(Aus der Altpreuß. Monatsschr., 6. Heft.)

116) Bei Kötten (Eisenacher Oberland) wurden bei Anlegung einer neuen Straße riesige Skelette nebst silbernen Armspangen, mit Perlen besetzt, und Messer in eigenthümlicher Form gefunden. Nach der Ansicht des Professors Dr. J. Klopfleisch aus Jena, welcher zum Zweck weiterer Nachforschungen die Stelle besuchte, gehören die genannten Objekte dem heidnischen Alterthum an.

(Frk. Kur. Nr. 317.)

117)[221] Auf einem Felde nächst Hildesheim ist, gelegentlich der Anlage einer Militärschießstätte, 9 Fuß unter dem Erdboden eine große Anzahl (54 Stück) massiv silberner, theilweise vergoldeter Gefäße aufgefunden worden, die, einen Silberwerth von wenigstens 3000 Thlrn. repräsentierend, dem Alterthum entstammen und zu einem Tafelservice gehörten. Gefunden wurden: Ueberreste eines gegossenen Dreifußes (3 Füße mit Thierklauen, 3 Aufsätze in Form kleiner Hermen des bärtigen Bacchus, verschiedene Theile der Verbindungsstäbe mit noch beweglichen Scharnieren); ein ½ Meter hoher, glockenförmiger Krater, ganz umzogen von den reizendsten Ornamenten, in welchen allerhand Figuren, namentlich Eroten, angebracht sind; 4 Schalen mit Inschriften, im Innern mit aufgelötheten Hochreliefs (Minerva, Büste einer Kybele, eines Deus Lunus, des Herakles als Knabe, Schlangen würgend); einfache Schale; zwei Becher mit Ornamenten und Inschriften; beweglicher Henkel einer Vase; 5 flache Tafelaufsätze mit Inschriften und je 4 Füßen, an den Langseiten Dithyosen (?), an den Schmalseiten tauchende Enten; drei Tiegel mit ornamentiertem Griff und Inschriften; verschiedene Schalen, je über 1 Pfund schwer; drei glockenförmige Becher mit Händen und Füßen, die äußere Fläche überfüllt mit bacchischen Symbolen und Masken von Panen, Titanen, alten und jungen Satyren männlichen und weiblichen Geschlechts, Hermen etc.; zwei hohe Vasen von konischer Form, umzogen von Kreisen mit Thierfiguren; ein Salzgefäß; ein Eimer ohne Henkel und ohne Verzierung; Fragmente anderer Gefäße. Die Reliefs sind durchweg von getriebener Arbeit, Ornamente und Darstellungen der Reliefs ausnahmslos der antiken Kunst und Mythologie angehörig; die lateinischen Inschriften weisen auf Gebrauch in römischer Zeit, die in der Silbertechnik und dem Styl der Ornamente und Figuren sich aussprechende hohe Kunst auf griechische Künstler, etwa der augusteischen Zeit, hin.

(Frk. Kur. Nr. 316, nach der Köln. Ztg.)

118) Im Zalarer Comitat (Ungarn), nicht weit von Also-Lendva, stieß man beim Ackern auf eine Urne, welche in ihrem Innern an 1000 Stück Silber- und Kupfermünzen, goldene und silberne Ringe, Armbänder und Halsketten barg. Eine der Silbermünzen, welche Prof. Wagner in Ofen erhielt, trägt vorn die Inschrift: „Imp. Cae. C. Vib. Volusiano Augg.“ und die Rückseite zeigt die Worte: „Pietas Augg.“, sowie die Abbildung einer auf dem Altar opfernden Vestalin. Cajus Vibius Volusianus war der Sohn des Vibius Trebonianus Gallus und dessen Mitregent seit 252 n. Chr., daher die Inschrift der Kehrseite „Pietas Augustorum“, da derselbe sammt seinem Vater 253 von seinen eigenen rebellischen Prätorianern umgebracht wurde.

(Ill. Ztg. Nr. 1320.)

119) Wie bereits mitgetheilt (auch in der vor. Nr. dies. Bl.), wurde in dem Walde der württemb. Gemeinde Lustnau vor Kurzem unter einer Eiche ein Topf aufgefunden, welcher Silbermünzen enthielt. Es waren dies über 6000 Stück kleine, schüsselförmige, blos auf einer Seite geprägte Münzen in der Größe eines Groschens, einige, doppelt geprägt, in der Größe eines Sechsers, und einige, circa 200, gleichfalls mit doppeltem Gepräge, kamen einem frühern Zwölfkreuzerstück gleich. Die Münzen scheinen aus dem 14. und 15. Jahrh. zu stammen und kursierten in der Gegend von Tübingen, indem eine größere Anzahl derselben der gräflich Hohenberg’schen Münzstätte zu Rottenburg am Neckar entsprungen sind und den Namen des Erzherzogs Leopold Graf von Tirol tragen, welcher 1396 mit Württemberg, Augsburg, Oettingen, Ulm, Esslingen, Gmünd einen Münzvertrag schloß. Der Topf, in welchem sich die Münzen befanden, ist ein Essighafen, welcher unten zwei Henkel und ein Zapfenloch hat. Der größere Theil der Münzen wurde an das k. Münzkabinet in Stuttgart gesendet.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 540, nach d. Schw. M.)