So sehr ich die allgemein anerkannte Autorität des Herrn Dr. A. Erbstein auf dem Gebiete der Münzkunde verehre, so kann ich doch, was das Verständniß unserer mittelalterlichen Wappenkunde betrifft (um deren tieferen Sinn sich die Münzmeister aus verschiedenen technischen und aus Zweckmäßigkeitsgründen oft sehr wenig gekümmert zu haben scheinen), mich seinem Urtheile nicht ebenso unterwerfen.
Ich muß daher die von competenten Richtern längst aufgestellte Behauptung aufrecht erhalten, daß der Doppeladler durch das monogrammatische Zusammenschieben — wie es v. Ledebur ganz treffend bezeichnet — zweier heraldischer Adler entstanden und in dieser Beziehung im kaiserlichen Wappen ein symbolisches (die Vereinigung des deutschen und des römischen Reiches bezeichnendes) Wappenbild ist und weder ein heraldisches Monstrum, noch ein blos symmetrisches Ornament.
Auffallend ist es, wie einer unserer größten Gelehrten[239] behaupten konnte, daß bei dieser Annahme „Schwierigkeiten darüber entstehen, auf welchen Beziehungen diese Verbindung beruhe,“ nachdem derselbe doch unmittelbar vorher in seiner historischen Erörterung der „Zeichen, Fahnen und Farben des deutschen Reichs“[240] selbst anführt, daß der Doppeladler, „als besonderes Zeichen der römisch-kaiserlichen Würde im Gegensatz der deutsch-königlichen, die nun vorzugsweise durch den einfachen Adler bezeichnet werden sollte“, angenommen worden sei.
Den Vergleich zwischen dem doppelgeschwänzten heraldischen Löwen[241] und dem Doppeladler (nicht dem blos doppelköpfigen, wovon ich nur ein Beispiel kenne: die geschmacklosen Schildhalter auf dem großen Doppelsiegel Kaiser Sigismund’s[242], wovon dasselbe gilt, was oben von den Schildhaltern auf dem Siegel K. Ludwig IV. gesagt ist) kann ich eben so wenig gelten lassen, als zwischen diesem stets aus zwei ganz gleichen Hälften bestehenden Adler mit den von mir bereits a. a. O. erwähnten Storchen und Hühnern mit zwei Köpfen und ähnlichen heraldischen sowohl, wie ornamentalen Figuren mit mehreren Köpfen an einem Leibe oder mehreren Leibern, bei welchem von einem Zusammenschieben zweier Thiere nicht die Rede ist.
Was meine aus Italien geschöpfte Angabe über das Wappen der Caetani betrifft, so kann ich zur Begründung derselben jetzt noch eine neuere Notiz aus derselben Quelle beibringen. Das ursprüngliche Wappen der Caetani waren allerdings zwei blaue Flüsse im goldenen Felde (d’or à une bande jumelle ondée d’azur); jetzt führen sie diese Flüsse schräg-rechts. Kurz vor Bonifaz VIII. soll jedoch ein Aquapita Caetani eine Giovanna d’Aquila geheiratet und deren redendes Wappen, den Adler, seinem Wappen einverleibt haben. In dem rothseidenen Pluviale quaest. sollen die (einfachen) Adler von Silber gestickt sein; ebenso soll sich aber auch das frühere Wappen in Silber gestickt darauf befinden. Relata refero.
Kupferzell.
F.-K.
Die Ausstellung des internationalen archäologischen Congresses zu Bonn.
(Schluß.)