Auch an mehreren Hakenbüchsen des 16. und 17. Jahrh. kommt noch der Luntenhahn vor, während die früheren blos Zündlöcher theils oben, theils an der Seite zeigen. Ein Bruchstück eines schweren Infanteriegewehres aus dem dreißigjährigen Kriege hat gar keinen Hahn, sondern blos ein Zündloch mit Pfanne; ein anderes zeigt einen ungeheuer langen Kolben von 0,90 Met., offenbar, um den Schützen vor der Flamme der Pfanne zu decken.
Unter den Radschloßwaffen des german. Museums dürfte wol die älteste eine Pistole sein, etwa aus der Mitte des 16. Jahrh., bei welcher sich der Drücker nicht unten, sondern oben befindet, so daß man sich denken könnte, er sei mit dem Daumen in Bewegung gesetzt worden, wenn nicht der Drücker dem Daumen zu wehe gethan hätte, da er aus einem ziemlich dünnen Blechstreifen besteht, dessen scharfe Kante angegriffen werden müßte. Ein Loch in demselben läßt annehmen, daß eine Schnur daran befestigt war, an welcher gezogen wurde, um die Pistole abzuschießen.
Fig. 4.
Wenn wir einem der von Toll ausgesprochenen Sätze entgegentreten möchten, so ist es der, daß das Luntenschloß erst nach dem Radschlosse erfunden sein könne und daß, weil das Kölner Einladungsschreiben von 1501 schon ein Luntenschloß zeigt, das Radschloß vor 1501 entstanden sein müsse. Wir können uns recht gut die gleichzeitige, von einander unabhängige Entstehung beider denken. Interessant ist, daß auch beide an manchen Waffen gemeinsam zu finden sind, wie überhaupt eine doppelte Vorrichtung nicht selten vorzukommen scheint; wenigstens sind solche an mehreren Exemplaren des german. Museums combiniert. So unter Anderem an einem einzelnen Schlosse unserer Sammlung, wo kein Zweifel bestehen kann, daß hier nicht etwa eine spätere Abänderung vorliege, sondern daß man die Absicht hatte, eine doppelte Vorrichtung anzubringen, um auf jeden Fall sicher zu gehen. Hier wendet sich, wie gewöhnlich, der Halter des Steins am Radschlosse gegen das Gesicht; ein Schwammschloß steht da hinter und schlägt vom Gesichte weg gegen die Pfanne. Von besonderem Interesse ist auch ein Gewehr mit der Jahreszahl 1571, das eine doppelte Zündvorrichtung hat, nämlich ein schon ursprüngliches Steinschloß und den Luntenhahn.
Wie hoch das Steinschloß hinaufgeht, sind wir augenblicklich nicht in der Lage anzugeben.
Fig. 5.
Wir geben unter [Fig. 4] die Abbildung des Gewehres von 1571 und in [Fig. 5] das Schloß in halber Naturgröße. Der Lauf hat eine Länge von 1,00 Met.; der Durchmesser an der Mündung im Lichten beträgt 0,015 Met., die ganze Länge des Gewehres von der Mündung bis zum Ende des gekrümmten Kolbens 1,40 Met. Zum Zielen ist bei O ein konisches Röhrchen auf den Lauf aufgelegt, durch welches man das Zäpfchen P sieht. Der Lauf ist unten achteckig; gegen die Mündung wird er rund; die Jahreszahl 1571 ist auf der Oberfläche des Laufes vor dem Röhrchen O eingegraben. Der lange Hebel N setzt den Luntenhahn in Bewegung, der, wie gewöhnlich, so eingerichtet ist, daß er sich von der Pfanne wieder entfernt, sobald der Hebel losgelassen wird. Der Drücker M dient zur Bewegung des Feuersteins. Wenn der Hahn gespannt ist, so steht er, wie in [Fig. 5], senkrecht. Dreht er sich bei Berührung des Drückers um seine Achse, so schlägt der Stein gegen das Kreissegment H, welches fast die Breite des Steines und, ähnlich wie das Rad des Radschlosses, an der Cylinderfläche tiefe Rinnen hat. Zugleich bewegt sich jedoch der Ansatz A am Hahn, welcher unten abgerundet ist, über das oben abgerundete Ende B des Stängchens B C, dessen Ende B durch eine Feder von der Unterlage weggedrückt wird, so daß das Ende C, welches rückwärts einen Haken hat, den Stiel E K packt, welcher einen Deckel L auf der Pfanne G hält. Bewegt sich nun A über B, so wird dieser Punkt gegen den Grund gedrückt, C entfernt sich vom Grunde und das Häkchen läßt den Stiel E K los. Die Feder D E drückt nun bei E den Stiel E K zurück, so daß sich der Deckel L unter der Feder F weg von der Pfanne losschiebt und die auf H sich bildenden Funken auf die Pfanne fallen.