86) Von der Calve’schen k. k. Universitätsbuchhandlung in Prag ist folgendes Schriftchen ausgegeben worden: „Diplomatische Abhandlung über ein zu München aufbewahrtes Fragment eines Sendschreibens des Kaisers Glycerius an den Ostgothischen Feldherrn Widemir, als die einzige bisher bekannte occidentalisch-kaiserliche Urkunde etc. Von J. C. Frhrn. v. Aretin. 8. 34 Stn.“ Ueber die in dieser Abhandlung besprochene Urkunde war schon um 1759 ein Heft unter dem Titel: „Jo. Adami E. B. de Ickstädt Observationes historico-criticae in epistolam autographam Glycerii Imperatoris ad Widimerum Ostrogothorum Regem. Monachii (prostat in Bibliopolio Elect. academico.) S. a. 4. 14 Stn., mit 1 Tafel.“ in zwei Auflagen erschienen, damals aber ziemlich unbeachtet geblieben. Die betreffende, den Erben des kurfürstl. Hofraths Frhrn. Widmer in München gehörige und schon seit länger als einem Jahrhundert im Besitze der Widmer’schen Familie befindliche Urkunde stammt aus dem J. 473 und ist nach v. Aretin’s Ausspruche wegen ihres Alters sowohl, als wegen ihres Inhalts „eine der größten Kostbarkeiten, mit welchen eine öffentliche Bibliothek geziert sein kann.“
(N. Anz. v. Petzholdt, H. 8, S. 272.)
Mittheilungen.
Die den Freunden der älteren deutschen Literatur wohlbekannte Bibliothek des verstorbenen Predigers Kläden über deren Seltenheiten (besonders der Schriften von Grimmelshausen) Holland, Keller u. A. Mittheilungen gegeben, ist von dem Antiquar Stargardt in Berlin angekauft worden. — Ein Verzeichniß derselben, das zugleich eine Ergänzung zu Heyse’s Bücherschatz bildet, enthält ca. 2300 Nummern zum Theil mit literarischen und bibliographischen Nachweisungen.
Auf [Sp. 194] des diesjährigen Anzeigers ist durch Fortlassung eines Komma ein Satz der Art entstellt, daß anzunehmen ist, es sei behauptet, Luther habe die Stelle Sprüche Salomo’s 25,11 übersetzt: „Gold’ne Aepfel mit silbernen Bildern.“ — Richtig lautet der Satz aber: „In der Vorrede ist das durch Göthe beliebt gewordene: Gold’ne Aepfel in silbernen Schalen“ nach der lutherischen Bibelübersetzung, — eigentlich: „mit silbernen Bildern“, — benutzt.“
Der anscheinend auffallende Umstand, daß [Sp. 196] bei der auf einen Brief Dr. Suringar’s zu Leiden vom 25. Februar 1866 gestützten Mittheilung über Sprengius die abweichende Ansicht Franck’s — Anzeiger 1867, Sp. 10 und Herrig’s Archiv, Bd. 40, S. 91 — nicht beachtet ist, erklärt sich dadurch, daß mein Aufsatz im Anzeiger älter als der Abdruck der Franck’schen Arbeit ist und bereits im December 1866[146] nach Nürnberg abgesendet war.
A. M. Ottow.
An den Tagen vom 14.–21. September findet zu Bonn ein von dem Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande veranstalteter internationaler Congress für Alterthumskunde und Geschichte statt. Die Verhandlungen werden, auf drei Sectionen vertheilt, Fragen aus der Urgeschichte, aus dem heidnischen Alterthum und aus der christlichen Zeit zum Gegenstande haben. Außerdem ist eine Ausstellung solcher Kunstwerke und Alterthümer in Aussicht genommen, welche, in Privatbesitz oder Kirchen befindlich, bisher wenig zugänglich waren, oder sich besonders als Material für die vergleichende Kunstgeschichte eignen. Anmeldungen sind an den Vorstand des obengenannten Vereins zu richten.
Die Redaktion.