14) König Ludwig II. von Bayern hat genehmigt, daß zum Zwecke der Erhaltung der in Beziehung auf Kunst und Geschichte merkwürdigen Denkmale und Alterthümer im Königreiche eine Kommission von Sachverständigen gebildet werde, welche unter der unmittelbaren Leitung des Staatsministers des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten steht, und daß dieser Kommission ein Generalkonservator als Mitglied beigegeben werde, welcher nach näherem Auftrage des Ministers alljährlich einzelne Theile des Königreiches zu bereisen, die in Bezug auf Architektur, Skulptur, Malerei und Kunstindustrie denkwürdigen Werke zu verzeichnen und bezüglich der Erhaltung oder Nutzbarmachung derselben geeignete Vorschläge zu machen hat. Die Funktion eines Generalkonservators für diese Zwecke ist in widerruflicher Weise dem Professor und Konservator des Kupferstichkabinets, Dr. v. Hefner-Alteneck, übertragen.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 57, Frk. Kur. Nr. 31.)

15) In München wird am 16. März die Kunstsammlung des Bildhauers J. O. Entres durch den Kunsthändler J. Aumüller versteigert werden, welcher soeben den Katalog versendet hat. Entres, ein alter Sammler und tüchtiger Kenner, legte den Grund zu seiner schönen Sammlung noch zu einer Zeit, wo nur Wenige Sinn für die Denkmäler des Mittelalters hatten, und so kam es, dass sich nach und nach alle verfügbaren Räume seines Hauses mit kostbaren Gemälden, Skulpturen, Antiquitäten, Kupferstichen, Holzschnitten u. s. w. füllten. Besonders sollen die Gemälde alter Meister aus den verschiedenen Schulen und die Skulpturen sehr interessant sein. Der Katalog umfaßt nicht weniger als 3940 Nummern; auch einige neuere Meister auf dem Gebiete der Malerei sind vertreten.

(Korr. Nr. 71, nach d. A. Abdztg.)

16) In Heidelberg sind bei dem Neubau einiger Häuser am Westende der Stadt neulich die Fundamente des alten Speierer Thores aufgefunden worden. Auch wurden zu gleicher Zeit mancherlei Rüstungen und Waffen ausgegraben, die wahrscheinlich aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges herrühren, wo bei der Belagerung der Stadt und des Schlosses Heidelberg durch Tilly an dem Thore heftige Kämpfe vorgefallen sein mögen. Endlich ist ein Theil eines unterirdischen Ganges entdeckt worden, der vom Schloß auf den Marktplatz führte.

(Korr. Nr. 74.)

17) Die Resultate verschiedener Ausgrabungen in der norddeutschen Tiefebene sind von dem Baron von Dücker der Geographischen Gesellschaft in Berlin vorgelegt worden. Die Gräber, aus welchen die Funde herstammen, lagen meistens auf Inseln in der Mitte norddeutscher Landseen, wie namentlich auf einer Insel des Sees bei Königswalde, desgleichen auf einer andern im Plönes-See, 3½ Meilen von Stargard, und auf zwei kleinen Inseln im Scharmützelsee bei Fürstenwalde. Die Urnen, welche Hr. v. Dücker mit den in ihnen aufgefundenen Gegenständen vorzeigte, befanden sich in einer auf dem nordwestlichen Ufer des Scharmützelsees sich erstreckenden Hügelreihe aus gelbem Diluvialsande, in welchem sie 2–3 Fuß unter der Oberfläche zwischen Feldsteinen gebettet waren. Sie enthalten außer Schmucksachen von Bronze vornehmlich Reste menschlicher Gebeine. Bisweilen wurden auch rohe Feuersteinmesser in der Nähe gefunden. Merkwürdigerweise sind die Knochen, Schädelstücke und Zähne häufig von außerordentlich kleinen Dimensionen. (Ill. Ztg. Nr. 1282.)

18) In der Feengrotte zwischen St. Aubin und Vaumarcus im Canton Neuenburg wurden zwei Armspangen von Glas, von blauer und violetter Farbe, acht römische Medaillen und Spangen von Bronze, sowie eine Agraffe von demselben Metall gefunden.

(Dies. Nr. 1288.)

19) In der Londoner Vorstadt Highbury wurde beim Umgraben eines Streifens Wiesenland eine Vase mit etwa 7000 Silbermünzen verschiedener englischer, irischer und schottischer Grafschaften nebst einer Anzahl von auswärtigen Stücken, darunter venetianische und deutsche, zwei Goldmünzen aus der Zeit Eduard’s III. und ein Rosenkranz aus Bernstein gefunden. Man vermuthet, daß der Schatz, der an die Krone abgeliefert wurde, den Rittern des Johanniterordens gehörte und von ihnen im Jahre 1381, als die Rebellen unter Wat Tyler die bei dem Fundorte gelegene Priorei des Ordens angriffen, stürmten und verbrannten, vergraben wurde.