Die erde ist nicht allenthalben schwartz/ In Doͤringen ist sie schwartz/ am Rein ist sie rot/ wie wol die schwartz erde zum korn wachsen besser ist/ denn... rote erden.

Cesius.

Der hymel ist blaw/ wie wir sehen/ daher wir eyn blawe farbe nennen hymelblaw/ vn ist eygentlich mer graw/ denn blaw.

601.
Geel wie eyn wachs.

Cereus.

(Bl. 6 v b). Flauum heyssen die Roͤmer liecht geel/ Fuluum dunckel geel. Addam cerea quoque pruna. Geelspilling/ wachßgeel ist todtẽ farb.

603.
Weisser denn schnee.

Eyn Deutsche Hiperbole/ weisser denn schnee/ so doch nichts fast weisser sein mag/ denn schnee...

Auf welche Weise aber ist dieser Irrthum in der Zählung entstanden? — Die Frage löst sich, wie mir scheint, einfach und ungezwungen durch die Ansicht der zu diesem Zwecke hier abgedruckten Texte. Der Setzer, welcher den Satz der Ueberschrift seiner Vorlage („601 Blaw wie der hymel.“) versäumt hatte, wurde zwar seines Irrthums bald gewahr, anstatt diesen aber an der rechten Stelle zu verbessern, zog er es aus Bequemlichkeit vor (die Seite war einmal gesetzt), ihn erst auf der folgenden durch Ueberspringung einer Nummer gut zu machen. Auch an anderweitigen falschen Bezifferungen und Ungehörigkeiten fehlt es diesem Drucke keineswegs. So sind nur die ersten 31 Blätter foliiert, wobei jedoch 26, 28 und 30 ausgelassen und statt 27 — 20, statt 29 — 30 gesetzt wurde. Custodierung findet zwar in der Regel Statt, doch ist auch diese dreimal in den Vorstücken und vierzehnmal im Texte vernachlässigt. Im Uebrigen zeigt sich die Ausgabe von 1537 auch sonst als unveränderter Abdruck derjenigen von 1534, der nur in unwesentlichen Dingen (deutsche Typen statt römischer für das Register, durchgehende Numerierung der Sprichwörter am Rande, statt bei der Ueberschrift etc.) von seinem Vorgänger abweicht.

Es sei mir verstattet, diese Gelegenheit zu benützen zu einer Bitte an die Leser des Anzeigers und die Freunde des deutschen Sprichworts insbesondere. Nopitsch in seiner Literatur d. Sprichwörter, S. 22, gedenkt einer Ausgabe der „Opera“ Agricola’s: Basel 1558. Fol., in welcher die Sprichwörter ebenfalls enthalten seien. Diesen Druck aufzufinden, wollte jedoch bis jetzt weder in einer bedeutenden Anzahl deutscher Bibliotheken gelingen, noch bin ich selbst in mehreren Hunderten von antiquarischen und Auctions-Catalogen ihm begegnet. Da nun außerdem Kordes in seinem „Leben Agricola’s“ (Altona 1817. 8.) und ebenso Latendorf in seinem vortrefflichen Buche: „Agricola’s Sprichwörter“ (Schwerin 1862. 8.), nicht minder sämmtliche mir bekannten literarischen und bibliographischen Handbücher älterer und neuerer Zeit[25] (Clessius, Jöcher, Adelung, Schellhorn, Jördens etc.) völlig von ihr schweigen, so bin ich in Folge dessen fast geneigt, einen Irrthum Nopitsch’s anzunehmen und die Existenz der Ausgabe überhaupt zu bezweifeln. Sollte ich aber meinestheils mich irren, so würde ich es mit dem größten Danke anerkennen, wollte ein Leser die Freundlichkeit haben, mir den Fundort derselben, sei es direkt oder durch diese Zeitschrift, mitzutheilen.