11) Innerhalb des großen Baukörpers der Marienkirche zu Danzig, deren Mauern, wie Th. Hirsch überzeugend nachgewiesen, der Zeit von 1403–1502 angehören, entdeckte ich kürzlich — was von allen andern Forschern bisher übersehen worden ist — noch sehr bedeutende, vortrefflich erhaltene Ueberreste der älteren, 1343–59 erbauten Kirche, welche Basilikenform hatte. Einen Theil der Grundmauern derselben hatte Hirsch, auf alte Tradition fußend, nachgewiesen. Es sind aber noch 2 Joche der beiden Seitenschiffe, das zugehörige Stück des Mittelschiffes und ihre Mauern, Gewölbe mit Consolen edelster Bildung, Fenstern, incl. Maßwerk etc. vollständig vorhanden. Ich bin nun im Stande, die alte Kirche nach allen Dimensionen genau zu zeichnen. Durch diese für die Baugeschichte Danzigs wichtige Entdeckung — diese Theile dürften die ältesten bedeutenderen Architekturtheile in Danzig sein und zu den schönsten derselben gehören — werden die von Th. Hirsch und J. C. Schultz gegebenen Nachrichten nicht nur bestätigt, sondern auch bedeutend erweitert. Sobald die Jahreszeit eingehenderen technischen Untersuchungen günstiger sein wird, werde ich solche ausführen und dann in diesen Blättern genaueren Bericht darüber erstatten.

Danzig.

R. Bergau.

12) Der Westflügel des ehemaligen Franziskaner-Klosters in Danzig wird gegenwärtig zum Local für die Gewerbeschule umgebaut. Die 1793 eingeschlagenen Zellen- oder Netz-Gewölbe (von Büsching in Kugler’s Museum 1835, S. 107 und 118, „Zuckerhut- oder Mützengewölbe“, von E. Strehlke im Organ für christliche Kunst 1855, S. 167, „Kuffengewölbe“ genannt) im Westflügel des Kreuzganges sind in trefflichster Weise und nach dem Muster der alten (Ende des 15. Jahrhunderts erbauten) Gewölbe hergestellt worden.

Danzig.

R. Bergau.

13) Herr Major Köhler in Danzig, welcher eifrigst und mit bestem Erfolge die Geschichte der Befestigung Danzigs im 15. und 16. Jahrhundert studiert und in Folge dessen höchst interessante und sehr wichtige Ergänzungen und Berichtigungen zu dem etwas mangelhaften ersten Abschnitt der Geschichte der Festungswerke Danzigs von K. Hoburg (Danzig 1852) zu liefern im Stande ist, hat kürzlich im Stadt-Archiv zu Danzig eine bisher nicht genügend beachtete, große Zeichnung gefunden, welche den Zustand der westlichen Hälfte der Danziger Stadtmauern im Jahre 1520 mit allen Einzelheiten klar darstellt und das hellste Licht auf den Zustand der Befestigung während dieser besonders interessanten Periode wirft.

Sie ist demnach für die Geschichte der Befestigung von der höchsten Wichtigkeit.

Danzig.

R. Bergau.