32) Ueber die neuentdeckten Pfahlbauten bei Zürich verlautet Näheres. Unweit der jetzigen Badeanstalt, in der Nähe der Tonhalle, befinden sich zwei Untiefen, der kleine und der große Hafner genannt. In letzter Zeit hat die Baggermaschine dort den Grund aufgewühlt und durch die zu Tage geförderten Grundstücke den Beweis geliefert, daß auf dem kleinen Hafner ein Pfahlbaudorf gestanden haben muß, welches durch Feuer zerstört worden ist. Bis jetzt fand man ein Steinbeil, Hirschgeweihe, angebrannte Knochen, Bruchstücke eichener Querbalken und föhrener Pfähle, endlich Haselnüsse. Der kleine Hafner ist unzweifelhaft ein sog. Steinberg, wie sich solche im Bieler und im Wauwyler See, Kantons Luzern, vorfinden. Kleine, rundliche Steine haben dazu gedient, die Lücken zwischen den senkrecht ins Wasser gesenkten Pfählen auszufüllen. Unter diesen Schichten liegt eine mehre Fuß hohe Ablagerung von Milliarden kleiner Süßwasserschneckengehäuse, deren allmähliche Anhäufung Tausende von Jahren erfordert haben muß. Der größere Hafner ist höchst wahrscheinlich auch eine Colonie der Pfahlbürger gewesen.

(Dies. Nr. 1288.)

33) Der Archivar Dr. Kürschner in Eger hat im dortigen Archiv einen interessanten Fund gemacht. Es sind dies Theile eines um die Mitte des 15. Jahrhunderts angelegten Capitelbuchs zur Eintragung wichtiger Urkunden. Unter andern enthält dasselbe die große Urkunde des zu Eger abgeschlossenen Landfriedens vom Jahre 1389, Verhandlungen aus der Hussitenzeit, den Landtag zu Prag 1429, die Botschaft des Kaspar Schlick an die böhmischen Stände wegen Erhebung Albrecht’s auf den böhmischen Thron 1437, Schriftstücke aus der Zeit Georg’s von Podiebrad, König Ladislaus’ u. s. w. Die letzte Eintragung ist vom Jahre 1455.

(Dies. Nr. 1286.)


Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.


Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.