104) Ein altgermanischer Grabhügel auf dem Palmberge bei Vippach-Edelnhausen ist kürzlich im Interesse der Sammlungen des Germanischen Museums in Jena von dem Conservator desselben, dem Dr. Klopfleisch, ausgegraben worden. Auf dem Boden des Berges befand sich ein 4 Fuß hohes, etwa 30 Fuß langes und 20 Fuß breites Steinpflaster, auf welchem das Leichenfeuer gebrannt hatte, wie die vielen Kohlen und Aschenstellen bewiesen. Diesen pflasterartigen Steinaltar hatte man, nachdem das Leichenfeuer ausgebrannt, mit schwarzer, von anderwärts hergeschaffter Erde bedeckt. Auf diesem künstlich bereiteten Fußboden lag im Mittelpunkt der ganzen Anlage, von welcher übrigens nach der Peripherie des Hügels zu einige Nebenaltäre ausliefen, das Feuerspuren an sich tragende, vollständige Skelet einer Frau; zu ihren Häupten fand sich in einer zerdrückten Urne ein Häufchen geglühter Menschenknochen, wol ein Theil der irdischen Reste ihres Gemahls. Ringsherum lagen viele Reste geschmolzener Bronze, darunter eine wohlerhaltene fibula, Reste anderer Nadeln, eines medaillonähnlichen Schmuckes und eines bronzenen, verzierten Gefäßes. Zur linken Seite des Skelets fanden sich drei von der Erdlast zerdrückte, theilweise verzierte Urnen ohne Inhalt, und etwas weiterhin die vollständigen Reste eines Rosses, jedoch ohne Schädel, da dieser den Göttern dargebracht wurde, während man das Fleisch des übrigen Körpers beim Todtenopfermahl zu verzehren pflegte. Zur rechten Seite des weiblichen Skelets lagen, mit kleinen Bruchsteinen umsetzt, die theilweisen Skeletreste eines Mannes. Bei einer andern Grabstelle desselben Hügels, welche zu dem in der Peripherie befindlichen Skeletkranze des dienstbaren Gefolges gehörte, waren nur die Füße von den Hüften an beigesetzt, und zwar vollständig und in geordneter Lage. Die Reste von Holzpfählen, die sich um das im Mittelpunkt bestattete Paar vorfanden, werden wol die Träger gewesen sein, auf denen man die Häupter der hier geopferten Thiere, Kränze u. dgl. oberhalb des Hügels befestigte. Ueber die ganze Oberfläche des beschriebenen künstlichen Bodens, auf welchem die zwei Hauptpersonen und die Urnen lagen, waren ferner außer gebrauchten Mahlsteinen von Kalk zahlreiche Scherben der Gefäße, die beim Todtenopfermahl gedient hatten, zerstreut, darunter die Reste einer reich verzierten römischen patera der Kaiserzeit.

(Ill. Ztg. Nr. 1312.)

105) In dem neuen Flußbett der Lippe hat man kürzlich wieder ein altes Schiff gefunden, welches wie dasjenige, auf welches man vor drei Jahren beim Durchstich der Lippe stieß, die primitivsten Formen hat. Es ist nämlich ein ausgehöhlter Baumstamm. Die Höhlung ist zwar mit Hauwerkzeugen ausgeführt; dagegen sind die Schnäbel und Seiten im rohen Zustande geblieben. Seine Länge beträgt 24 Fuß und seine Breite in der Mitte 2½-3 Fuß. Das 1865 aufgefundene und jetzt im Provinzialmuseum zu Münster befindliche Schiff hat dagegen behauene und geglättete Seiten.

(Korr. v. u. f. D. N. 531.)

106) Am Nachmittage des 5. October sammelte ein Mädchen von Lustnau (unweit Tübingen) im sog. Lustnauer Wäldchen am Oesterberg Eicheln. Von einer nicht sehr alten Eiche fielen einige Eicheln in’s Gebüsch zwischen zwei aufrechtstehende Steine; das Mädchen wollte sie holen, und als sie die Steine entfernt hatte, fand sie einen großen irdenen Hafen mit zwei Henkeln, angefüllt mit über tausend alten deutschen Silbermünzen aus dem Mittelalter, von der Größe eines Kreuzers bis zu der eines Sechsbätzners, mit undeutlichem Gepräge und theilweise mit Grünspan bedeckt.

(Ders. Nr. 533, nach dem Schw. M.)

107) Nach Art. XII des Friedensvertrages, welchen Bayern und Preußen vor zwei Jahren abgeschlossen, sollten „die in dem k. b. Archiv zu Bamberg befindlichen, im Wege kommissarischer Verhandlung zu bezeichnenden Urkunden und sonstigen Archivalien, welche eine besondere und ausschließliche Beziehung auf die ehemaligen Burggrafen von Nürnberg und die Markgrafen von Brandenburg fränkischer Linie haben“, an Preußen ausgeliefert werden. Das Resultat der kommissarischen Verhandlungen, welche vom 22. Juni bis 1. August darüber stattfanden, ist nach der Hoffm. Korresp. (Korr. v. u. f. D. Nr. 479) folgendes. Die betreffenden Archivalien belaufen sich auf 3071 Stück, bestehen aus Akten, Korrespondenzen und Verträgen der brandenburgischen Fürsten, welche sechs Jahrhunderte in Nürnberg, Ansbach, Bayreuth, Kulmbach residiert und regiert haben, und haben sämmtlich nur noch historischen Werth. Es gelang dem k. b. Kommissär, den Grundsatz zur Anerkennung und Durchführung zu bringen, daß jedes Stück, welches auf Bayern u. seine Geschichte Bezug habe, Bayern verbleiben müsse. Preußen erhielt dagegen die Familienkorrespondenz der Brandenburger, ihre Hausverträge, Eheberedungen, Verhandlungen über Apanage, Morgengabe, Witthum u. Leibgedinge, die Aufzeichnungen über Geburten, Heiraten, Erziehung, Unglücks- und Todesfälle der Prinzen und Prinzessinnen u. dgl. m. Im Ganzen erhielt von den 3071 Stücken Preußen 1401 und behielt Bayern 1670, wobei 135 Stücke unter beide getheilt wurden. Zu bemerken ist noch, daß von wichtigern Urkunden entweder bereits alte Copien oder zweite Exemplare sich vorfanden, oder, sei’s für Bayern oder Preußen, angefertigt werden und die Urkunden, von welchen Bayern noch Abschriften machen will, noch zurückbehalten sind. Auch ist in Bezug auf das jetzt in Bamberg verhandelte Archivmaterial das Prinzip vollster Gegenseitigkeit in der Benützung, sei es zu amtlichen oder wissenschaftlichen Zwecken, stipuliert worden.


Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.