Fig. 5.

Fig. 4.

Die Praxis allerdings hat diesen durch sie und in ihrem Interesse vorzugsweise hervorgerufenen Studien noch immer nicht so allgemeine Beachtung geschenkt, als wünschenswerth; die Wissenschaft, die Erkenntniß hat sicher durch sie gewonnen.

Fig. 6.

Fig. 7.

Es geht so in der hohen Kunst und ist einer der vielen Gegensätze, die im Geiste unserer Zeit liegen. Längst hat Lessing in seinem Laokoon darauf hingewiesen, daß nicht jede Aufgabe für jedes Kunstgebiet passend sei, und daß nicht eine Kunst der andern den ihr allein zugehörenden Boden streitig machen, sich nicht Aufgaben usurpieren soll, die der Schwester ausschließlich zugewiesen sind. Man hat Lessing Denkmale errichtet, aber seinen Ausspruch haben unsere Künstler nicht berücksichtigt, ja, fast wäre zu sagen, je höher sie stehen, um so weniger haben sie sich daran gehalten. So geht es denn auch auf andern Gebieten; man wirkt und webt Stoffe, deren Muster nicht dem naturgemäßen Formenkreis der Wirkerei angehören; man malt Fenster, ohne zu bedenken, welche Aufgaben die Glasmalerei hat u. s. w. Man sucht das höchste auf jedem Gebiete in den Seiltänzerkunststückchen, indem man gerade mit vielen Mitteln und vieler Mühe das macht, was einem andern Kunstgebiete angehört und dort sich mit wenig Umständen geben läßt. Wir haben oben gesagt, daß eben die Absicht der Nutzbarmachung der Vergangenheit das Studium gefördert habe, und müssen so auch in einem rein wissenschaftlichen Blatte für diese praktische Frage eine nähere Prüfung in Anspruch nehmen, da eben sie uns hinleiten soll zur Erforschung eines auf einem Specialgebiete von den Alten befolgten Gesetzes. Man gestatte uns deshalb noch einige Worte. Eine Verkennung, die lange auf unsere Industrie ihren Einfluß geltend machte, liegt in der verschiedenen Aufgabe einer Flächendekoration und der plastischen Behandlung. Die Aesthetiker haben sich lange vergebens bemüht, diese Unterschiede darzulegen, und es scheint, daß erst die Wirkung der massenhaften Vorführung der Erzeugnisse des Orients, der dem richtigen Gesetze stets treu geblieben ist, auf der Pariser Ausstellung des vorigen Jahres einen mächtigen Einfluß ausgeübt hat. Zeigt sich ein großes Gesetz für alle Dekoration der Fläche, welcher Art sie auch sei, wonach sie eben durch einfache, klare Linien und einfache Nebeneinanderstellung der Farbentöne ihre größte und ihre vollberechtigte Wirkung erzielen muß, so ist doch wieder auf jedem Einzelgebiete eine großer Unterschied. Man bemüht sich deshalb stets mehr, diese einzelnen, in der Natur der Sache begründeten Formenkreise zu erkennen, und sucht in Schriften, wie in Museen dem Publikum durch größere Serien die einzelnen Formen darzulegen.