(Köln. Ztg. Nr. 309, 2. Bl., nach d. Trier. Ztg.)

113) In dem um einige Fuß abgelassenen Streitzigsee bei Neustettin ist ein bisher durch Rohrwuchs verdecktes großes Pfahlbautenrevier entdeckt worden, bei dessen oberflächlicher Untersuchung viel Kohle und mehrere alte Mahlsteine gefunden wurden.

(Ill. Ztg. Nr. 1323, Korr. v. u. f. D. Nr. 564.)

114) In Böhmen haben sich, nach österreichischen Blättern, nun auch Reste von Pfahlbauten gefunden, und zwar auf der Höhe des Erzgebirges im Kreiserwalde bei Sonnenberg. Von den in ziemlicher Tiefe gefundenen Werkzeugen und Geräthschaften werden erwähnt: Ein Schleifstein, aus einer Platte von hartem Sandstein bereitet, ein aus dem Zahn eines Ebers gefertigtes Weberschiffchen, eine Steinschleuder, Pfriemen zur Bearbeitung von Lederwaaren, eine Vase, ein Thonkessel, ein Wagen- oder Karrenrad, eine eichene Kette, ein Angelhaken, eine Dolchspitze, ein kurzes zweischneidiges Schwert, eine Nadel aus Bronze. Das Bemerkenswertheste sind jedoch vier dabei befindliche Menschenschädel.

(Ill. Ztg. Nr. 1321.)

115) Etwa 800 Schritte östlich von dem letzten Hause des Dorfes Pestlin (zwischen Marienwerder und Marienburg), dicht am Wege nach Zyguß, wurde im Sommer 1867 beim Graben nach Mauergrund auf ebenem Felde in nur zwei Fuß Tiefe unter der Oberfläche eine große Anzahl (der Angabe nach über fünfzig) heidnischer Aschengefäße verschiedener Form gefunden. Die meisten derselben sind von den Findern zerschlagen worden. Nur vier Stück, welche Kinder an sich genommen hatten, haben sich durch Zufall erhalten und sind, in Folge meines eifrigen Nachforschens, wieder zum Vorschein und in meinen Besitz gelangt[220]. Nach Angabe der Landleute standen und lagen die Töpfe dicht bei einander, zum Theil umgekehrt, in dem groben Sande und haben nichts Bemerkenswerthes enthalten. In diesem Frühjahre besuchte ich die Fundstätte, fand aber nur Scherben in großer Anzahl. Bei verschiedenen Nachgrabungen gelang es mir, außer unendlich vielen Scherben und einigen zerbrochenen, auch einige wohlerhaltene Gefäße zu finden. Sie standen meist umgekehrt, mit dem Boden nach oben und waren durchaus leer.

Es befand sich also an dieser Stelle ein großes Todtenfeld, welches die historische Nachricht (Script. Rer. Prussic. I, 60 u. 357; J. Voigt, Gesch., II, 620), daß Pestlin schon am Anfang des 13. Jahrhunderts ein bedeutender Ort war, in trefflichster Weise bestätigt.

Die Gefäße sind von auffallend schöner Form (dieselbe erinnert oft an die schönen antiken, griechischen, bemalten Gefäße), zum Theil mit einem Henkel und leise angedeutetem Ausguß versehen, von dünnen Wänden und hart gebrannt, so daß sie klingen. Deckel habe ich nicht gefunden. Der Thon ist von bläulicher Farbe und stark mit grobem Sand vermischt. Sie zeigen eine schon sehr ausgebildete Technik (auf der Drehscheibe) und sind mit den einfachsten Mitteln in sehr verschiedener, stets hübscher und sinniger Weise am Halse ornamentiert. Fast alle haben am oberen Theil des Bauches wagrechte Riefelungen. Diese Gefäße stehen also ganz im Gegensatz zu den sonst in unserer Provinz gefundenen Aschengefäßen, welche meist ganz roh mit der bloßen Hand geformt sind, dicke Wände haben und ungebrannt sind. Gestützt auf diese Thatsachen, möchte ich die Pestliner Gefäße für viel jünger halten, als die meisten sonst gefundenen, glaube, daß sie aus historischer Zeit stammen, da ganz Pomesanien der Form nach schon christlich war, die alten Preußen ihre heidnischen Gebräuche aber noch nicht aufgegeben hatten. Ein zwischen den Gefäßen gefundenes Fragment eines eisernen Geräthes scheint meine Ansicht zu bestätigen.

Pestlin.

R. Bergau.