129) Unter die namhaftesten Erwerbungen des Alterthumsvereins zu Mannheim aus neuerer Zeit zählt eine große Ara (10 Zentner schwer) von gelbem Sandstein mit vier halblebensgroßen Reliefbildern, Herkules und Merkur, Juno und Minerva darstellend. Der Stein war in den Burgtrümmern auf dem Eichelberg bei Odenheim-Wiesloch gefunden worden und seit Jahren in einem Garten des Rentamtsgebäudes in Neckarelz (wo in der katholischen Kirche eine als Taufstein benutzte Ara mit den Göttern der sieben Wochentage sich noch befindet) der allgemeinen Kenntniß entzogen. Die Göttergestalten waren bisher nach der Deutung von Wilhelmi für Merkur, Herkules, Jupiter und Aeskulap gehalten worden.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 609.)

130) Von Venedig wird in Bezug auf die zwischen Oesterreich und Italien wegen der Archive und Bibliotheken getroffenen Vereinbarung Folgendes berichtet: Die italienische Kommission hat von der Wiener Regierung Alles, was sie wünschte, mit großer Bereitwilligkeit erlangt: 4000 Bände historischer Dokumente, meistens dem Zentralarchiv Venedigs angehörend; mehr als 100 Codices der Bibliothek von S. Marco; 10 Foliobände von Staatsakten des Hauses Visconti und der ersten Sforza, ehemals dem Archiv von Mailand zugehörig; eine große Zahl von Gemälden und andern Kunstgegenständen, darunter der berühmte Kelch der Königin Theodelinde. In Wien sind noch zurückgeblieben 200 Codices, die zwischen den Jahren 1837 und 1842 aus Mailand dorthin kamen, als der berühmten Sammlung Foscarini angehörig betrachtet, welche Oesterreich im Jahre 1800 ankaufte. Darüber, heißt es, unterhandle man noch. Behalten hat Wien mehr als 300 Bände Depeschen venetianischer Botschafter an den deutschen Höfen von 1540 bis 1797, mit der Verpflichtung, dieselben zum Behufe von Abschriften nach Venedig zu schicken, wenn sie gewünscht werden.

(Das.)

131) Unter dem Namen Holbein-Society ist in London ein Verein zusammengetreten, der sich zur Aufgabe macht, von alten, seltenen Büchern, zu deren Herstellung sich die Kunst mit der Literatur verbunden, Facsimile-Abdrücke zu veranstalten. Weil es viele solcher Werke gibt, die Holbein ihren Kunstschmuck verdanken, so hat die Gesellschaft nach ihm sich genannt. Die mit Hilfe der Photolithographie zu reproduzierenden Werke sollen den Mitgliedern der Gesellschaft zu sehr mäßigen Preisen geliefert werden, und zwar soll der Anfang mit Holbeins Todtentanz (Lyon 1538) und seinen Bildern für das alte Testament (1548) gemacht werden.

(Mag. f. d. Lit. d. Ausl. Nr. 49.)


Mittheilungen.

In der C. H. Beck’schen Buchhandlung in Nördlingen erschien soeben und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Kunst und Kunstgewerbe
vom frühesten Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts.