Graf Friedrich Christoph von Schlippenbach auf dem Sandrart’schen Bilde des Friedensmahles zu Nürnberg.

(Schluß.)

In Lievland, wo kein einheimischer Adel existierte, aber zur Zeit des Ordens zahlreich aus Niederdeutschland einwanderte, so namentlich 1434 aus Geldern und Westfalen, finden wir schon 1428 Heinrich II. von Schlippenbach auf Bornhusen bei Vernau. Von hier gieng der Nebenzweig auf Salingen bei Golding aus. — Lievland wurde 1620 durch Gustav Adolf erobert und für Schweden erworben; Curland, seit 1561 Herzogthum unter polnischer Hoheit, blieb bestehen. Seit den Schwedenkriegen traten, um ihr Glück zu machen, vier später sehr namhaft gewordene Männer in schwedische Kriegsdienste: die beiden Brandenburger Arnim und Königsmark und die beiden curländischen Vettern Wrangel und Schlippenbach, sämmtlich bald schwedische Grafen.

Christoph Freiherr von Schlippenbach, Herr auf Salingen und Wiltzing, dessen Schwester Dorothea mit Georg von Wrangel auf Cronen in Curland vermählt war, hatte mit seiner Gemahlin Anna Maria von Manteufel auf Zögen den Sohn Friedrich Christoph. Geboren am 1. Januar 1624, trat er sehr jung unter des Kanzlers Oxenstjerna Regentschaft in Kriegsdienste, machte den dänischen und den deutschen Krieg mit, stieg rasch von Grad zu Grad und war im fünfundzwanzigsten Altersjahre Oberst eines Infanterie-Regiments, sowie Kammerherr. Als Pfalzgraf Karl Gustav von Zweibrücken, der Königin Christine Vetter, Verlobter und späterer Nachfolger, 1648 als schwedischer Generalissimus nach Deutschland gieng, fungierte Oberst Schlippenbach als Hofmarschall in seinem Hauptquartier. Als solcher hatte er auch das große Friedensmahl zu veranstalten, das Karl Gustav nach Abschluß der Tractate zwischen Kaiser und Reich und der Krone Schweden am 25. Sept. 1649 im Rathhaussaale zu Nürnberg gab. Sandrart’s große Darstellung desselben soll in Karl Gustav’s Wohnung, im Winkler-Waldstromer’schen Hause bei St. Lorenz, gemalt worden sein. General von Wrangel übergab es später dem Rathe der Stadt.

Nach Stockholm zurückgekehrt, wurde der junge Oberst — durch männliche Schönheit hervorragend — ein Liebling der Königin Christine, Obermundschenk, Oberkämmerer und Oberst der Leibgarde. Sodann mit Führung der Thronwechsel-Verhandlungen und Abschluß der Verträge darüber beauftragt, die er nach vielen Sendungen zur Zufriedenheit der stets schwankenden Königin vollbrachte, wurde er — wie Wrangel schon 1651 — von Christine vor Unterzeichnung ihrer Entsagungsurkunde, den 1. Juni 1654 zu Upsala in den Grafenstand erhoben und mit den Städten Sköfde und Falkjöping in Westergotland und Linsala in Finland dotiert. Des Grafen Wappen, in welchem das Stammwappen auf vier neue Felder gelegt wurde, ist in der Auswahl der Bilder zu bezeichnend, als daß wir nicht darin die unmittelbare Mitwirkung der jugendlichen Königin erblicken sollten. Es enthält in den Feldern: einen Arm, der aus Wolken eine Krone reicht, ein springendes weißes Roß, einen Merkurstab und einen lorbeerumkränzten Speer; auf den Helmen: eine Jungfrau mit Wagschaale und Krone in den Händen, einen Januskopf und einen jungen geharnischten Mann.

Der neue König Karl X. Gustav schickte den Grafen Schlippenbach sofort nach Deutschland, namentlich an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, mit dem Spannung bestand, um ihn zum Kriege gegen Polen zu gewinnen. Seitdem blieb er der ständige Specialgesandte Schwedens für Friedrich Wilhelm, bei dem er sehr beliebt war. Doch finden wir ihn auch in Dresden, Mainz, München u. s. w. Auch im polnischen Kriege zeichnete Schlippenbach sich aus, bewirkte u. a. die Uebergabe Krakaus an General Grafen Wittenberg und schloß den 10. Nov. 1656 den wichtigen Vertrag von Labiau, der dem Hause Hohenzollern die Souveränität über das Herzogthum Preußen zugestand. Im J. 1657 wurde er zum Kriegsrathspräsidenten und Reichsrath ernannt; 1658 machte er den dänischen Krieg mit und schloß 1660, nach des Königs Tode, als erster schwedischer Friedensgesandter bevollmächtigt, den Vertrag von Oliva. Er wurde im selben Jahre Tribunalspräsident zu Wismar, besaß das Amt Stegnitz bei Golnow und Nöblin bei Stargard, sowie die Pfandschaft der Insel Wollin. Auf dem nächsten Stockholmer Reichstage nochmals zum Gesandten in Polen bestimmt, bestieg er im December ein Kronschiff, litt aber am Vorgebirge Landsort Schiffbruch und beschloß in den Wogen des Meeres seine so glänzende wie kurze Laufbahn. Ueber diesen Unglücksfall, sowie über die ehrenvolle Beisetzung der Leiche gibt das Theatrum europaeum nähere Nachricht. Letztere wurde später nach Stettin übergeführt.

Christoph Friedrich war vermählt mit Helene Elise Freiin von Praunfalk zu Neuhaus und Weiher in Steyermark und hinterließ als Sohn den zweijährigen Karl Friedrich, der mit dem jungen Karl XI. zusammen erzogen wurde, 16 Jahre alt in den Krieg gegen Brandenburg zog, die Schlacht bei Fehrbellin und die Belagerung von Stralsund mitmachte, unter Commando des Königs selbst auf Schonen focht, mit 22 Jahren Major, mit 23 Obristlieutenant und Commandant von Anklam wurde, aber, als die schwedischen Reductionskammern 1684 die Dotationen cassierten, seinen Abschied nahm und nach Berlin gieng. Der große Kurfürst ernannte ihn zum Obersten und Kammerherren, 1696 zum Generalmajor und 1702 zum Gesandten beim König Karl XII., dessen Kriegszüge er bis Pultawa mitmachte. Er starb 1723 als General der Cavallerie an aufgebrochenen Wunden. Seine Nachkommenschaft blieb seitdem im Preußischen.

Zu unserm Ausgangspunkt zurückkehrend, bemerken wir, daß durch jene oben angeführten Handzeichnungen noch eine Anzahl der interessantesten Porträte auf dem Sandrart’schen Gemälde bestimmt werden, die bis dahin als unbekannt galten. Die stehende Figur am äußersten Rande links stellt den bekannten schwedischen General Horn dar. Sein aus dem Hintergrunde hervorschauender Nebenmann ist der Nürnberger Rathsherr Georg Philipp Harsdörfer und der vor diesem stehende wohlbeleibte Herr mit schwarzem Lockenhaar der Obrist Moser. Neben diesem befinden sich, wiederum etwas in den Hintergrund gedrängt, die Rathsherren Jost Christoph Kreß und Burkhard Löffelholz. Unter den fünf sehr hervorragenden Figuren rechts vom Marschall Schlippenbach, unmittelbar über dem Haupte des sitzenden Künstlers, sind wenigstens die drei mittleren näher zu bezeichnen, und zwar als Georg Imhof, Duumvir und Friedensgesandter der Reichsstadt Nürnberg, Joh. Wilh. Kreß, Losunger und Schultheiß, sowie Georg Abraham Pömer, Duumvir daselbst. Die Bezeichnung der Namen kann nicht angezweifelt werden, da die auf sonst bekannte Personen gehenden Angaben sämmtlich zutreffen.

Nürnberg.