Vorgänge in Literatur, Kunst, Theater, Tagesgeschichte, Handel und Gewerbe, Wohlthätigkeit, Todesfällen u. a. Personalien u. s. w.

P. F. V.