Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich bekriegten sich ohne Unterlaß. Dieser konnte nicht vergessen, daß er in seinem Versuche, die Wahlstimmen der Churfürsten zum deutschen Kaiserthrone auf seine Person zu lenken, gegen Karl unterlegen. Er brachte die alten Forderungen, die schon durch den Vergleich von Noyon 1516 abgethan worden, neuerdings auf die Bahn. Darüber entstand ein mehrjähriger Kampf, der vom Jahre 1521 bis 1525 dauerte, in Navarra, den Niederlanden und in Italien geführt wurde und 1525 mit der Niederlage des französischen Königs bei Pavia und seiner Gefangenschaft endete. Der Sieg des Kaisers wurde durch die deutschen Landsknechte unter Georg von Freuntsberg und Marx Sittich von Ems (Hohenems) entschieden. Unter Freuntsberg diente ein bayerischer Edelmann, der Ritter Caspar Wintzerer, der ein Fähnlein Landsknechte in die Schlacht führte. Er hatte seinen Ansitz zu Winzer in der Nähe von Regensburg und war bestallter Rath und Diener der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern. Von Mailand aus schickte er den Herzogen einen Bericht über die Schlacht von Pavia, welchen dieselben unterm 8. März 1525 ihrem Schwager, dem Markgrafen Kasimir von Brandenburg, mittheilten.
In einem eigenen Zettel schildert Wintzerer die Treffen, die der Schlacht vorausgegangen. Er beginnt also:
„Als vnser hauf von Loda gezogen ist, hat sich der marggraf von Bischarra[182] für Castell sannt Angell[183] mit etlichen landsknechten vnd Hyspaniern gelegert vnd ein sturm gethan, denselbigen verlorn, vnd der vnsern by 100 vmbkomen, aber von stund an wider ein andern sturm angethretten, das stettlin gewonnen vnd bey 200 erstochen vnd die v̈brigen fengklich angenommen vnd mit wyssen stäblin lassen abziehen. Vnd sind darinn gewesen 50 kürisser, 200 ringer pferdt, das sich thrifft by 800 pferden[184], vnd bey 600 büchsenschützen. Darnach ist das her furterhin bis ein klain wällisch meil zu Paphyä khommen vnd gelegert, vnd haben alle tag scharmützel, vnd brechen den veinden vyl ab. Sie haben auch 100 Hispanier —, die leger der veind zu besichtigen vnd die feind herauß zulocken. Da dann by 400 Eydgenossen[185] uff sein gloffen, haben die Hispanier by 100 oder 150 erstochen vnnd 3 fänlin inen abgewonnen.“
„Item so sind capiten Zerenz Haufe vff Marsilien gezogen, zum Frantzosen in das her wöllen. Haben die vnsern, so zu Alexandra gelegen sind, vff sie gehalten und sie geschlagen; do dann by 2000 oder 2500 erschlagen und 17 fänlin abgewonnen.“
„Es sind auch yetzt in acht oder 10 tagen die in Paphya mit 6 fenlin, 4 theutschen, 2 hyspanischen, in das frantzosisch leger gefallen, zwo groß büchsen genommen vnd ein wagen mit puluer vnd sonst ein wagen, das man acht ob 10000 cronen werdt sey, darzu bis in die 500 Frantzosen erstochen vnd on schaden wider hinein khomen; vnd ligen ytzund vnd warten alle stund der schlacht.“
Diese ließ nicht lange mehr auf sich warten, und Wintzerer gibt von derselben nachstehende Schilderung:
Antzaigung vnd neue zeitung, wie aigentlich mit der slacht vor Paphia —[186] vnd als wir erstlich von Lodi ausgetzogen den veinden entgegen am freytag des 24. february, daran gefalen ist
S. Matheis des h. zwelfpotten tag Anno Im 1525:
Erstlich als wir den 24. tag jenner zu Lodi mit allen heuffen auf Morian vnd von dannen gen Conpian[187] verruckht vnd daselbs jenen[188] vmb das nechst vnser leger zesamen geslagen, haben wier den ersten scharmützl zw ross vnd fues daselbst am ortt des tiergartns mit den Frantzosen angenomen, alda etlich zu fues erlegt worden, in mitler weil pruggen geslagen, spinadi[189] gemacht, vnd am 3 february sey wir zu Canpian mit dem hörr neben dem tiergartn vnd des Frantzosen leger gegen Paphia auf ain welsche meyl geruckht, daselbst in freyern veld wider das leger geslagen. Da sein die veind zwischen vnnser vnd der stat gelegen vnd sich vast vergraben[190], damit wir sy nit vbertzugen, inen auch nicht wissten abtzeprechen dan mit großen mercklichen schadn. Die von Paphia haben vns zuegeschryben durch die zyffern, das wier kains wegs da angreyffen sollen, auch vnser sach irnthalb in kain gefer setzen sollen. Darauff wier begertt haben, ainen von inen zu vns heraus zuschickhen mit im zurattschlagen, damit sie wissen vnnser, vnd wier irn anschlag. Darauff sy vnns den Waldenstain heraus geschickht, haben wir mit ime ratt geschlagt, damit sy aus dem sloss heraus ziechen vnd hinder inen das schlos besetzen vnd 200 knecht an die ortt, da es dann von nötten gewest, verordnen sambt etlichen Dälienern[191], vnd doch mit inen beschlossen, das sy ir sach in kain gefär setzen vnntz das wier in der nacht zwen schuß mit großen stuckhen in zu ainem wortzaichen thun, damit sy wissen, das mir auf sein, dargegen sy vnns fairtzaichen geben, vnd damit angetzaigt, das sy ier sach auch in ordnung haben.