Die in Wasserfarben gemalte, aber auch schon etwas verblaßte Copie in der Ambraser Sammlung, von der ich eine Photographie beilege, ist jedenfalls unter K. Maximilian I. nach dem noch intacten Steine gefertigt[236]. Das Bild ist 6 Fuß groß und sehr gut, wahrscheinlich von dem Tiroler Kaspar Rosenthaler, der auch den großen habsburgischen Stammbaum in der Ambraser Sammlung malte. Die Inschrift stimmt genau mit Ihrem Holzschnitte überein, ebenso die Figur im allgemeinen, nicht so Kopf und Hände, die an dem Originale des Holzschnittes ohne Zweifel restauriert sind; auch Krone und Scepter sind anders geformt, und die Linke hält nicht den Reichsapfel, sondern die Büchse mit dem bei der Krönung gebrauchten Salböle. Auf dem Originale des Holzschnittes ist wol auch der Doppeladler auf dem Brustschilde eine neuere Restauration; denn auf unserem Bilde ist deutlich der einköpfige schwarze Adler zu sehen.“
Mantelschließen mit Wappen finden sich häufig auf unseren ältesten Grabmälern, z. B. auf den Grabsteinen Graf Otto’s von Botenlauben, † 1244, und seiner Gemahlin Beatrix, † 1250, in der Kirche von Frauenrode (abgebildet bei Hefner-Alteneck, Trachten etc., I. Taf. 59 u. 60); auf mehreren Erbach’schen und auf dem Grabmal Graf Ulrich’s von Württemberg und seiner Gemahlin Agnes, einer gebornen Herzogin von Liegnitz, beide † 1265.
„Ulrich’s irdische Reste“ — schreibt mein gelehrter Freund von Stälin (in s. wirtemb. Gesch. II, 484 u. 485) — „wurden zuerst in Beutelsbach beigesetzt, im J. 1321 nach Stuttgart gebracht; in der dortigen Stiftskirche befindet sich sein steinernes Grabdenkmal, welches den Grafen mit seiner Gemahlin Agnes in ganzen Figuren darstellt und nicht sehr lange nach deren Tode, vielleicht für die neue Beisetzung der Gebeine in Stuttgart, gefertigt wurde.“
Da die Abbildung bei Sattler, Topogr. Gesch. 40, S. 34, ganz unrichtig ist, so theile ich hier unter [Nr. 7] (in ½ Größe des Originals) eine genaue Zeichnung der Mantelschließe der Gräfin mit, auf welcher sich ihr Alliancewappen in eigenthümlicher Zusammenstellung befindet[237].
Nr. 7.
Zum Schlusse muß ich mir aber doch noch erlauben, meine bescheidenen Bedenken gegen einige in dem erwähnten „numismatischen Beitrage“ aufgestellten Behauptungen auszusprechen.
Das sehr frühe Vorkommen des Doppeladlers auf Geweben und als reines Ornament ist bekannt. Allein den heraldischen und ganz besonders den deutschen, kaiserlichen Doppeladler kann ich durchaus nicht für „ein Kind des Webstuhls“ halten.
Mag der Ursprung und die Bedeutung des Doppeladlers im Orient noch zu dunkel sein, in der deutschen Heraldik liegt ihm sicher eine tiefere Bedeutung zu Grunde, als die bloße mechanische Nachbildung fremdländischer Gewebe[238].