109) In Köln fand man unlängst beim Abbruche alter Häuser neben der Kunibertskirche, die großen Neubauten Platz machen mußten, Ueberreste einer romanischen Kapelle, aus Tuffstein errichtet. Von Interesse war dabei, daß sich im Innern einer späteren Wand der Anfang einer kleinen Abside fand, welche noch in vollkommener Farbenfrische erhaltene Gemäldeüberreste zeigte. Zwei Einzelfiguren waren noch vollständig erhalten; eine Magdalena mit dem Salbgefäß und darunter ein Johannes der Täufer. Von einer größern Scene, wahrscheinlich einer Kreuztragung, fanden sich einzelne Köpfe. Die Ausführung der Malerei ist nicht gerade elegant, in der Weise der romanischen Wandgemälde der Rheinlande; aber die Zeichnung edel und rein. Der Stil der Zeichnung steht auf der Grenzscheide des 13. u. 14. Jahrhunderts. Er schließt sich noch den allgemeinen Typen der Zeit an ohne die specifischen Eigenthümlichkeiten der späteren lokalen Schule. Leider konnten die Ueberreste nicht erhalten werden, sondern wurden wenige Tage nach ihrer Entdeckung zerstört; doch hat Maler Schüller vollkommen exakte, naturgroße Copien für das germanische Museum angefertigt.

110) Vor einigen Wochen genehmigte die Versammlung der Stadtverordneten von Köln die Anstellung von Nachgrabungen, welche der Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande auf dem zwischen der Rampe der festen Rheinbrüche und dem Viadukt der Rheinischen Eisenbahngesellschaft liegenden Rasenplatze ausführen zu lassen beabsichtigte, um die Lage der alten, entlang der Burgmauer gestandenen römischen Stadtmauer weiter nach Osten zu verfolgen und festzustellen. Die Nachgrabungen haben am 10. November begonnen, und die dabei beschäftigten Arbeiter sind bereits auf alte Mauerreste gestoßen, von welchen vorerst noch kaum zu sagen ist, ob sie römischen oder mittelalterlichen Ursprunges sind.

(Köln. Ztg. Nr. 315, 2. Bl.)

111) Bei dem Grundbau des Gebäudes der öffentlichen Bibliothek des katholischen Gymnasiums an Marzellen — diesen Titel führt die Bibliothek amtlich — in Köln hat man römische Alterthümer gefunden. Etwa zwölf Fuß unter der Sohle traf man auf Spuren von römischen Gräbern; man fand unter Anderm Krüge, Aschenurnen und Lämpchen in mancherlei bekannten Formen, ein Trinkgeschirr mit Thierdarstellungen, einen Krug mit zum Anfassen bestimmten Eindrücken und ein ganz unversehrt erhaltenes Fläschchen. Am bedeutendsten ist ein römisch-christlicher Grabstein von buntem Marmor, 1′ 5″ breit, 11″ tief, 3″ dick, mit einer Inschrift, von welcher nur der erste Buchstabe in der ersten und ein Theil desselben in der zweiten Zeile abgebrochen ist. Sie lautet:

· MAGE T F UCILIO QVAE

VIXIT ANNOS · XV FIDE

LIS IN PACE RECESSIT

Unter der Inschrift steht das christliche Monogramm. Sie selbst steht auf vorgezogenen Linien. In den ersten Zeilen sind die Buchstaben M und A, V und A mit einander verbunden. Das V in der Zahl XV hat eine eigenthümliche Gestalt. In recessit steht statt des zweiten E irrig ein C.

(Das.)

112) Dem Vernehmen nach wird die k. Regierung, welcher die Stadt Trier die Aufdeckung und Erhaltung der wichtigsten ihrer ehemals verschütteten Baudenkmale verdankt, nun auch für die gänzliche Freilegung der porta nigra Sorge tragen. Es soll sogar der dazu erforderliche beträchtliche Fond bereits zur Disposition gestellt sein. Die porta nigra, das einzige erhaltene Römerthor, zeigt sich nämlich noch nicht in seiner ganzen Höhe, die an den Thurmabtheilungen 94 Fuss 8½ Zoll beträgt, sondern liegt noch 7 Fuß tief unter dem Niveau der Straße vergraben. Dieser Theil des kolossalen Baues wird nun wahrscheinlich etwa in der Art, wie es bei der Kathedrale und der Laurentiuskirche geschehen, freigelegt und die Passage durch das Hauptthor, wenn es nicht für immer geschlossen werden soll, durch eine Ueberbrückung ermöglicht werden. Auf diese Weise tritt das Römerthor erst in seiner ganzen ursprünglichen Großartigkeit hervor und gewährt der Stadt einen erhöhten antiken Reiz.